Mein Gutmensch-Problem mit Scheissgestalten

Ich bin eigentlich und gerne ein Gutmensch, das kann ich getrost behaupten. Ich füttere hungrige Nachbarskatzen durch, wir spenden nicht wenig Geld dafür, dass Grundschüler aus armen Familien in der Schule ein Frühstück bekommen und ich bin ein gnadenloser Verfechter  sozialer Gerechtigkeit, ich esse größtenteils biologisch angebaute Produkte die ich im Hoflädchen kaufe und nicht bei preisabsprachentreffenden und uns bescheissenden Lebensmittelfilialisten, und ich stehe mit meiner Person für die Bewahrung unserer bürgerlichen Kultur gegen kurzfristige Finanzinteressen.

Ich verleide vielen Leuten ihre Geieraktien, habe klare Einstellungen zu dem Abschaum von Bankern und Politikern die uns die Finanzkrise eingebrockt haben und was man ihnen antun sollte, habe erzkonservative Grundsätze zur Wahrung von Grundrechten und demonstriere auch mal dafür, und ich mache in meiner Freizeit neben dem Blog hier noch eine Menge anderer Sachen, die u.a. auch der Allgemeinheit nach ihrer Meinung nützen, ohne dass dafür ein Cent an mich geht, bis hin zu gemeinnütziger Arbeit.

Und wenn wie grade jetzt, ein Heckflossen-Junkie sein total verbröseltes Flösschen kostengünstig geschweisst bekommen will, vermittele ich ihm das, ohne dafür so wie ein scheinheiliger Forums-Betreiber, die Hände aufzuhalten. Kurzum: Ich bemühe mich, mit meiner Existenz wenig Schaden anzurichten, bin mir meines Versagens bewusst und nehme für die Bewahrung einer intakten, bürgerlichen  Gesellschaft, in der es allen Leistungswilligen und -Bereiten gut geht, auch individuelle Nachteile in Kauf, weil es uns bspw. alle umbringt, wenn jeder meint mit seiner Benzinschleuder, SUV- oder Stretched-Limousine-Karre, die 30 Meter zum Fluppenholen fahren zu müssen.

Mitunter bin ich bei Sachthemen politisch enorm flexibel, wenn es denn der Sache dient, und reden tue ich mit fast allen – soweit es nicht diejenigen oder ihre Nachfolger sind, die ihre sozial, religiös, gesellschaftlich oder ökonomisch bedingten exterminatorischen Neigungen gegen meinesgleichen schon mehrfach unter Beweis gestellt haben.

Das ist das eine. Das andere ist aber das, was tief in mir drin nagt. Der Wunsch, den Titel Gutmensch anzunehmen, wird konterkariert vom Verlangen, der anderen, oben erwähnten Seite Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Ich würde also mitunter gern, irgendwann mal gewisse braune Dreckspuppen, unterstützende Neoconazis und artverwandtes Gossenpack in manchen Foren, genau so wie einen XXXXXXXinstandsetzer, der vor Gericht lügt das sich die Balken biegen und jetzt sogar behauptet, der Motorschaden  nach 270 Kilometern sei nie passiert, wenn ich solche Menschen allgemein als “SchXXXXgestalten”, also das eindeutige Gegenteil das zu sein sie eigentlich in Anspruch nehmen, tituliere. Fühlt sich gut an, wenn man es ausspricht, versucht es nur mal:

“(_____________) ist kein Gutmensch, er ist eine Scheissegestalt!”

Da flutscht die Zunge wie über Nougat, auch, wenn man von den Scheissegestalten nicht aktuell als Gutmensch bezeichnet wird. Nur: Bin ich immer noch ein Gutmensch, wenn ich das tue? Und was ist mir wichtiger?

Ach, es wäre schön, dafür klare Antworten zu haben.

 

Robert Nolte Modulbau Nolte GmbH Toni Geppert.

58 Gedanken zu “Mein Gutmensch-Problem mit Scheissgestalten

  1. Gutmenschen sitzen mit allen anderen gemeinsam im Dreck und freuen sich, dass aus Ihrer Perspektive ein anderer noch schmutziger aussieht. Nur den eigenen Dreck sehen sie nie. Wenn ich an einzelne Kommentare zum Thema “Mirbach” denke…

  2. Ich staune über häufig über den heutzutage öfters auftauchenden aus meiner Sicht Kampfbegriff ‘Gutmensch’. Man hat den Eindruck, als würden all diejenigen, die sich für soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Integration, Fair Trade, Friedenspolitik und den Kampf gegen Diskriminierungen interessieren oder – Gott bewahre! – sogar engagieren, die größte Bedrohung unserer heilen Welt darstellen. ‘Gutmensch’, klar: genauso schlecht wie Political Correctness, wer braucht das schon …

    Ich kann ja noch verstehen, wenn man/Frau nicht gerne mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert wird.

    Der Begriff Gutmensch desavouiert aber heutzutage positive Lebenskonzepte regelrecht. Er scheint mir nichts anderes als eine bequeme Ausrede zu sein, um nur ja die eigene Lebensführung nicht hinterfragen zu müssen. Und überhaupt: An wem sollen wir uns denn sonst orientieren: An ‘Bösmenschen’ etwa?”

  3. Gutmensch ist ein Kampfbegriff Rechter. In der Gedankenwelt der Rechten (Rechtsaußen) reicht es, jemand des Gutmenschentums ueberfuehrt zu haben, um eine Diskussion zu gewinnen. Mit den Argumenten eines Gutmenschen muss man sich als Rechter nicht naeher befassen.

  4. Korrektionist,
    die Existenz von 2 und 3 ist nicht überliefert. Fazit: Es kommt am Ende immer nur Böses heraus. Welche Pillen haben Sie denn geschluckt, um zu so einer Erkenntnis zu gelangen?
    :-)

  5. Also meiner Erfahrung nach sind jene die den Begriff Gutmenschen als Keule verwenden alles andere als Selbstdenker.

    Im Allgemeinen geht die Verwendung dieses Begriffes mit Agressivität und Argumentationsmangel einher.

    Es würde mich auch mal interessieren, was die vielen “X” zu bedeuten haben?

    GeorgV

  6. Pingback: Pack verträgt sich, Pack schlägt sich

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