2008-05-03: Alte Opel Teststrecke Rüsselsheim

50.000 Zuschauer kamen früher zu Opel…

Der Hockenheimring der zwanziger Jahre liegt in einem Waldstück etwa fünf Kilometer von Rüsselsheim entfernt. In der Nähe des Wasserwerks “Schönauer Hof” zerschneidet heute die Darmstädter Straße die Überreste der ehemaligen Opel-Rennbahn. Nur noch die Steilwände der 1,5 Kilometer langen Bahn, die einst auf Spitzengeschwindigkeiten von 140 Stundenkilometern angelegt war, sind noch als Erhebung in der Landschaft zu erkennen. Auf dem Rest der Fläche hat sich die Natur durchgesetzt.

Schon von 1903 an unterhielt die Firma Opel, die seit 1899 in Rüsselsheim produzierte, eine sogenannte Einfahrbahn, die wegen ihrer geringen Größe allerdings nicht für Geschwindigkeitstests genutzt werden konnte.

Als man schließlich dazu überging, für Testfahrten öffentliche Straßen zu benutzen, kam es schnell zu Beschwerden aus der Bevölkerung, weil der Lärm sie belästigte und weil die schlechte Bereifung der Autos Straßenschäden verursachte.

Der Großherzog sprach ein Machtwort, und bereits 1919 konnte die zwölf Meter breite ovale Opel-Rennbahn fertig gestellt werden. Sie sollte in erster Linie als Testgelände genutzt werden. In der Folgezeit kamen dann allerdings auch Rennveranstaltungen hinzu, die dem damals 9000 Einwohner großen Rüsselsheim Besucherrekorde von bis zu 50000 Menschen bescherten. Von insgesamt fünf Tribünen, die sich im 15 Hektar großen Inneren der Rennstrecke befanden, konnten die Zuschauer das Spektakel verfolgen. Auch das Rahmenprogramm der Rennveranstaltungen hatte mit Verkaufsbuden, Konzerten der Opel-Kapelle und Werbeschriftzügen auf der Fahrbahn schon fast moderne Züge.

Zu den Michael Schumachers von einst zählten der Engländer Jimmy Simpson, der Italiener Guido Mentasti und der Deutsche Hermann Lang, der später auch als Silberpfeil-Fahrer bekannt wurde.

Eines der größten Ereignisse auf der Opel-Rennbahn war der mit 100000 Reichsmark dotierte “Große Opel Preis” von 1922. Auch die sogenannte “Laubfroschparade” von 1925 zählte zu den Höhepunkten. Die Tagesproduktion des grünen “Laubfrosch”-Wagens von Opel wurde eigens zu diesem Anlaß von 25 auf 125 Autos gesteigert.

Das legendäre “Raketenauto” von Opel wurde am 12. März 1928 auf der Rennbahn ausprobiert. Es durchbrach erstmalig die Geschwindigkeitsgrenze von 100 Stundenkilometern.

Als die Firma Opel 1928/29 von General Motors übernommen wurde, hatte die Popularität der Rennbahn ihren Zenit schon fast überschritten. Der 1927 eröffnete Nürburgring und der 1932 erbaute Hockenheimring entsprachen moderneren Standards und machten der Opel-Rennbahn die Zuschauer abspenstig. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Bahn der amerikanischen Armee als Reparaturwerkstatt und geriet dann immer mehr in Vergessenheit.

2008 machte ich einen Abstecher und schaute mir das an, was die Natur übrig gelassen hat…

12 Gedanken zu “2008-05-03: Alte Opel Teststrecke Rüsselsheim

  1. Hab ich schon per Google Earth lokalisiert. Am Wochenende laufe ich kamerabewehrt Deiner Spur nach. Klasse.

  2. Ich habe zwar schon öfters von der alten Strecke gehört gehabt, aber jetzt schaue ich mir das was ich auf den tollen Fotos gesehen habe, auch mal selbst an. Danke.

  3. Sehr schön Bilder Herr Kupfer.
    Ich schaue mir unter dem Thema “abonded” genau solche Fotos alter Rennstrecken sehr gerne an ! Ich bin selbst ein Vorkriegs-Opel-Fan und deshalb sind Ihre schönen Bilder und Geschichten dazu umso schöner !

  4. Dank der Fotos von früher, eine sehr eindrucksvolle Fotostrecke. Würde ich gerne auch mal durch streifen. Auch von mir, Klasse.

  5. Danke nochmal für den Tip. Wir waren gestern bei herrlichem Wetter dort und haben alles so vorgefunden wie auf Ihren herrlichen Fotos.

  6. Ich habe gestern diesen Beitrag entdeckt. Keine 10 Kilometer von mir weg und ich hab bis heute nichts davon gewusst. Ich bin heute Mittag bei Sonnenschein mal durch das Gelände gestreift. Mit den Rennfotos von damals im Kopf war es einfach toll.

  7. Pingback: Ge-Opel-tes von Auto bis Kühlschrank

  8. Danke für den Tip. Das schau ich mir noch diese Woche selbst und mit leerer Speicherkarte dabei, auch mal an. Klasse Fotos.

  9. Pingback: Zusammenhänge | MotorBlöckchen

  10. Ist ja der Wahnsinn. Keine 40 Kilometer weg und ich hatte keinen blassen Dunst. Das schaue ich mir am Samstag selbst mal an.

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