1892… Von der Droscke zum Taxi in Frankfurt

1930 er Die letzte Pferde Droschke

Alexander Ruhe hat in seiner Frankfurter Wortschmiede zu diesem Thema schon vor längerer Zeit einen im Internet weitgehend unbekannten und sehr interessanten Beitrag veröffentlicht…

“Erste Wolken am klaren Himmel des Kutscherwesens tauchten zu Weihnachten 1892 in Frankfurt auf, am 23.Dezember 1892 nämlich, wurde einer Sachverständigenkommission das erste Auto in Frankfurt, ein Benz-Automobil vorgestellt, das vor dieser auf dem Schaumainkai vor dem Städel auf und ab fuhr und von dieser Kommission für den Straßenverkehr zugelassen wurde”.

und weiter…

“Damit war jetzt eine wirkliche Konkurrenz zur Droschke entstanden, allerdings waren die frühen Autos noch sehr teuer, anfällig, laut und sie ölten und stanken und waren damit erst mal ein Spielzeug für wenige Reiche, das – zudem – laut Polizeiverordnung, bei Strafandrohung von 60 Mark oder 14 Tagen Gefängnis, auch nicht schneller „als ein mäßig trabendes Pferd“ sein durfte…”

Ich knüpfe hier im Jahr 1912 an: Die 1912 als Verein der Frankfurte Kraftdroschenbesitzer e.V. gegründete heutige Taxivereinigung Frankfurt e.V. feierte im September 2012 ihr 100-jähriges Bestehen. Die Anfänge des Frankfurter Kraftdrochkengewerbes liegen im Dunkeln. Seine Geschichte liegt wie u.a. das nachfolgende Bild zeigt, einige Jahre zurück.

1907… “Alle öffentlichen Verkehrsmittel sind auf diesem Foto aus dem Jahr 1907 versammelt. Es ist ein herrlicher Sommertag um 1/2 10 Uhr morgens. Möglicherweise ist es ein Sonntag. Links sieht man die Strassenbahnlinie 12, bereit zur Abfahrt Richtung Nordend. Sie hat einen “Sommerwagen” angehängt, einen offenen Wagen ohne Seitenwände, nur mit Stoffbahnen als Sonnenschutz.

Im Vordergrund stehen die Kraftdroschken 17, 38, 23, 12 und 22 auf dem “Nachrückerplatz” gegenüber der heutigen Münchner Straße. Es sind Produkte der Frankfurter Adlerwerke, möglicherweise sogar welche mit firmeneigenen Konzessionen” (aus dem Jubliäumsheft der Taxivereinigung e.V). ▼

1911 herum… einer der ersten Taxi-Unternehmer Frankfurts. Heinrich Becker – in der Elbestrasse 7. Auf dem Foto zu sehe ist einer der 5 Söhne, Karl Becker. Sein Automobil, mit hoher Wahrscheinlichkeit einer der ersten Mercedes von der DMG Daimler-Motoren-Gesellschaft Mannheim.

Nach Auskunft seines Enkels, der mir auch diese noch nie veröffentlichten Fotos zur Verfügung stellte, existierte der Betrieb noch bis Anfang der 40er Jahre ▼

1910 - 1913 Taxifahrer Karl Becker - Familie Becker

und sein jüngster Bruder, Adam Becker, mit der Nummer 66, einem Opel 12/50 Typ 90 – gebaut zwischen 1926 und 1928 – 3,2 Liter Motor, 7 Sitzer, kostete damals schon 7.950 Reichsmark ▼

1920 - 1930 Taxifahrer Adam Becker - Familie Becker

1922… großes Geschäft für die Kraftdroschen – Kutscher während des Eisenbahner – Streiks – Das von dem Frankfurter Künstler Salini gezeichnete Bild stammt aus dem sehr interessanten Beitrag von Alexander Ruhe: “Von der Drosche zum Taxi im alten Frankfurt” 

1922 Taxis beim Eisenbahnerstreik

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1927… Taxis am Hauptbahnhof ▼

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1930… Kraftdroschken am Rossmarkt ▼

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1932… Taxistand Ecke Kaiserstraße – Gallusanlage ▼

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1947…  nach dem Krieg zum Taxi umfunktioniert. Vorne, bei dem cabriolet handelt es sich wahrscheinlich um einen Wanderer, bei dem hinteren Auto um einen DKW F8 – Meisterklasse ▼

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1948… Und dann mein Papa… für ihn begann das Wirtschaftswunder unmittelbar nach der Währungsreform als Taxifahrer. 1948 fuhr er als angestellter Fahrer eines der begehrten ET-Taxis – Nr. 212 – für einen der ersten Taxi-Unternehmer in Frankfurt nach dem Krieg, den Taxiunternehmer H. Ott ▼

Und ein Jahr später fuhr er für den legendären Taxiunternehmer Julius Nickel – die “Nickelranch in Hausen. Vom 7. Oktober bis zum 30.11.1949 immerhin 459,00 D-Mark verdient (über die kleinen Nebengeschäfte als Ausfahrer  amerikanischer Officer, die mit den ET – Taxis ihre diversen Waren und Sächelchen hin und her transportieren ließen… na ja, da schreibe ich ein bißchen was weiter unten…

1949 Lohnsteuerkarte - Nickel - 2

 

Es muss eine tolle Zeit voller Lebenshunger und Optimismus gewesen sein. Er lernte meine Mutter kennen. Seine größtenteils amerikanischen Fahrgäste zahlten zum Teil mit Kaffee, Zigaretten, kistenweise Spike – Seifen, Erdnussbutter, Nylonstrümpfen für die Mädels und anderen begehrten Waren. Abends wurde das Zeugs dann an die feineren Leute im damaligen Baseler Hof verkauft und statt einem Sträußchen Blumen bekamen die Herzensdamen auch mal ein paar Nylons oder ein Pfund Kaffee für die Familie geschenkt..

Taxistand vor dem Zoo – Gesellschaftshaus…  ▼

1954 Taxis am Zoo-Gesellschaftshaus

Nach einer Fuhre bester amerikanischer Baumwolltüscher, die eigentlich für die Bestattung gefallener US-Soldaten bestimmt waren und die er im Auftrag eines US-Officers dann aber nach Zeilsheim zu damals dort ansässigen Schneidern bringen sollte, die Herrenhemden nähten, war seine Taxi-Karriere Anfang 1950 beendet. 3 Monate Frühstück auf Kosten des amerikanischen Staates.

Aber er war schon ein toller Hecht. Wie viele Andere lebte man damals nach der Devise “mache dir keine Gedanken über morgen, lebe” und was soll uns nach den letzten 15 Jahren jetzt noch unterkriegen?

1950… Taxis in Frankfurt-Main vor dem ehemaligen Schuhmann – Theater direkt gegenüber dem Hauptbahhof. Ford Taunus-I 1200-deLuxe/1950 – ab Werk ledeglich als Limousine 2/4-sitzig erhältlich (NP ab 7,1TDM), baute die Kölner Firma Wilhelm speziell für den Taxieinsatz eine 4/6-sitzige Ausführung. Mit 4,58×1,49×1,60m war der Wagen 50cm länger und 2cm höher als die Normalversion ▼

 

Taxichauffeure bevorzugten schon damals die Autos mit dem Stern auf der Haube oder die aus der Nachbarstadt Rüsselsheim ▼

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1950 er… Taxistand an der Hauptwache ▼

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1952… Taxistand an der Hauptwache gegenüber Kaufhof ▼

 

1954… Taxistand an der Bockenheimer Warte ▼

1954 Bockenheimer Warte - Neubau Hartmann & Braun

Hier ist vorläufig mal Schluß. Ich werde nach und nach noch vorhandenes Material sichten und soweit vorhanden, Fotos ergänzen.

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15 Gedanken zu “1892… Von der Droscke zum Taxi in Frankfurt

  1. Ich habe auch noch ein paar Taxifotos von meinem Vater aus dieser Zeit. Können Sie gerne mal haben und hier zeigen.

  2. Pingback: Frage an all die Leser: Unbekanntes Taxi von 1947

  3. Pingback: Ein Stück Familiengeschichte auf Seite 27

  4. Mein Stiefvater hat von 1952 bis 1980 in Frankfurt ein Taxi gehabt und hat mir früher von der Nickel-Ranch in Hausen erzählt. Frankfurt war damals ja noch nicht so groß. Vielleicht haben die beiden sich ja sogar gekannt. Ich habe gestern bis Mitternacht Ihre so wirklich tollen Fotos aus dieser Zeit im Rückspiegel angeschaut. Noch vor Weihnachten werden die eigenen alten Fotoalben durchgestöbert.

  5. 1949 nur 4,3% Lohnsteuer. Früher war doch alles besser. Sehr schöne Webseite.

    Frank Rodekirchen

  6. Großes Dankeschön von einem Frankfurter Taxifahrer (1964 – 1991).

  7. Hallo Freunde,
    Hat noch jemand Bilder von der Nickelranch? Hab da in den 70ern ab und zu
    mal bei Edgar gejobt.

    Gruß Manni

  8. Hallo,
    habe von meiner Familie noch alte Frankfurter Taxi-Bilder.
    (ca. 1907-1914, und von ca. 1936-1943).
    Besteht Interesse?
    Mfg.

  9. Und grade habe ich Fotos ergänzt. Aus einem der entferntesten Winkel Deutschlands – oben bei den Fischköppen – hat mir der Urenkel eines der ersten Taxi – Unternehmer Frankfurts, Gebr. Becker in der Elbestrasse 7, Fotos von um 1911 und den 1930er Jahren herum geschickt. Siehe oben “1911 herum…” Wahrscheinlich sogar einer der ersten Mercedes in Frankfurt, von der DMG Daimler-Motoren-Geellschaft Mannheim.

  10. Herr Kupfer, wenn ein alter Taxiknochen wie ich gestern Abend 2 Std. lang Ihre Seite angeschaut hat, heißt das was. Mein Großvater fuhr auch schon in den 30ern ein Taxi und trotzdem hat mich während der 42 Jahre als Taxler die Geschichte nie interessiert. Wenn ich im April zur Schwester an den Bodensee fahre werd ich mal auf dem Dachboden nachschauen. Da müsste bestimmt noch was zu finden sein. Danke für diese großartige Zusammnstellung.

  11. Hallo Herr Kupfer,
    ist Ihnen bekannt das mein Urgroßvater Mitbegründer der Frankfurter Taxivereinigung war.
    Vorsitzender von 1912 – 1913
    Mfg. Kh. Becker

  12. Der Mercedes von meinem Opa ist ziemlich sicher ein Benz 20/35 PS Landaulet, mit immerhin 35 PS und 75 km/h Spitze.
    Mfg.
    Kh. Becker

  13. Toll! Ich habe nach Infos über Taxi´s ca. 1950 gesucht. Sehr hilfreiche Infos!
    Gab es nicht auch damals Schilder wie “Taxe” oder “Taxe frei!”?
    Vielen Dank auf jeden Fall!

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