Platincard & Jaguar MK VII M

 

Ein rollendes Souvenir aus den Zeiten als die Autos noch groß waren und bevor das Jet Age die Propellermaschinen ablöste, hat sich mein Freund Gerd Steimer von der Insel geholt. Hier mal ein Gastbeitrag von ihm…

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Nach einiger Suche, langem Entscheidungsprozess (große luxuriöse Limousine, min. 50 Jahre alt, Brite, war klar) welcher es eigentlich sein sollte haben wir uns als Ergänzung zu unserem 280SE W111 Cabriolet für einen Jaguar MK VII M entschieden. Im Herzen der Insel, ziemlich genau in der Mitte in der Garfschaft York stand er, nach zähen aber kurzen Verhandlungen stand der Kauf – no risk no fun, der Jaguar muss auf eigener Achse nach Hause, rund 1.100km.

Also Flug-Hotel-Zug nach Malton/Yorkshire lief alles optimal, um 9 Uhr morgens am Samstag, nach der Übernachtung in Leeds, holte uns James am Bahnhof Malton ganz unbritisch mit nem neuen Mercedes ab. Die Verkaufshalle ist beeindruckend.

Dort stand zum Beispiel ein Silver Shadow 1 mit 23.000 Meilen, fast ein Zustand eins aus erster Hand mit lückenlosem Scheckheft. So einen guten hab ich noch nie gesehen, 18.500 Pfund sollte er kosten.

Dann gings an den Jag in einem herrlichen dunkelgrün mit mittelgrüner Lederausstattung. Karosse und Spaltmasse einwandfrei. Viel Arbeit werde ich in Kosmetik und die Lackierung des Unterbodens stecken, aber das wollt ich ja so, damit mir nach der Restauration des 500SLC nicht langweilig wird. Der Motor ist ja neu aufgebaut, völlig trocken, schnurrt leise und vibrationslos wie es sich für eine Katze gehört vor sich hin.

Der 3,5 Liter Doppelnocken Reihensechser ist von der Laufruhe und dem Durchzug dem 280er Mercedes um Längen überlegen, da war ich schon sehr überrascht. Die zwei Vergaser sind gut abgestimmt, kein Verschlucken, Patschen oder sonstwas. Die Borg Warner Dreigang Automatik schaltet behäbig aber sehr weich.

Die erste Probefahrt von ca 15 Meilen war erst mal abenteuerlich, der Linksverkehr fordert einen, der Wagen auch. Die servolose Lenkung geht auch im Stand manierlich, allerdings mit vielen Umdrehungen.

Nach dem ganzen Papierkram, den Wagenbesichtigungen und der ausgiebigen Besichtigung der Hundewelpen (achwiesüssknuddelighabenwollen) gings dann endlich los – nach 25 Meilen waren wir am Meer und stellten fest, genau die falsche Richtung. Das Navi liessen wir aus, da das Ladekabel in Rauch aufging (weil Plus an Masse beim alten Jag)

Also – zurück und weiter Richtung York, an Leeds vorbei, Notingham und Robin Hoods Sherwood Forest zur ersten Rast!

Die erfolgte an einem Waldweg nahe einem typisch englischen kleinen Dorf, ich wollte mal in Ruhe alle Öle etc. kontrollieren und mich etwas mehr mit dem Wagen vertraut machen. Los weiter geht’s – war aber nix! Der Automatikhebel weigerte sich P oder N auf D zu verlassen! Nachgedacht, blockiert wird er bei nichtgetretener Bremse, vorne waren auch zwei Schalter die über einen Nocken beim Betätigen des Wählhebels geschaltet werden. Währenddessen hielt ein Jaguar- und ein Volvofahrer an und fragten ob wir (wegen der geöffneten Motorhaube) Hilfe brauchten. Motor lief, Petra betätigte die beiden Schalter von Hand, schwupp gings weiter durch eine wunderschöne Landschaft weitere 150 km.

Auf einmal drehte die alte Katze durch, will sagen der Motor, kein Kraftschluss zur Kardanwelle, die nächste Tankstelle runter, ATF nachgemessen (geht ganz einfach über eine Öffnung im Fußraum, dort sitzt der Peilstab in einem recht voluminösem Einfüllstutzen) ganze zwei Liter ATF gingen rein, sicherheitshalber kaufte ich noch vier Liter in Reserve.

 

Nun gings über die M25 an London vorbei in Richtung Dover, sehr gut ausgeschildert übrigens, auch die Qualität der Straßen ist sehr gut. An der Mautstelle der riesigen Brücke über die Themse empfing uns eine ältere Dame (irgendwie sehen die dann alle aus wie Mrs. Marple) im Kassenhäuschen mit dem begeiterten Ausruf “thats what i call a car!!!” Nach weiteren 150 km, in Folkestone, einem Seebad gleich in der Nähe des Tunnels, das gleiche (wie befürchtet) wieder zwei Liter rein und dann ins Hotel an der Seepromenade in Folkestone. Ein wunderschönes, leicht angestaubtes uraltes Hotel mit viel Plüsch, wieder vielen Mr. Marples und Sir Johns als Gästen (wir sozusagen als Teenager). Ein gutes Restaurant, betagten Obern im Frack und einem ebenso betagten Pianisten zur Unterhaltung. Coffee gabs nicht am Tisch, sondern in der sehr plüschigen und altmodisch-vornehmen Lounge, recht unvornehm nutzte ich eine Couch horizontal, platt waren wir beide. Der Jag übernachtete stilvoll und ATF tropfend an der Strandpromenade.

AM nächsten Morgen (2 Liter ÖL nachfüllen nicht vergessen) gings zum Eurotunnel, zunächst an ein automatisches Zahlhäuschen – war aber nix mit Zahlen, da man vorreservieren musste. Also, Rückwärtsgang rein – war aber nix, blieb felsenfest auf P – Gleiches Problem. Sofort kam ein Mädel vom Service und rief die technische Hilfe (its free for our customers!) Die beiden Herren (zu Petra: “get in the car Love, you dont have to walk Honey”) schleppten uns ca 500 mtr. ab, der Gang war dann wunderlicherweise mit einem “Klonk” wieder frei, (Parkkralle im Automat abgebrochen, wie sich bei der Getriebeüberholung herausstellte) anscheinend muss das Getriebe erst kapieren, dass genügend Öl drin ist. Dafür war nämlich der zweite Schalter, der verhindern sollte, dass der Wagen ohne ATF losfährt.

Also Ticket gelöst (doppelt so teuer ohne Vorabreservierung), rein in den Zug, geht alles ganz easy, und ca 20 Minuten sehr leise und komfortabel 37 km unter dem Ärmelkanal hindurch.

So – der Kontinent hat uns wieder! Der Rechtsverkehr gottseidank auch, noch im Tunnel hatten wir die Uhren wieder eine Stunde vorgestellt, erst gings durch Frankreich, dann nach Belgien/Flandern an Dünkirchen vorbei in Richtung Brüssel, nach 100 Meilen wieder das obligatorische Motordurchdrehen, an der Autobahnraststätte gabs alles, nur kein ATF. Ein freundlicher Mensch sagte uns das direkt im Ort eine offene Tankstelle wäre, die das Zeug garantiert hätte. War auch so – die Bestände von 6 Litern aufgekauft, zwei Liter rein und weiter gings nach Holland.

Jetzt wurden die Intervalle kürzer, wieder zwei Liter rein bis Aachen, dort an drei Tankstellen vergeblich gefragt (Pornoheftchen, 100 Sorten Zigaretten, 20cm dicke Auspuffrohre für evtl. durchreisende Boah-ey-ler allerlei Fastfood, aber nix ATF!) bei einer großen BMW Niederlassung angehalten, den Notdienst gerufen (wie Jaguar???) hab halt erzählt ich hätt einen BMW als Geschäftswagen, die Zulassungsnummer meines Nachbarn Klaus wusste ich zufälligerweise, Sie sollten mir mal 10 Litr ATF verkaufen, ging dann nach einigem phantasievollen Gebabbel (dass ich ja trefflich beherrsche wie ein jeder weiss)

Weiter gings jetzt nur noch 60 Meilen, zwei Liter rein, 50 Meilen, zwei Liter rein, 40 Meilen zwei Liter rein, 30 Meilen zwei Liter rein, 20 Meilen zwei Liter rein…………..

Da waren wir bei Koblenz auf der A48, mittlerweile war es 21.30.

Sinnlos noch nachzufüllen, ADAC angerufen, denen erzählt ich stände direkt an der AB mit einem ganz schmalen Randstreifen, saugefährlich, eilt eilt eilt – Tatsächlich kam nach 15 Minuten der Abschleppdienst (der Randstreifen war mittlerweile sehr breit und ungefährlich geworden)

So, gut schutzbefrieft durch Amexco Platinservice, gings dann 135km für 850 Euro nach Hause! (Nach einigem heftigen Hin und Her haben die dann auch die vollen 850Euro bezahlt)

Bevor jemand über Jaguar meckert, das Getriebe ist von der alten US Firma Borg-Warner.

So, das war’s, und hier sind noch ein paar Fotos für Euch…

…zum Vergrößern zweimal anklicken… 

 

2_Malton-Yorkshire

5_Folkstone

4_Folkstone

6_Folkstone

Eurotunnel1

Eurotunnel2

Eurotunnel3

P7070367

zuhause5

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Gerd Steimer 

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Update 22.01.2014: So ging’s weiter…

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