Oldtimer … “Urkundenfälschung, Betrug…

Patinierung anno 1970 - Pardon-AutosalonWer hier bei mir das Thema “Fälschungen” tagt, liest eine ganze Reihe Beiträge aus den letzten 8 Jahren, die zumeist nur das Premium – Segment der Oldtimer, die Autochen der oberen Zehntausend, betrafen, bspw. so wie diesen, wie man aus einem geklauten Flügeltürer einen redlich gekauften Flügeltürer macht und wie ich mich zuweilen über die Eliten lustig machte, wenn am für viel, viel Geld erworbenen Oldtimer, dann nur die Kühlermaske echt war.

W198 Kfz-Brief

Am 20. Dezember 2010 schrieb ein offensichtlich völlig entspannter Kommentator hier: “Da bin ich richtig glücklich mit meinen Brot- und Butterautos. Niemand dreht den Kopf danach und keiner käme je auf die Idee, sie nachzubauen bzw. zu fälschen.”

Irren ist bekanntlich menschlich, lieber Klaus Rinner, hätte ich ihm am liebsten damals schon geantwortet. Heute kann ich eine gewisse Schadenfreude über die sich regelmäßig über Oldtimer – Diebstähle echauffierende und ansonsten sorglose Oldtimerszene und deren bestenfalls Rätselraten und spekulieren darüber, was wohl mit den geklauten und zumeist nie wieder aufgefundenen Autochen hinterher passiert, nicht verhehlen. Ich freue mich deshalb über diesen Gastbeitrag des VW – Bretzel – Experten und Buchautor Helmut Horn, den er kürzlich vor dem derzeit ob ihres von der Unesco abgelehnten Antrags, zur Adelung automobiler Kultur zum immateriellen Kulturerbe… na ja, zu der Lachnummer später einmal mehr… dem  PAK Parlamentskreis Automobile Kultur, hielt.

17.04.20 HelmutHorn1 17.04.20 Käfertuningbuch

“Urkundenfälschung, Diebstahl und andere „Kavaliersdelikte“

Automobiles Kulturgut erfreut sich in Deutschland aus verschiedenen Gründen einer mit legalen Mitteln kaum zu befriedigenden Nachfrage. Die Folge sind kriminelle Machenschaften wie Urkundenfälschung, Betrug, Diebstahl, Steuerhinterziehung,

Zollvergehen, Fahren ohne Versicherungsschutz und Verstöße gegen Umweltauflagen sowie auch gegen die Straßenverkehrs-zulassungsordnung. Die Dunkelziffer ist hoch.

Das gigantische Ausmaß gefährdet meines Erachtens längerfristig unter anderem den Fortbestand von Sonderregelungen wie H- und roten 07er-Kennzeichen. Auch die Genehmigung, mit „automobilem Kulturgut“ in Umweltzonen einzufahren steht möglicherweise auf dem Spiel.

Aufgrund mangelnden Bewusstseins und einer massiven Fehleinschätzung des Problems von Seiten der Behörden und der Justiz, werden diese schwerwiegenden Verstöße allenfalls als Kavaliersdelikte eingestuft. Darüber hinaus kommt es bei der gelegentlich doch stattfindenden Auseinandersetzung mit den Problemen, zu juristisch höchst fragwürdigen Entscheidungen.

Es werden beispielsweise für Fahrzeuge, deren Herkunft und Eigentumsverhältnisse ungeklärt sind, Fahrgestellnummern (TP-Nummern) zugeteilt und um Jahrzehnte rückdatierte Papiere ausgestellt, obwohl dies ausdrücklich gegen gültige Regeln verstößt.

17.04.00 eBay 391585956182 - Mercedes 350 SL [eBay 391585956182]

Meist kommt es aber gar nicht so weit, weil sowohl viele Privatpersonen als auch der Handel vollkommen unbemerkt – weil unbeachtet – den bequemsten Weg gehen. Man bedient sich des großen Angebots an Fahrzeugidentitäten, die unter anderem im Internet ganz offen gehandelt werden. Mit der „FIN“ eines längst verschrotteten Altwagens und mit dessen Fahrzeugpapieren werden Autos in den Handel und auch in den Verkehr gebracht, die gestohlen, als vermeintlich herrenlose Sache aufgefunden, oder aber auch unverzollt in die EU eingeführt wurden. Und so weiter…

17.04.19 Kfz-Brief Cadillac - eBay17.04.19 Kfz-Brief Cadillac - eBay 2

Sehr beliebt war dieses Vorgehen auch im Zusammenhang mit Fahrzeugen, für die es nach dem Kassieren der „Abwrackprämie“ keine Dokumente mehr gab, weil diese bekanntlich eingezogen wurden.

Die Liste der Gründe für die Verwendung von falschen Fahrzeug-Identitäten ließe sich natürlich noch sehr weit fortsetzen. In allen Fällen werden durch Papiere und Fahrgestellnummern, die gar nicht zum real existierenden Fahrzeug gehören, alle wesentlichen Dinge sowie die gesamte Historie eines Fahrzeugs komplett gefälscht.

Das betrifft unter anderem regionale Herkunft, „Matching Numbers“, Anzahl der Halter, prominente Halter (Franz Beckenbauer, Papst Benedikt…), tatsächliche Laufleistungen, Wartung, Pflege, Reparaturnachweise, abgenommene technische Änderungen (die folglich nie begutachtet wurden), das Erstzulassungsdatum (mit dem bestimmte Auflagen – Umwelt, Beleuchtungseinrichtung, Gurtpflicht etc. verbunden sind, natürlich aber auch Vergünstigungen wie das H-Kennzeichen) und vieles mehr!

17.04.21 Porsche 356 Kfz-Brief

Wenn wir Automobile ernsthaft als Kulturgut betrachten und dabei selbst auch ernst genommen werden wollen, können wir nicht weiter zusehen, wie besagte Fälschungen in riesigen Stückzahlen und mit deutlich steigender Tendenz unwidersprochen als „Kulturgut“ eingestuft und letztlich auch noch gefördert werden.

Nachdem vielen das Ausmaß des bereits jetzt vorhandenen Schadens nicht ansatzweise bekannt ist, habe ich exakt an dem Tag, an dem ich die Einladung erhielt, hier vorzusprechen, auf „Ebay-Kleinanzeigen“ und „Ebay“ nachgesehen, wie viele Fahrzeug-Identitäten an diesem einen Tag allein auf diesen beiden Plattformen angeboten werden.

17.04.18 eBay - Angebote

Am 8. Februar 2017… waren es knapp 500!

Mit ein Grund, weswegen die Oldtimerdiebstähle laut Statistik so massiv zugenommen haben ist die Tatsache, dass die Identitäten längst nicht mehr existierender Fahrzeuge dazu missbraucht werden, Versicherungen zu betrügen. Dazu werden real existierende baugleiche Fahrzeuge vorübergehend mit falschen Identitäten ausgestattet. So werden alte Papiere „wiederbelebt“. Es werden alle behördlichen Hürden – wie TÜV- und H-Abnahme – genommen und Wertgutachten erstellt. Dann werden die falschen Fahrgestellnummern wieder entfernt. Das noch real existierende alte Auto ist wieder mit seinen Originalpapieren unterwegs, als sei nichts gewesen. Und das Auto, dessen Papiere wiederbelebt und dessen Existenz mit „TÜV-Zetteln“ und Wertgutachten glaubhaft vorgetäuscht werden kann, wird gestohlen gemeldet. In der Statistik ist dies auch nichts weiter, als ein ganz normaler Oldtimer-Diebstahl.

17.04.20 Porsche 912 mit Rahmenteil

Der Nachweis des Betrugs ist nicht möglich, da eine professionelle vorübergehende Manipulation der Fahrgestellnummer keine Spuren hinterlässt. Letztlich kann auch ein seit mehreren Jahrzehnten verschrottetes Auto logischerweise nie wieder aufgefunden werden. Das ist keineswegs blühende Phantasie eines Krimi-Autors, sondern eine in gewissen Kreisen gängige Praxis.

Der volkswirtschaftliche Schaden, verursacht durch die hier teilweise ohne jedes Unrechtsbewusstsein in aller Öffentlichkeit betriebenen Machenschaften ist enorm. Er ließe sich jedoch erheblich reduzieren, wenn die vielen Zeichen, die alle Alarmglocken läuten lassen sollten, von Prüfinstitutionen, Sachverständigen und auch von der Polizei erkannt würden. Ausreden wie „dafür haben wir keine Zeit“ oder „der TÜV ist keine Strafverfolgungsbehörde“ (ein wörtliches Zitat übrigens), dürfen wir nicht weiter gelten lassen. Es gilt vielmehr, Justiz, Polizei, Prüfinstitutionen und Sachverständige für das Thema zu sensibilisieren und gegebenenfalls ergänzend auszubilden. Dazu habe ich einige Vorschläge, zu denen ich gleich kommen werde. Beispiele für Hinweise auf kriminelle Machenschaften liefere ich gerne zum Schluss – je nachdem, wie viel Zeit dafür bleibt.

Obwohl davon auszugehen ist, dass sich alle hier Anwesenden der Bedeutung historischer Fahrzeuge als Kapitalanlage bewusst sind, möchte ich auch darauf hinweisen, dass solche Automobile – obwohl viele Richter und Staatsanwälte das momentan leider vollkommen anders bewerten – wie Kunstwerke zu behandeln sind. Sie sind nur etwas wert, wenn es sich tatsächlich auch um die Originale handelt. Durch das Einsetzen einer falschen Fahrgestellnummer kann aus einem etwa 150.000 Euro teuren Porsche ein Sondermodell werden, das 800.000 Euro wert ist (so lange der Schwindel unbemerkt bleibt).

17.04.26 Google Suche Kfz - Brief Porsche

Betroffen sind nicht Hunderte sondern Tausende von Fahrzeugen, die auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Polizei und Justiz sehen ebenso tatenlos zu, wie sämtliche Prüfinstitutionen (TÜV, Dekra, GTÜ…) und auch Sachverständige bei der Erstellung von Wertgutachten.

 Gegenmaßnahmen: 

  1. Das Anbieten von Fahrzeugidentitäten sollte als „Anstiftung zu einer Straftat“ gewertet werden.
  1. Manipulierte Fahrzeuge müssen bis zur Klärung ihrer Identität aus dem Verkehr gezogen und von jeder erneuten Zulassung ausgenommen werden. Kann die Identität nicht geklärt werden, sind solche Fahrzeuge von jeder erneuten Zulassung auch weiterhin auszunehmen.
  1. Hierzu wäre es sinnvoll, eine Datenbank ins Leben zu rufen, die wie „EUCARIS“ bei jeder Zulassung automatisch abgefragt wird. Man könnte EUCARIS auch einfach um diese Funktion erweitern. Hier müssten Fahrgestellnummern gelistet werden, zu denen die Fahrzeuge belegbar nicht mehr existieren. Dabei sollten – wenn man den Verkauf dieser Dinge tatsächlich nicht verbieten kann – Fahrgestellnummern eingepflegt werden, die aus solchen Verkäufen bekannt sind. Zumindest sollte das Angebot einer herausgetrennten Fahrgestellnummer inklusive der Papiere Anlass genug sein, dass die Polizei beim Anbieter vorstellig wird, die Nummer dokumentiert und von jeglicher Wiederzulassung sperrt. Das klingt nach Arbeit – ist es auch. Aber es würde sich definitiv sowohl finanziell als auch in puncto Sicherheit sehr lohnen! Was mich in diesem Zusammenhang allerdings bedenklich stimmt ist die Tatsache, dass dies nicht einmal bei der Abwrack-Aktion passiert ist. Die abgewrackten Autos können heute allesamt wieder zugelassen werden, denn das Sperren ihrer Fahrgestellnummern war angeblich mit einem zu hohen Arbeitsaufwand verbunden und unterblieb daher.
  1. Es muss klar sein, dass die Vergabe von TP-Nummern kein Mittel sein kann, um Fahrzeuge unbekannter Herkunft zum Straßenverkehr zuzulassen.
  1. Erst recht kann eine TP-Nummer – wie es zunehmend leider passiert – hinsichtlich des Erstzulassungsdatums nicht rückdatiert werden.
  1. Bei der Hauptuntersuchung sowie auch beim Erstellen von Wertgutachten sind die Sachverständigen hinsichtlich der Überprüfung der Fahrzeugidentität zu mehr Sorgfalt anzuhalten.

Aktuelle Beispiele aus jüngster Zeit…

Fall 1:  Angeboten wird die herausgetrennte Fahrgestellnummer eines VW Polo mit „interessanten Eintragungen“ auf Ebay Kleinzanzeigen sowie auch in einer „VAG-Ersatzteilgruppe“ auf Facebook. Wird diese Fahrgestellnummer in ein anderes Fahrzeug geschweißt, werden auch gleichzeitig Umbaumaßnahmen übernommen und nachgebaut, die niemals tatsächlich von einem Prüfer in Augenschein genommen werden. Es handelt sich dabei auch um technische Änderungen, die aus gutem Grunde – wie es heißt – „heute gar nicht mehr möglich wären“.

Bedenken hinsichtlich der damit in Verbindung stehenden Urkundenfälschung versucht der Anbieter durch falsche Angaben von vornherein zu zerstreuen.

Fall 2:  Angeboten wird ein angeblich 1984 erstzugelassener VW Käfer. Lackierung, Heckabschluss, Stoßstangen, Lenkrad und Sitze weisen klar auf ein Mitte der 90er Jahre gebautes Auto hin.

Theoretisch und mit sehr hohem, hier kaum vertretbarem Aufwand könnte der Wagen auch entsprechend umgebaut sein. Naheliegender ist jedoch der Verdacht, dass hier mittels einer falschen Identität frühzeitig ein H-Kennzeichen erreicht wird (Steuerhinterziehung). Zudem ist das Auto mit einem alten, jedoch bis heute gebraucht in großen Stückzahlen billig zu erwerbenden Motor ausgestattet – vermutlich, weil der mindestens dreimal so teure, aber eher seltene G-Kat-Motor kaputt gegangen ist. Das bedeutet also auch, dass dieses 96er Auto – dank des mit der Urkundenfälschung erschlichenen H-Kennzeichens, problemlos in Umweltzonen bewegt werden kann.

Fall 3:  Es wurde der Fahrzeugbrief eines Porsche-Polizei-Cabrios angeboten. Hierfür hat ein szenebekannter, großer Liebhaber-Porsche-Händler (Gebrauchtfahrzeuge, Oldtimer, Sondermodelle, gebrauchte Ersatzteile) 7.800 Euro geboten. Er hat den Fahrzeugbrief nicht bekommen…

Fall 4:  Hier beklagt sich jemand in aller Öffentlichkeit darüber, dass seine Ebay-Auktion von Ebay entfernt wurde, weil das Versteigern von Fahrzeugbriefen gegen die Regeln verstößt. Dabei räumt er ein, dass das Versteigern von Fahrzeugbriefen tatsächlich auf Ebay verboten ist (obwohl dies dauernd wieder passiert und geradezu Gang und Gäbe ist). Er aber – führt er weiter aus – versteigere ja nicht nur einen Fahrzeugbrief, sondern auch den dazugehörigen herausgetrennten Fahrzeugabschnitt mit der Fahrgestellnummer. Ohne das – so meint der Betroffene – könne man ja mit dem Fahrzeugbrief nichts anfangen. Daraus lässt sich klar erkennen, dass er genau weiß, dass damit ein anderes Auto in den Verkehr gebracht werden kann. Unrechtsbewusstsein besteht jedoch eindeutig nicht.

Fall 5:  Hier wird der Fahrzeugbrief eines verunfallten Mazda-Cabrios angeboten, mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, dass der Unfall bei den Versicherungen nicht aktenkundig ist.

Das soll ganz klar heißen, dass sich die Fahrgestellnummer und die Papiere dazu eignen, einen Versicherungsbetrug zu begehen.

Fall 6:  VW-Busse, die der T1-Baureihe zum Verwechseln ähnlich sehen, kommen momentan in großen Stückzahlen aus Brasilien in Deutschland an. Der deutsche Markt wird damit förmlich geflutet. Ein beträchtlicher Teil dieser Busse wird „der Einfachheit halber“ mit Fahrgestellnummern längst nicht mehr existierender, echter, deutscher T1-Busse ausgestattet, zugelassen und verkauft. So könnte nicht nur der Zoll umgangen werden. Für die in Brasilien bis 1975 hergestellten Busse und deren Originalmotoren gibt es keinen Abgasnachweis. Das führt insbesondere dazu, dass nach dem 1.10.1971 zugelassene Wagen nur mit großem Aufwand auf die Straße zu bringen sind (Einbau eines hier zugelassenen Motors, für den in dieser Gewichtsklasse ein entsprechender Nachweis hinsichtlich des Abgasverhaltens geführt werden kann).

Brasilien-Busse sind anhand verschiedener Merkmale leicht zu erkennen – vom speziellen Hilfsrahmen über fehlende Heizrohre bis hin zu Art und Ausführung der Verglasung. Dieses Auto weist eindeutige Brasilien-Merkmale auf. Verkauft wird es mit einem Fahrzeugbrief von 1961. Es handelt sich sogar um den Fahrzeugbrief eines Typ 21. Das war jedoch ein maximal dreisitziger Kastenwagen ohne Fenster im Bereich des Laderaums. Hier stimmt also gar nichts. Liebhaber zerreißen sich das sprichwörtliche Maul über Angebote wie dieses – Polizei und Justiz dagegen zeigen sich nicht interessiert…

Fall 7:  Ganz offen wird hier ein 84er Käfer mit 67er Fahrgestellnummer angeboten – dank derer man keine AU braucht, worauf ausdrücklich hingewiesen wird. Die Fahrgestellnummer gilt als ein Ersatzteil, mit dem sich jede beliebige Fahrzeughistorie und jedes beliebige Fahrzeugalter einfach einschweißen lässt.

Fall 8:  Es wurde ein Käfer Cabrio Baujahr 1959 angeboten. Es handelte sich aber um einen Wagen aus dem Modelljahr 1969 (ggf. auch 70). Darauf habe ich den Oldtimer-Spezialhändler in seinem Glaspalast voller hochwertiger Autos aufmerksam gemacht. Er hat das Angebot sofort aus dem Netz genommen. Etwa 3 Monate später hat er es jedoch wieder eingestellt. Daraufhin habe ich mich an die zuständige Staatsanwaltschaft gewendet. Der mit dem Fall betraute Kripo-Beamte hat laufend Informationen zum Thema bei mir abgerufen und zugegeben, keine Ahnung von dieser Materie zu haben. Meine Behauptungen erwiesen sich als richtig. Der TÜV, der den Wagen abgenommen hatte, gab gegenüber der Kripo an, Fahrgestellnummern so genau auch wieder nicht zu prüfen. Die gleiche Auskunft erhielt der Kripo-Mann vom – definitiv äußerst namhaften Sachverständigen – der zu dem angeblichen 59er Käfer ein Wertgutachten erstellt hatte. Damit der arme Autohändler sein wunderschönes Fahrzeug aber nicht verschrotten muss, wurde ihm mit dem Segen von Kripo und Staatsanwaltschaft eine TP-Nummer, rückdatiert auf den 1.7.1969 zugewiesen. Interessant ist der Fall auch deshalb, weil sich die Bayerischen Motorenwerke auch schon um eine rückdatierte TP-Nummer bemüht haben – diese wurde BMW  jedoch mit dem Hinweis auf entsprechende Vorschriften verwehrt. Ich habe sämtliche Einzelheiten des Vorgangs dokumentiert.

Helmut Horn,

auto@tuning.de, Mobil: 0171 – 4115419

Anmerkung: Die im Beitrag gezeigten Fotos stammen nicht von Helmut Horn sondern von mir.

 

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HK Engineering im Selbstversuch

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“Es gibt nur eine Klasse in der Gesellschaft, die mehr an Geld denkt, als die Reichen. Das sind die Armen.” [Oscar Wilde]

Vor fast 5 Jahren schrub ich “Ein Höllenofen darf kein Sofa werden”. Kommt ein Trend in der Oldtimer – Szene nach Deutschland, weiß ich jetzt, es hat ihn nie gegeben oder er ist längst vorbei.

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Das Häuflein der Gläubigen, die Old – Boys aus der Stadt des Englischen Fräuleins – immerhin fast 60 an der Zahl, mit geschätzten mindestens 3mal so vielen Oldtimern in der Garage, die sich am Freitag von der Central – Garage aus auf den Weg nach Stuttgart gemacht hatten – schüttelten Abends bei der Heimfahrt gelangweilt von der Rhetorik und Oldtimerexpertenrabulistik über Lovely Touch of Original und Patina, nur noch mit dem Kopf.

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Auch das geschulte 300 SL – Restauriererauge von Joseph Fischer meinte, so einige der hier feilgebotenen Geflügelten als viel billigere Ocassionen früherer Oldtimer – Messen wiedererkannt zu haben.

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Und bei den für den “Schwarzen” marktangepassten, aufgerufenen 1,6 Millionen, blieb dann doch so manchem Bad Homburger Old – Boy nicht nur wegen der totrestaurierten Authentizität die Spucke weg.

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Schwätzatronik

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“Der Unfall trifft uns alle bei Mechatronik tief ins Herz. Seit es Mechatronik gibt arbeiten alle meine Mitarbeiter mit viel Herzblut an den Fahrzeugen. Um so mehr trifft es unseren Kollegen, der diesen Unfall verursachte. Auch ich hatte Tränen in den Augen, als ich von seinem Pech erfuhr, …”

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“Wir als Mechatronik werden alles daran setzen, unserem Kunden am Ende des Wiederaufbaus ein nach allen Regeln des Handwerks instandgesetztes Fahrzeug zu übergeben. Mit diesem Blog haben Sie die Möglichkeit diesen Verlauf hautnah zu verfolgen und sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wofür unser Leitsatz steht – Perfektion, Qualität und Leidenschaft…”

Ja ja, diese Gutmenschen von Mechatronik. Und hätte der junge Fahranfänger auf seine Mama gehört und wäre nicht “routinemäßig” mit dem 300 SL – Kundenauto so unroutiniert in die Kurve gebrettert, dann hätte der Franz Rickert jetzt auch nicht so einen Quatsch über richtiges Anbremsverhalten, Leidenschaft und so, schreiben müssen.

Eigentlich wollte ich im Blog von Franz Rickert scherzhaft mit “Dööfer geht immer” kommentieren, was der aber bestimmt nie freigeschaltet hätte. Aber eine an sich clevere Marketing – Idee, mit PR – Geschwätz und Blog – Schreiben auffüllen und dazu noch Blog –  Kommentariat zusammen, sind manchmal schon höchst amüsante Bereiche.

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Ähnlicher Beitrag: hier

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Siata 300 BC 1952, mehr Autokultur braucht’s nicht

Unbenannt - 15

Ich weiss natürlich, dass nicht jeder meine Interpretationen darüber schätzt, was ich als wirkliche, automobile Kulturgüter und andererseits als automobilies Panoptikum bezeichnen würde. Ponsi hatte einen Vertreter Letzteren jüngst bei der Mille Miglia erwischt. Ein 300 SL W194 mit sogenannter “Luftbremse” – einer 0,7 Quadratmeter großen Fläche über der Hinterachse, die vom Fahrer beim Bremsen aufgeklappt werden kann, um die Bremswirkung zu verstärken und die von Mercedes-Benz nur zweimal eingesetzt wurde, 1954 In Schweden und bei den 24 Stunden von Le Mans – dessen Besitzer zwar genügend Geld zu haben scheint aber frei nach Johannes Hübner, seine Unkenntnis völlig schmerzfrei mit einem aufgepappten Dachspoiler zeigt, weil er beim Zusammenbasteln seine Brille nicht gefunden hat. Aber er fährt bei der Mille Miglia mit.

Unbenannt - 2Es sind dann die Abende wie gestern, wo ich einem Freund leider den gemeinsamen Besuch am Freitag der Klassikwelt in Friedrichshafen absagen musste, wo ich mich hinterher für jemanden freue, der sein Traumauto in England gefunden hat und auf meinen digitalen Merkzettelchen nach Geschichten über meine eigenen, unerfüllbaren Wunschträume suche, so wie die Geschichte über einen der schönsten jemals gebauten Renn – Sportwagen, einen mit lückenlos dokumentierter Historie von dem Tag an, als Henry Wessells III, sich diesen Siata 300 BC kaufte, bis heute, Geschichten, die mich eben faszinieren.

Update: Siata 300 BC Webseite und über Henry Wessells III

Johannes Hübner Auto-Consult, Alfred Fuhr Soziologe.

Mechatronic – Monteur baut Totalschaden, weil seine Mutter nicht „fahr vorsichtig“ gesagt hat

13.03.28 300SLTotalschaden

Eine unachtsame Mutter aus der Nähe von Pleidelsheim hat einen schlimmen Verkehrsunfall mit einem 300SL Flügeltürer und 650.000 Euro Sachschaden verursacht. Zwar saß die Frau nicht selbst am Steuer, doch sie hatte vergessen, ihren 26-jährigen Sohn, der bei der Firma  Mechatronik, einem Spezialisten für Mercedes-Benz Oldtimer, beschäftigt  ist, morgens bei der Verabschiedung am Gartentor daran zu erinnern, er solle vorsichtig fahren – ein Versäumnis mit fatalen Folgen.

Kein Wunder, dass der Mechatronik – Monteur, der noch immer unter Schock steht, seiner Mutter schwere Vorwürfe macht: “Sie sagt doch sonst jeden Morgen, Buab, fahr vorsichtig – und zwar seit ich den Führerschein habe.” Doch dieses Mal wusste der Mechatronik – Monteur nicht, auf welche Weise er den Kunden – 300 SL bei der Probefahrt führen soll. “Ich habe noch überlegt. Soll ich die Kurve mit den vorgeschiebenen 80 kmh langsam fahren oder richtig Stoff geben? Der völlig verwirrte junge Mann entschied sich letztlich, Vollgas zu geben, die Augen zu schliessen und sich zu denken, es wird schon gut gehen.

Der Mechatronik – Monteur ist heilfroh, dass wegen seiner rücksichtslosen Mutter niemand ums Leben gekommen ist und auch sein Beifahrer, ein 19-jähriger Lehrling, nicht ernsthaft zu Schaden kam. Er kann auf eine längere Geschichte der Vernachlässigung zurückblicken: “Das war fast so wie damals, als ich 22 war und mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kam, weil sie vergessen hatte, mir vor einer Feier zu sagen, ich solle nicht so viel trinken – oder als ich letztes Jahr fast im Schnee erfroren bin, weil sie nicht gesagt hat, ich solle mich warm anziehen.”

Laut ADAC gehen in Deutschland jährlich etwa 10.000 Unfälle auf das Konto von Müttern,  die vergessen haben, ihren Sohn oder ihre Tochter daran zu erinnern vorsichtig zu fahren. Die Dunkelziffer könnte sogar noch deutlich höher liegen, weil es vielen schwer fällt, die eigene Mutter zu beschuldigen.

Die Mutter, die ihre Unachtsamkeit damit begründet, dass sie abgelenkt war, weil sie “dem Jungen doch noch ein Stück selbstgebackenen Kuchen mitgeben wollte”, muss nun womöglich für den verursachten Totalschaden an dem 300 SL Kundenfahrzeug aufkommen. Außerdem erhält sie wahrscheinlich vier Punkte in der Verkehrssünderkartei sowie vier Monate Fahrverbot.

[Spiegel]

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