Nassauer Preussen am Freitisch Frankfurter Mäzene

Vagabunden und Bettlern des Hohen Mittelalters kannten im “Rotwelsch”, ihrer vom Jiddischen und der Zigeunersprache durchsetzten Geheimsprache,  den Ausdruck “naß” für umsonst. Im Jiddischen verwendete man für nassauern die Ausdrücke “nossnen” oder “nossen”. Im Frühneuhochdeutschen findet man die Bezeichnung “nass” auch für durchtrieben, gerissen und dazu passend “nasser Bube”, “nasser Knabe” oder “nasser Junge”.

Bei den Nassauern nassauern, zu Zeiten von Herzog Wilhelm von Hessen-Nassau konnte man ab 1817 als Student, weil es noch keine maschinenles-baren Ausweise gab, sich als Hessen-Nassauer ausgeben, um vom Freitisch des Herzogs im Göttinger Wirtshaus ein bescheidenes Mahl zu beziehen, und bis heute werden so umgangssprachlich auf anderer Leute Kosten Lebende als ‚Nassauer’ bezeichnet, Laumänner, die sich aushalten lassen und vor dem Bezahlen drücken – Schmarotzer, also Schnorrer, Freibiergesichter.

Das Risiko für fremde Studenten bestand übrigens damals darin, wenn sie zweimal durchs Vordiplom gefallen waren, eingefangen und als Söldner von Landesvater Friedrich II an die Engländer verkauft zu werden. Dies hatte der gutherzige Landgraf etwa 19.000 mal getan und dafür 21,12 Millionen Taler eingesackt.

Weil das Herzogtum aber gegen die Preussen auf der falschen Seite hatte  kämpfen lassen und 1868 in der Preussischen Provinz aufging, sprach von den echten Nassauern bald kein Mensch mehr. Dafür wurde das “Nassauern” in Preussen schnell zum gebräuchlichen Begriff, bis in die Berliner Bordellsprache hinein, pardon – aber der Wahrheit eine Gasse! – stammt “naß” = umsonst genießen, und der “nasse Kober” war der Berliner Bordellbesucher, der sich wie fast 200 Jahre später zockende Frankfurter Bankster, ohne zu bezahlen vergnügte.

An der Stelle, vor weiteren Ausführungen, muss ich unseren Bundespräsi  zuerst einmal prinzipiell in Schutz nehmen. Deshalb hielt ich es auch für angebracht, die Klärung des Begriffs “Nassauer” und “Nassauern”, an den Anfang dieses Beitrages zu stellen.

Wie ich heute Morgen so schaue, wo man sich in schönen warmen Räumen vielleicht mal wieder eine Ausstellung ansehen könnte, lese ich: Wulffi kommt nach Frankfurt, erst zum zweiten Mal überhaupt, in die Stadt der wahren Freunde, der Mäzene und Gönner, um hier am 22. Februar zur Eröffnung des Erweiterungsbaus des von dem reichen Frankfurter Bürger  Johann Friedrich Städel anno 1816 gestifteten Städel – Museums, eine Rede zu halten.

Aus der Stadt verlautet, der Besuch Wulffs sei „Ausdruck der besonderen Wertschätzung des Standortes Frankfurt“, was einerseits für das Protokoll die Frage des Gastgeschenks schwierig macht. Schließlich weiß man ja inzwischen, dass Wulff  bei allen seinen Besuchen von Freunden gerne mal was mitnimmt. Und andererseits berichten tagtäglich im Hausmüll des Bundespräsidenten herumwühlende Reporter davon, dass er ja schon fast alles geschenkt bekommen hat: von Aufenthalten in einem Landhaus in der Toskana und Luxussuiten auf Mallorca, Sylt und im fernen Florida, zu Sonderkonditionen geleasten ProllkutschenGeländewagen, eigens ihm gewidmeten Büchern, bis hin zum Handy mit 0,00 Euro Flat-Rate.
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Dem Bundespräsidenten einfach eine Museumsufer-Familienkarte oder einen Freifahrtschein im Äppelwoi-Express zu überreichen, verbietet sich: so was wäre zu schäbig für die fünftgrößte deutsche Stadt. Doch denke ich, es gäbe da ein anderes schönes Präsent:
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Wie wäre es mit einem oder sogar mehreren, ausgedehnten Wochenenden für den Bundespräsidenten nebst Gattin und Sohnemann, in der schon seit Jahren leerstehenden Dienstvilla der ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeister, in Frankfurts Bestlage,  Nansenring 31, am Lerchesberg, dort, wo anders als im Hauptstadtslum Berlin kein Neid auf Erfolgreiche herrscht, wo Kürzungen von Elterngeld bei einem Altersschnitt der Nachbarn von 50+ keine besondere Rolle mehr spielen, wo man nicht auf lau in Urlaub fliegen muss, weil man dort ganzjährig wie im Urlaub wohnen kann, wo es lange her ist, als dort oben der letzte echte Nassauer wohnte, und wo nicht hinter vorgehaltenen Händen gefragt wird, kann der sich das hier bei uns leisten, verdient er genug?
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…62 Cent für Spielzeug

7001a

…pro Monat.

Wenn ich so wie heute das hier lese und das hier auch,  und das hier auch gelesen habe,  und wenn ich dann heute grade die Bitte im Briefkasten finde, ob man nicht in meiner Stadt, wo es nicht sehr viele arme Leute gibt, aber offenbar mehr als man denkt, eine 44 Euro Patenschaft für arme Kinder übernehmen könnte, damit die Mittags in der Schule etwas Warmes zu essen bekommen, denke ich, sind die in Berlin denn alle durchgeknallt?,  dann hole mir als historisch nicht ganz Unbeleckter immer mal wieder ein Papier heraus, was drei Jahre älter ist als ich, und wie es wichtiger in der aktuellen Situation gar nicht mehr sein könnte.

Es enthält erprobte Lösungen für all die anstehenden Probleme und ist ethisch und moralisch eine absolute Sensation, was ich nie für möglich gehalten hatte, es gab sie: es gab vor mir eine Christlich Sozial(istisch)e Union… zum Vergrößern draufklicken…

1947 CDU - Ahlener Programm

Wer gut gefrühstückt und stahlharte Nerven hat und auf keinen Fall Vergleiche zu den heutigen Maulwichsern Dampfblasenschwätzern und -gestalten(innen) anstellt, kann den Rest der Christlich Sozial(istisch)e Union hier lesen

Die gesamte Tragweite an Möglichkeiten die sich aus diesem Papier ergeben, lässt sich zur Zeit noch gar nicht genau abschätzen, aber insgesamt dürfte es wohl zu einem totalen Wandel in unserer Gesellschaft führen. Endlich gäbe  es ein politisches Programm das den Menschen wieder eine Perspektive gibt. Aber vielleicht ändert sich ja schneller was, als man denkt?

Ich sags nochmal wer, was und wie ich bin. Das hier ist ja mein eigener, kleiner Blog. Ganz für mich alleine, und nur ich darf hier so was schreiben. Ihr dürft nur kommentieren …Ja! Und wenn mir jemand jetzt wieder was von “Depri…” oder so was reinschreibt, keine Chance. So in etwa hatte ich mir das immer vorgestellt.

Ahlener Programm der CDU 1947.