Aus dem Museum für Automobilgenuss

TER10

Vergesst Flügeltürer, Spaltmaße, Oldtimer – Indizes und luftentfeuchtete Garagen: Sozialprestige (weil 100 % emissionsfreie Mobilität), ultimativen Wertzuwachs (nur noch wenige Hundert vorhanden – “gefühlte” 50 % pro Jahr) und totalen Ganzjahresspaß bringt die Reichsautobahnfahrt im Wohnzimmer.

.

Armutstprävention

2013.10.18 Rennspiel

Ein Sparbuch bei der Bank hinter der Dorfkirche soll laut IWF – Plänen für die Rettung des abgefuckten Bankensystems, schon abgabepflichtiger Reichtum sein.

2013.10.18 Rennspiel 003

Es ist höchste Zeit, für den Plünderungsschutz die Guthaben nicht nur mathematisch, mit schönen Dingen die heute nicht mehr hergestellt werden, zu minimieren.

.

Schuco 230SL Real Elektro und ängstliche Italiener

130609FMWI 003-1000

Der Antik – Markt in Wiesbaden, ist gerade an regnerischen Tagen sehr fein. 900 Euro rief dort gestern der Verkäufer für diesen 230 SL von Schuco auf. “Wenn sie handeln wollen, sage ich 1.200″ meinte der Verkäufer frech grinsend zu mir.

Ich war kurz wegen eines mir “angesagten günstigen” Originalfotos von Paul Wolff aus einem Rheingauer Nachlass dort, weil Fotos von André Kertesz, Eugène Atget zu Preisen von seltenen Sammler – Ansichtskarten, dürften dort kaum zu erwarten sein. Das Foto war übrigens echt billig, mit Studiostempel “Wolff & Tritschler – Heidelberg, nuuur… hüstel… 220 Euro, für mich doch zu teuer. Und ganz dumm, es nur mal kurz abfotographieren zu dürfen, war verständlicherweise nicht erwünscht.

Mittags, nachdem die Wolken über Wiesbaden gefühlte 30 Liter pro Quadratmeter abeladen hatten, war die ‘Pagode’ weg. Das ist halt so eine Sache, wenn nicht mehr wie früher, jeden Morgen ein Dummer aus dem Zug steigt, sondern Italiener aus Oberitalien mit Eurobündeln in den Hosentaschen , die, wie mir ein Bekannter und Antiquitätenhändler flüsterte, nicht nur den Flohmarkt in Pfaffenhofen leerkaufen, sondern schon bis nach Wiesbaden fahren, um dort nicht so wie ich vergleichsweise prekäre Trüffelsau, Fotos mit Automobilmotiven von Paul Wolff suchen, sondern ohne lange zu feilschen kilokistenweise  Antiquitäten aus 800er Silber, deutscher Jugendstil und Bauhaus von HKE, BSF und WMF bevorzugt, alles was gut und teuer ist blind zusammenzuraffen und vor lauter Sorge um ihre inflationsgefährdeten Schwarzeuros, im Vorbeigehen Blech – Pagoden bei  Neppern mitnehmen, die sie auf seriösen Auktionen immer noch für um die 300 Euro bekommen könnten. 

 

Ähnliche Beiträge hier

 

Entschleunigtes Faszinosum

130326VWTacho 008-500

“Zypern” entschleunigt unser aller Leben. Das große Geld ist scheu wie ein Reh,  wird sein Revier wechseln und wenn die Ratingagenturen den Staaten und deren To-big-to-fail-Banken jetzt die Quittung für den angerichteten Vetrauensschaden präsentiert haben, werden danach, so wie schon so oft, einige Banker auch in meiner Stadt, den Arbeits-agenturen ihre traurigen Geschichten erzählen.

Der Rest wird, nun, man wird sehen. Und für die Zeit danach, denke ich, wäre so einer wie der hier, genau das richtige Auto.

.

Löschbare Namen im Adressbuch

Don Alphonso schrub gestern, “…dass Menschen Adressbücher alter Menschen traurig finden, in denen viele Namen gestrichen sind…”

Ein Kommentator meinte dazu “…Ich muss unbedingt eine alte Tante anrufen. Ich drücke mich davor schon seit Monaten, es ist eine Schande. Die hat auch ein Adressbuch mit vielen gestrichenen Namen. Aber nur wegen Tod, nicht wegen Mißgunst.”

Immer seltener ziehe auch ich die beiden wohlgehüteten, ziemlich zerfledderten, alten Adressbücher meiner Mutter hervor. Sie kannte keinen Computer und trug dort jahrzehntelang im ihrem Adressbuch akurat die vielen, vielen Menschen ein, die sie privat kennen- und schätzengelernt hatte und die ihr wichtig waren, mit ihnen uralte Freundschaften zu pflegen, mit einigen nur lose Kontakt zu halten, ihnen zu Freudentagen Glück zu wünschen oder ihnen in der Trauer beizustehen.

Im anderen Adressbuch stehen noch viel mehr Kunden meines Vaters, die er als Handelsvertreter für Werkstattausrüstungen seit 1952 kennengelernt hatte.  Schaue ich in beide Adressbücher hinein, entdeckte ich schon viele Namen, die man durchstreichen konnte. Tat ich nicht. Ich machte ein Kreuz hinter die  Namen.

Gestern Abend, beim Entdecken der Angebote im Weltnetzauktionshaus, fragte ich mich dann schon, ob der Name desjenigen, bei dem der alte Mercedes – Schriftzug und der rostige Mercedes – Stern früher auf dem Werkstattdach montiert waren, vielleicht auch noch in dem Adressbuch meiner Vaters steht?

.

[Y]  [Y]