Alu – Hütler mit Autonummer und Automobilclub

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Lese ich richtig?… in Bayern verkündet der AfD-Pressesprecher Franz Eibl, er sei zurückgetreten, weil er den Bockmist nicht länger in die Öffentlichkeit tragen wollte, den seine brunzkachelblöden “Heim ins Reich” – Parteifreunde so verzapfen:

“…Da wird von Ausländern nur in Zusammenhang mit Kriminalität geredet, da wird vorgegeben, wie viele Kinder Frauen künftig zu bekommen haben, und da wird verlangt, dass behinderte Kinder nicht zusammen mit nicht-behinderten unterrichtet werden sollen…”     “…will Gauland das Schengen-Abkommen außer Kraft setzen, um “kriminelle Ausländer” von Deutschland fernzuhalten. Gegen die kriminellen Söldner aus Russland, die in der Ukraine einen blutigen Krieg führen und gerade eine Passagiermaschine mit 300 unschuldigen Menschen abgeschossen haben, will er jedoch nichts unternehmen. Keinesfalls Sanktionen gegen Russland, so sein Mantra…”    “…Jedes Mal, wenn Lucke ermutigt, auch „Meinungen abseits des Mainstreams“ zuzulassen, ist das der Freifahrtschein für einige in der Partei, sich mal so richtig auszutoben – gegen Ausländer und Asylanten, wahlweise auch den „Ami“ oder Homosexuelle…”

Presso, presso Kokolores, vorwärts ihr Missverstandenen und Verladenen! Ihr habt was besseres verdient… besonders einer von Euch gefällt mir, der Bad Kreuznacher AfD-Stadtrat Rainer Wink, der da verkündete, für ihn gelte nur die “kaiserliche Verfassung aus dem Jahre 1850″ sowie die “staatliche Gesetzgebung vor dem 1. Januar 1914″.

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Hummpatäterä… also los jetzt, frisches Feinripp-Unterhemd angezogen,  die Auto – Kennzeichen “Freiheit” aufgeschraubt, den Wackeldackel auf der Hutablage gradegerückt und mit Karacho nach Berlin, wo das neue Stadtschloss wächst, das mit seiner königlichen Nutzlosigkeit die ganze Gegend und auch die Gedanken drum herum infiziert, die so wie ihr alle wieder auf preußisch gepohlt sind, auf Erker und Erbe und Abschottung gegen die Gegenwart, wo exakt heute, pünktlich zum 100. Jahrestag, ein paar versprengte Brüder im Geiste schon auf Euch warten, fröhlich singend “wir wollen unseren alten Kaiser Willy wieder haam… wir wollen unsern alten…

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AVD… “Wir wollen unseren alten Kaiser Willy wieder haam…”

“Auf einer Weide an der Landstraße grunzte eine Sau. Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. fuhr vorüber, zog den Hut und grüßte: “Guten Tag, liebes Schweinchen, guten Tag, liebes Schweinchen, guten Tag, liebes Schweinchen!”

Wenn man älter und erfahrener wird, hält man nicht mehr die Schnauze und flüchtet sich in Höflichkeiten. Besonders dann wenn man liest, dass erlauchte Nachkommen deutschen Blut- und Geldadels an der Spitze eines AVD, mit   preemptiver Geschichtsschreibung und dynastischer Verklärtheit einen ideologisch braunen Automobil Club aufleben lassen, weshalb ich zuerst eine Weile nachgedacht habe, nachdem dieses Thema schon besetzt war, ob ich darüber irgendwas schreibe:

“Durch das am 24. Dezember 1905 übernommene Protektorat durch Kaisers Wilhelm II. genoss der DAC dann das einzigartige Privileg, sich fortan Kaiserlicher Automobil-Club, KAC, nennen zu dürfen. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges war der KAC eine gesellschaftliche Institution von erstem Rang mit Sitz in Berlin. Er diente in der Frühzeit des Automobils als Plattform zur Unterstützung der deutschen Autoindustrie, aber auch die soziale Absicherung rund um den damaligen Autofahrer – Chauffeur – lag dem Club am Herzen. Außerdem forcierte der KAC die internationale Verbands- und Sportarbeit. Die Umbenennung in Automobilclub von Deutschland, AvD, erfolgte im Jahr 1918…”

Blogschreiber Leonard Reuter hat da bar jeder Geschichtskenntnis leider nicht das Format, sich bei diesem komplexen Thema etwas zurückzunehmen. Er schreibt wohl aus den geliefeten Textbausteinen der Presseinfos des AVD einen ziemlich geistlosen Blogbeitrag, und wie man das bei bezahlten Blogschreibern ohne Geschichtswissen nicht anders erwartet, kommt da geschichtlicher Hintergrund unter die Räder. Für einen wie mich, der Bücher wie dieses u.a.m. schon zweimal gelesen hat: Saupeinlich.

Fakt: Der 1899 zunächst von sportbegeisterten Automobilisten gegründete DAC Deutscher Automobil Club durfte sich seit 1905 „Kaiserlicher Automobil Club nennen. Unter seinen Mitgliedern fanden sich Fürsten, Grafen und andere Adlige, Minister, Industrielle und Bankiers. Er war damals der wichtigste Treffpunkt des Blut- und Geldadels in Deutschland und Fakt ist: er stellte den Kern des 1905 gegründeten Deutschen Freiwilligen Automobil Corp, einer Reservistentruppe, die sich dem Heer in treuester Ergebenheit mit ihren Automobilen und Chauffeuren zur Verfügung stellte, und die 1918 nach der Kapitulation auch prompt die Quittung bekam.

Nach der Kapitulation und Flucht des Kaiser’s ins Exil, nannte sich der Kaiserliche Automobil Club fortan AvD Automobilclub von Deutschland. Das Deutschland eine Repubklik geworden war, ignorierten die Herrschaften schlichtweg. Noch im Mitgliederverzeichnis von 1927 stand “Seine Majestät Kaiser Wihelm II” als Protektor an oberster Stelle, danach Kronprinz Frioedrich Wilhelm und 19 weitere Mitglieder des deutschen Hochadels.

Die strammen, alten Militaristen des Kaiserlichen Automobil Corps dagegen, fanden sich größtenteils 1922 im Vorläufer des späteren  „National-sozialistischen Kraftfahrerkorps” (NSKK) der späteren paramilitärischen Unterabteilung der NSDAP, wieder zusammen. Diese war zuerst eine gegründete Transportabteilung der SA, die dann 1930 zum „Nationalsozialistischen Automobil-Korps“ wurde. Hochrangige Mitglieder des NSKK waren wie beim früheren Kaiserlichen Automobil Corps, Mitglieder des deutschen Blut-Adels wie ihr „Ehrenvorsitzender“ Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha und Richard Prinz von Hessen, einer der vier späteren NSKK-Obergruppenführer, der nach dem Krieg und natürlich total geläutert, Karriere als Präsident der Deutschen Verkehrswacht machte.

Ja ja, unsere tapferen Adligen. Die Bereitschaft zur Fahne zu eilen, wäre den Mitgliedern des Kaiserlichen Automobil Club 1905 auch in einer normalen militärischen Einheit möglich gewesen. Aber nix da, denn im Kaiserlichen Automobil Corps gab es noch bis zu Beginn der Kriegszeit das bemerkenswerte Privileg, vom ersten Tag an, ohne jedwede militärische Ausbildung, einzig und allein aufgrund der Tatsache des Automobilbesitzes, in Offiziersstellung (!) Dienst leisten zu können. Diese Möglichkeit wollte sich wohl kaum einer der erlauchten HasenfüßeHerren entgehen lassen, denn man stellte sich wohl vor, dass höhere Stäbe sich wohl kaum in das Stahlgewitter an vorderster Front fahren lassen und das persönliche Risiko der “Chauffeure”, in Schussweite des Feindes zu geraten, deutlich  geringer sei.

Es mag sein, dass Wilhelm II ebenso wie sein Bruder Prinz Heinrich ein automobilbegeisterter Mensch war (ob Prinz Heinrich wirklich als “Erfinder des Scheibenwischer” tituliert werden kann, ist fraglich, er hatte tatsächlich 1908, 1913 und 1914 einige Patente auf sich eintragen lassen). Für die Historiker aber trug Wilhelm II sich in die Geschichtsbücher als brutaler, von Gottesgnadentum, Militarismus und dynastischem Dünkel, und einen der schlimsten Kriege zu verantwortender  Herrscher, ein, der in seiner Debilität noch bis zu seinem Tod 1941 daran glaubte, dass ihn ein an die Macht gekommener noch größerer Kriegsverbrecher und Massenmörder, als Kaiser zurück ins Deutsche Reich holen würde.

“Ich bin der einzige, der die Fähigkeit hat, Deutschland wieder aus dem Dreck herauszuführen.”

Mal ganz abgesehen devon, ob die Intentionen des AVD von dieser wohl durch mangelnde Geschichtskenntnis von dessen Eliten, deren Verdrängung oder fehlender Sensibilität der Think-Tanks des AVD und für Mitgliedsbeiträge-ist-uns-nichts-peinlich-genug-Einstellung geprägt ist:

Bei  diesem “Rebranding”  (auf Deutsch: Alter Wein in neuen Schläuchen) geht es garnicht um Traditionspflege, um blumig versprochenen, zukünftigen Mehrwert. Das PR- und Kommuinikationsurgestein Jürg Leiziger hätte es besser wissen sollen: Das Hervorholen eines Kaisrlichen Automobil Club aus der Mottenkiste,  ist nichts weiter als das  Eingeständnis in jahrelange, katastrophale Clubführung und Mitgliederpflege, im Umgang mit Mitglieds-beiträgen  dynastischer Selbstbedienungsmentalität und in dessen Folge, Mitgliederschwund. Da fängt man halt noch mal von vorne an, im Jahr 1905.

Das wäre auch schon fast alles, was mir dazu einfällt. Über die mir zu Ohren gekommenen Motive der AVD Baragotzkis und deren Ex-Vize-Präsi, dem ehemaligen PR-Agenturboss Jürg Leipziger, mit einem KAC wie zu Kaiser’s Zeiten, u.a. traditionsbewusste, gut betuchte, türkische Unternehmer als Mitglieder und letzlich Kunden für ALLIANZ Versicherungsprodukte… ach nee, über das  will ich – noch – nicht schreiben. Das klingt zu abgefahren und ginge mir persönlich zu weit, viel zu weit.

Wenn ich Psychiater wäre, müsste ich dann nämlich schreiben, der AVD und der dem KAV als Präsi vorstehende Albrecht Prinz von Hohenzollern (dessen Vorfahr als Offizier des Kaiserlichen Automobil Corps, Wilhelm II 1918 ins holländische Exil fuhr) leiden womöglich an Morbus Debilus Wilhelminus Felixkrullitis.

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Update: Für die Idee zu begeisternde “stramme” Automobilisten sind wohl vorhanden, so wie vermutlich dieser Mercedes-Benz SSK 2007 in Ladenburg (dem, wie man hörte, wegen seiner Weigerung nationalistische Kennzeichen auf seinen Nummernschildern zu entfernen, das in Geschichtsbewusstsein besser beschlagene Präsidium des Kompressor-Clubs die Mitfahrt zu den Classic-Days ins benachbate Österreich, verweigert haben soll).

 

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