Des Verführers Zuckerberg willenlose Beute

“Allerdings ist das Online-Netzwerk nach den Zahlen, die veröffentlicht wurden, etwa mit dem Hundertfachen des Jahresgewinns bewertet – bei Dax-Unternehmen ist es ungefähr das Zehnfache. Wenn ich als Anleger in Facebook investiere, muss ich also die Erwartungshaltung haben, dass das Unternehmen seinen Jahresgewinn mittelfristig verachtfacht oder verneunfacht…”

So als gäbe es in Griechenland keinen Bank-Run, in Spanien keine dutzenden von Banken mit einigen hunderten Milliarden Wertberichtigungsbedarf auf fast wertlos gewordene Leerstandsimmobilien, die demnächst allesamt baden gehen, als gäbe es mit mit Italien keine tickenden Neutronenbombe, die mit annähernd 1,8 Billionen Staatsverschuldung bei gleichzeitig rasant fallendem BIP, alleine ausreichen würde, den ganzen Euroraum zu atomisieren, und als gäbe es andererseits keine Volkswirte, die mal die erste verständliche Worst Case – Berechnung aufgestellt haben, was uns der Wahnsinn von der Finanzindustrie gesteuerter Merkel’scher Besserwisserei und Austeritätspolitik kosten könnte,  ist es echt rührend mitanzusehen, mit welcher Raffinesse die gleichen  Internet-ideologen, die uns im Stil von Werbern für Halbfettmargarine, Facebook bis vor kurzem noch in den höchsten Tönen als Motor revolutionären, ja: freiheitlichen Wandels in der Welt verkaufen wollten, jetzt im hohen Ton der Ökonomie erklären, dass Facebook mehr Gewinn aus seinen Nutzern rausquetschen müsse.

Und alles nur, damit die “Investoren” – und das sind im Falle Facebooks eben neben Millionen von jungen Facebook-Fans, auch griechische Eliten mit in Griechenland gestohlenen Fluchtmilliarden,  russische Oligarchen, zockende Investmentbankster, saudische Prinzen und Dank Sklavenarbeit, chinesische Jungmilliardäre – möglichst hohe, zweistellige Renditen auf ihr eingesetztes Kapital erhalten mögen, das sie auf zweifelhafte Weise irgendwo zusammengerafft haben.

Irgendwie haben die Menschen seit 1835 nichts dazu gelernt. Bleibt tapfer.

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18.10.2011; Das letzte Aufgebot

Hinterher ging mir so einiges durch den Kopf. Was werden denn die > 99% < machen, bei denen ich gestern Nachmittag am Willy-Brandt-Platz vorbei-gechaut habe, und wo ich mit einigen Gesprochen habe, wenn sie nach einem  Kassensturz des Systems feststellen, dass all ihr Gemeineigentum verschwunden und zu Privateigentum auf den Konten weniger hinter den Banken stehender Oligarchen geworden ist?

Gar nichts, meine ich seit gestern. Tja Leute, Meinungen ändern sich. Nette Leute zwar, die da bei Minusgraden nachts in Zelten übernachten, aber Figuren der Vergeblichkeit, die heute einem gestern abgefahrenen Zug hinterherlaufen. Diese “99%” erreichen kein Ziel.

Das ist angesichts der Okkupierung von Occupy durch Politiker aller Couleur, allen voran Frau Hosenanzug, die die Bankengegner sogar verstehen,

“Darin drücke sich ein “Gerechtigkeitsverlangen” aus, den internationalen Finanzmärkten Zügel anzulegen, wie man sie in Deutschland für richtig halte und zum Teil schon umgesetzt habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin…”

die Bürger tatsächlich aber für Blöd verkaufen und sich in Wahrheit weigern, die Stellschrauben am System feste anzuziehen, nur eine Prognose, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bewahrheiten wird.

Um es sinngemäß in etwa mit den Worten des von mir geschätzten FAZ-Bloggers Don Alphonso zu sagen: Schiebt den Verbrechern von Rating – Agenturen und Investment -Bankern, die grade Frankreich  und Italien lynchen uns  auch schon auf der Liste haben, endlich ihre Rating – Agenturen, Währungsspekulationen und Credit Default Swaps, mit ein paar Säcken mit in Jauche getränkten, stinkenden, alten Dollarnoten kräftig durch  ihre Anzughosen, und zwar so, dass sie im oberen Zweithintern wieder rauskommen. Und Ruhe ist.
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Ein paar Fotos? Hier bitte…
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Den Eliten geht der Arsch auf Grundeis

wie man es umgangssprachlich im Westviertel auszudrücken plegte. Etwas vornehmer ausgedrückt: Bei der neoliberalen Porfalle & Co – Blase liegen die Nerven blank.

Vielleicht mache ich mich jetzt zum Deppen, aber wenn ich heute Morgen die Zusammenfassung des Handelsblatt lese, bin ich froh, dass es mit der Raserei am Abgrund bald vorbei ist. Beiträge über die Branche organisiertem, staatlich gedecktem Bankenbetrugs, uns jahrelang für blöd verkaufenden dummdreisten Pfarrerstöchtern,  langweilen mich nur noch, die schreiben jetzt wundersam geläuterte und plötzlich Tachless redende Journalisten vom Handelsblatt, Süddeutscher Zeitung, Manager Magazin und anderen bis dato Volksverdummungspostillen.

Ich bin froh. Es war für mich eine Lebenserfahrung, wie in den letzten 3 Jahren Warnsignale von Experten, die vor den Bankenrettungen in 2008 und Fässern ohne Böden warnten, hier in Deutschland untergingen und auch von Wirtschaftsmedien und Johurnalisten bewusst ignoriert, ja weggeleugnet  wurden.

In den Short-News des Handelsblatt lese ich heute Morgen:

“Blankoscheck für die Banken…

“Die Dexia-Krise hat Politik und Medien alarmiert. In der Sorge um die Stabilität der europäischen Banken hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine Rekapitalisierung der Finanzinstitute im Notfall ausgesprochen. Dies würde den nationalen Bankenrettungsfonds Soffin wieder ins Spiel bringen (» HB , » HB ). Merkels Haltung sei unfassbar, kommentiert das Handelsblatt  . Die Banken wolle sie notfalls wieder retten, doch ihr Beitrag bei einer Griechen-Pleite könnte steigen. Griechenland wolle sie auffangen, deutet aber einen Schuldenschnitt an. Eine Rekapitalisierung europäischer Banken ist aus Sicht von » L‘Expansion aus Frankreich “unumgänglich.” Rückblickend sei es eine Frechheit gewesen, mit welcher Verve Spitzenpolitiker der Euro-Zone auf dem IWF und dessen Forderungen nach höheren Banken-Eigenkapitalquoten herumgehackt hätten, schimpft die » Welt Die Regierungen müssten den Banken zwangsweise Eigenkapital zuschießen und notfalls verstaatlichen, fordert die » Süddeutsche Eine radikale Trennung von Bank und Staat wünscht sich Wirtschaftsforscher Nicolas Véron (vom Thinktank Bruegel) in der » FTD Selbst die staatlichen Banken hätten nicht viel aus der Krise gelernt, insinuiert das  Handelsblatt  Nach S-Broker, dem Onlineableger der Sparkassen-Gruppe, biete jetzt auch die Commerzbank-Tochter Comdirect ein Produkt an, bei dem es nur um eines gehe: Zocken wie im Casino.” 

Ob es den kriminellen Kinderarmutistmirfuckingegaltypen  und Millionen-boniabräumern, Banksteralssystemwichtigschreibern und dem ganzen Gesocks von Investment-Bankern, am Ende endlich an den Kragen geht, wage ich mal zu bezweifeln. Ich bin mir jedoch sicher, dass es  auch bei uns einen Aufstand gegen den wirtschaftspolitischen Schmierklüngel geben wird.

Das mindeste, was ich als wertkonservativer Bürger jetzt verlange, bevor es zu einer Wiederholung des 10. Oktober 2008 und zur Finanz-Fukushima-Kernschmelze kommt, sind schnelle und knallharte Gesetzesentwürfe, so wie sie die Urväter der CDU schon 1947 im Ahlener Programm  verankern wollten, wo Teil-Vergesellschaftung der Banken drinsteht, bei gleichzeitigem kostenneutralen Rausschmiss der Millionen-Boni-Investment-Bankster, und Aktionären mit mehr als 0,5% Anteilen am Grundkapital.

Nur mit so einem Gesetz und der ernsthaften Androhung, den Lasvegasbankern die Konsequenzen aufzuzeigen, gnadenlose Ermittlungen ohne Ansehen der Person, öffentliche Prozesse und Haftstrafen ohne Bewährung, auch anwendbar auf die Gasstrompetrolmafia, entsteht Angst derer, ihr renditegieriges Geld zu verlieren, wenn der Staat “übernimmt”.

Hier gibts nette Filmchen von Wallstreet.

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Es ist wieder mal September und…

The fate of the euro zone will be determined not in Athens but in Rome [Wall Street Journal]

die Eliten bringen ihre Schäfchen ins Trockene,  und nicht weil eine Societè Generale schon quasi pleite ist, sondern einfach, weil es kein Vertrauen mehr gibt. Die nächste Zeit wird – wenn er nicht schon längst elektronisch läuft – der Bank Run einsetzen, und nicht nur auf die größten französischen und italienischen Banken.

Die Zukunft wird nicht in Athen, sondern in Rom entschieden. Es wäre nicht verkehrt, ein Auge auf die Unicredito  und andere große Institute zu werfen.  Wenn mehr als “nur” ein oder zwei Großbanken in Frankreich, Italien und demnächst Spanien zweistellige, milliardenschwere Geldspritzen brauchen, kann man davon ausgehen, dass es auf EU-Ebene sehr schnell zu massiven, politischen Reaktionen kommt.

Vielleicht ist es das beste, was passieren kann. Vielleicht auch eher unschön für alle, die gespart haben, und vielleicht sogar für diejenigen, die dem Wort der Frau geglaubt haben, “Eure Spareinlagen sind sicher”, die sie in Berlusconien Pferdearsch nennen.

In Deutschland vermutlich schon, denn hier hätte eine wie von Helmut Kohl schon mal ernsthaft geplante Zwangsanleihe oder sogar ein Währungsschnitt einen Aufstand zur Folge. Kohl wollte 1991 wegen ungedeckter Schulden von 35 Milliarden den Schritt wagen, heute werden Rettungsschirme aufgespannt, die uns 400 Milliarden kosten können.

Bestimmt ist man sich vermutlich längst einig, sogar ziemlich sicher, dass man auf Biegen und Brechen die Griechen  und Spanier und Franzosen und Italiener retten wird, obwohl die kaum besser sind als Lehmann & Brother, Madoff, IKB, HRE und englische Pleitebanken.  Bei Ländern kann man halt nicht so leicht den Stecker ziehen, wie bei Aktionären und Sparern.

“Wenn ich auf den Niedergang Europas wette, um eine hohe Rendite zu erzielen, finde ich das unerträglich und unmoralisch.Bei so einem Verhalten dreht sich mir, gelinde gesagt, der Magen um…”

Frank Fehrenbach, Chef über 270.000 Beschäftigte, der den Garaus der Banken im Frankfurter Wirtschafts-Club forderte, kommt aus der Region des  September Austands 1848. Und mit einem von dort, den ich gestern auf dem Rückweg besuchte, bin ich einig:  Es wird sich vieles verändern und ich fürchte, es wird schmutzig. Wahrscheinlich nicht nur für Griechen, Franzosen, Spanier und Italiener.

Und denkt dran, auch daran, dass Morgen am Samstag in der Central – Garage Saisonabsbschluss stattfindet. 

 

Update: Saisonabschluss in der Central-Garage ist natürlich nicht “Morgen”, sondern am Samstag den 24.09.2011. Danke Peggy Werner.

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10.09.2011; 00.01 Uhr…

noch fast 48 Stunden bis es endlich Nine-Twelve ist und dieses fade, scheinheilige Media-Recycling wieder aufhört.
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Und bevor ich mich dazu noch mit Gesabbere dummer, scheissheiliger Manager – BrutEliten  und anderen plötzlich aufgewachten, geistigen Tieffliegern langweile, bis dahin schau ich mir dann mal so was an, schönes altes Blech.

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Tut Gutes und haltet die Presse

Da es eines Christen Schuldigkeit ist, nicht allein das Gute mit dem Guten, was leicht zu tun ist, sondern auch das Böse mit dem Guten zu vergelten; so habe ich, zufolge dieser heilsamen Vorschrift, allezeit die Gedanken gehegt, für alle Wohltaten, welche ich Zeit meines Lebens bis in mein jetziges anfangendes Alter in meiner Vaterstadt genossen habe, nach meinem geringen Vermögen mich dankbar zu erzeigen [Johann C. Senckenberg; 1763]

Grad die letzten Tage lache ich mir öfters einen Ast, zum Dooodlache. “Reiche wollen mehr Steuern bezahlen”

Die einfachsten Forderungen Reicher nach sozialer Gerechtigkeit sind immer schon immer die, von denen man bereits vorher weiß, dass man sie als Reicher selbst niemals einlösen muss, die einem nichts kosten.

Das möchte ich erleben, dass es in Deutschland eine politische Mehrheit gibt, egal von welcher Richtung oder Couleur, die bereit wäre, hohe Einkommen oder Vermögen stärker zu besteuern. Ganz im Gegenteil, hier läuft doch in Wahrheit die Nummer genau anders herum: Das „große Geld“ sponsert grade die Parteien, die den Staat noch mehr anzapfen und die Sozialsysteme ausbluten wollen.

Wenn man als vorher schon weiß, dass man ohnehin nichts zu befürchten hat, kann man natürlich auch eine „Reichensteuer“ fordern und die total irritierte Öffentlichkeit wird bewundernd zu den Wohltätern aufblicken. Die Wirkung solcher listigen, medialen PR-Kampagnen ist deshalb enorm.

Ich bin nur zu alt und zu verschlagen, um mir von kecken Bürschchen, Minnipinnis mit Dirigentenstock und iPad, und von verzichtbaren Freunden, noch einen Kanon aufdrücken, ja  wie grade passiert, klassenkämpferische Motive unterstellen zu lassen, die zu oft nur deren eigener Bedeutungssicherung dienen. 

Wenn Reiche im historisch verwurzelten Bürgerkanon etwas für ihre Gesellschaft tun wollen, sollten sie spenden und stiften, Beispiele in Historie und Gegenwart großartiger Bürger gibts genug.  Und ansonsten bitte keine Vollverarschung und einfach mal die Presse halten.

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