Zettelkasten 19.02.2016; Rolling Junk, Pfirsische und Fastenzeit

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Meistens kaufe ich ein Buch ganz spontan, wenn mir der Titel oder der Einband gut gefällt. Rezensionen lese ich sehr selten. Bei diesem Buch, schon 1922 geschrieben und erst vor kurzem ins Deutsche übersetzt, kam alles zusammen und ich habe eine Ausnahme gemacht:

“… Da kam mir ein wilder Gedanke und entfaltete sich in seiner ganzen Pracht. “Ich ziehe mich an”, sagte ich mit gedämpfter Stimme, “dann gehen wir nach unten und steigen in unseren Wagen […] Sobald wir auf den Vordersitzen Platz genommen haben, fahren wir von hier nach Montgomery, Alabama, und essen dort Biskuits und Pfirsiche …”

F. Scott Fitzgerald, sein Meisterwerk “der große Gatsby” hatte schon meine Mutter gelesen und ich auch schon bestimmt dreimal. Diese kurze Geschichte schrieb er in Erinnerung an eine Spritztour in seinem rollenden Schrotthaufen nach Montgomery, die damals tatsächlich stattgefunden hat. Im Amerikanischen lautet der mit reichlich original Fotos des Trips von 1922 ausgestattete Titel “The Cruise of the Rolling Junk”.

16.02.20 Rolling Junk

Also, heute Morgen im kleinen Buchladen abgeholt. Schon nach den ersten 15 Seiten weiß ich, ich werde ein paar sehr erfreuliche Stunden in diesen durchweg unerfreulichen Zeiten haben, wo der Engländer seit gestern sene Siegeshymne singt “We’re going to hang out the washing on the Siegfried Line”. Ach ja, vom Fasten steht zum Glück nichts drin.

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Entspannung mit Lippenstift und roten Ohren

14.05.13 Mit Lippenstift und Flinte

Immer nur bescheissende Eliten mit “Beziehungen”, Politik und von Putins Milliardären gesteuerten Kalschnikov – Wahlen der gläsernen Urnen, wird einem angesichts des Zustandes dieser Welt auch über. Wer kotzt schon gerne täglich?

Bei mir läuft derzeit Abends deshalb mal wieder ganz entspannt Lesen und mit dabei, Schorsch und Will Höhne, Letzterer mit sehr viel Erinnerungen an die Atmosphäre der 60 er Jahre, wo er, der ob seiner damals obszönen Lieder in Ungnade der Rundfunkverantortlichen Gefallene, versteckt in der Schiller – Passage und nur Einheimischen bekannt, seine Nachtbar hatte und meine ängstlichen Eltern, als sie mich damals 16-Jährigen, nach einem Theaterbesuch einmal mit dorthin nahmen (am Eingang hing damals noch der Hinweis: “Zutritt ab 18 Jahren”) und ich rot über beide Ohren, während er genau dieses Lied klimperte, neben ihm am Klavier sitzen durfte.

P.S.  Anyway, trotz des hohen Pfund Stirlings und der steigenden Preise für extrem seltene, alte Automobilia – Bücher, war es an der Zeit, meine selbstauferlegtes 5 Euro – Limit zu überdenken, aber der Preis des bis letzte Woche weltweit nur in einem einzigen, kleinen Antiquariat in England verfügbaren Exemplars von 1930, “Mit Flinte und Lippenstift” von Friedel Spada, mit Originalumschlag, lag wirklich nur noch ein Drittel über dem aktuellen Preis von 4 Stücken Torte.

14.05.13 Mit Lippenstift und Flinte 002

Dass ich angesichts dieses bestimmt nicht Fehlkaufes, vererbte, schwäbische Prinzipien aufgab, ist dem Ex – Mercedes – Benz – Geschäftsführer Dieter Ritter zu verdanken, der mich kürzlich auf dieses nach Abenteuer, verbranntem Motoröl und Reifengummi riechende, literarische Kleinod aufmerksam machte.