Mercedes – Benchi… Chick Chick

Bevor ich, ich, mir jemals einen “Benchi” kaufe, einen mit wahlweise pink oder grün oder rot oder blau oder… leuchtender Kühlermaske, schneide ich lieber die Weihnachts-Gans mit Stäbchen, verhungere beinahe und guck mir dabei solche Videos an.

Verwandte Themen: “Mercedes Flatulenzen” und “Nie mehr und dann doch”

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Abgekupferte Nike von Samothrake: Facellia

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Winter, ein großer Sonnenfleck auf dem Schreibtisch, die Arbeit für heute ist getan, da kommt man ins Grübeln. Man könnte ja so vieles bevorzugt Analoges für’s schöne Wetter und die Welt der Begierden kaufen, in der ich lebe.

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Ende November kam diese Facellia unter den Hammer. Das gleiche Problem wie mit den Antiquitäten. Verunsicherte Kaufzurückhaltung und wie bei der Facellia, keine Ahnung, was ein nur rd.1.250mal gebauter, seltener Oldtimer bedeutet, trifft auf schales Angebot und keinen Mut zur Distingtion. Dagegen sieht die 4 Jahre später auf den Markt gekommene Mercedes ‘Pagode’, auch wenn sie das technisch dreimal bessere Auto ist,  wie eine abgekupferte Designkopie von Paul Bracq aus.

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Nur 67 % verkauft,  Nachverkäufe, die noch längst nicht in trockenen Tüchern sind, eingerechnet. Der neue Besitzer wird sich in 10 Jahren die Hände reiben. Mit 22.154,00 Euro lag die Facellia  unter dem Schätzpreis, aber auch in der Galerie Toffen wachsen Bäume nicht in den Himmel.

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Gefunden bei Jens

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S – Klasse – Suche im Heuhaufen

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Zu den morgenlichen, menthalmoralischen Übungen eines angehenden Motor – Journalisten wie auch eines Motor-Bloggers, der vom wichtigsten auf der Welt für ihn, seinen Lesern, ernst genommen werden möchte, sollte es gehören, gleich anfangs auf Maximaldistanz zu den (“120-seitigen”) Pressemitteilungen von Automobilfirmen zu gehen, in denen diese mit denglischer Wortgewalt ihre neuen Modelle hochlobhudeln. Fabian Mechtel,  der mir bis vor einigen Tagen unbekannt war, schrieb als einer der an einer Hand abzählbaren Autoblogger Dieter Zetsche grade folgendes mit der Knute auf den Pelz:

“So wühlt man sich durch dreistellige Seitenzahlen – nein, nicht das neue Shades of Grey (auch wenn die Farbkarte Parallelen aufweist), sondern nur die Pressemitteilung zur neuen S-Klasse und fragt sich am Ende: wo ist denn jetzt der wirkliche Fortschritt versteckt? Also der echte Fortschritt. Nicht das Software-Update im Interieur und die nun stereokameragestützte Radareinheit an der Front. Auch massierende Sitze, multikolorierbare Christbäume in den Armaturen und Türen nicht. Der gegossene Fortschritt. Die Symphonie aus Metall. Das Herz jedes Automobils..”

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Und weiter gehts auf der Suche nach dem “Besten” und der Nadel im Heuhaufen

“Es gibt ihn nicht. Man ist gerade über die EU6-Hürde gesprungen. Hat den alten Aggregaten einen dickeren Korken verpasst und ein wenig die Kennfelder darauf angepasst. Selbst das Getriebe ist noch der alte Siebengang-Wandler. Das Beste? Irgendwie nicht..Das soll es sein? Das beste Auto der Welt? Wir würden eher sagen es ist das zielgruppenorientierteste Auto. Und wir gehören nicht mehr zur Kernzielgruppe…”

Hoffe niemand, so etwas im gedrucksten Motor – Journalismus zu finden, solch starken Stoff gibt’s nur auf freier Wildbahn, also in den Blogs. Zumindest…

“…Stolz können die Mercedes-Leute auch auf die enormen Gewinne sein, die das Flaggschiff einfährt. Zwar entfallen nur sechs Prozent der Mercedes-Auslieferungen auf die S-Klasse, doch zum Gesamtprofit des Konzern trägt sie nach Schätzungen von Analysten mindestens 15 Prozent bei. Der Bruttogewinn jedes verkauften Wagens, davon sind Branchenexperten überzeugt, beträgt 40 bis 50 Prozent…”

Nur ist das halt kein noch lange kein Beweis für kluges Management und vor allem eine bodenlose Frechheit, angesichts von Hungerlöhnen am Daimler Benz – Fließband.

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Alter schützt vor Schönheit nicht

Der Duft nach Leder, Gummi, Schmierfett scheint merkwürdig vertraut, wenn man sich die Fotos dieses Autos anschaut. Im Strickpulli, mit gelöcherten Pekari Lederhandschuhen, in Tod’s Slippern, eine alte Rolex Prince am Handgelenk, neben mir sitzend meine Copilotin mit einem im milden Wind der Amalfi – Küste flatternden Kopftuch, aber bitte ohne Windschott, Helm und Sicherheitsgurt, so habe ich mir gestern Abend die Fahrt in diesem Aston Martin 2.0 Liter Sportster von 1949 vorgestellt, der nur 15mal gebaut wurde.

Wenn doch diese englischen Syndiacationsschreiber genau so wie ihre deutschen Kollegen vom Qualitätsjournalismus nur etwas mehr drauf hätten und statt in Restaurierungskostenarien zu schwelgen, etwas aus der Zeit seines automobilen Lebens herausbekommen hätten, bevor er vor 30 Jahren in der Garage abgestellt wurde. 

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[Tim Wallace]

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