Unter Ferrari – Barchetta 166 MM Räder gekommen

 

Wenn zufällig einmal hochkommt, wie sich ansonsten auf Diskretion wertlegende, windige Auktionshäuser, Oldtimerhändler, überliquide Oldtimerkäufer und Classic – Center gegenseitig verprellen, so ist das Musik in meinen Ohren. Zum Beispiel die Klage von Ferrari gegen Reinhard Schmidtlin von der Oldtimergalerie Toffen…  hier.

Wer nicht lesen kann und hinterher den Schaden hat, braucht für den Spott nicht … Quatsch. Reinhard Schmidtlin, der sich selbst als ausgewiesenen Oldtimer-Experten bezeichnet, hat – aber nur – vielleicht den ältern Artikel von John Apen in SportsCarMarket nicht gelesen, aber genau gewusst, worauf er sich einlässt. Zumindest hätte er wissen müssen…

“These rebodies are selling far below construction costs and will deliver miles of smiles. But don’t go near Pebble Beach, and don’t expect to make money”

Wenn’s um Millionen geht, hört bei Ferrari – Classiche der Spaß auf. Das ist die Classic-Abteilung der Firma, die auch bei dem über dubiose Wege bei Jaques Swaters  gelandeten Ferrari 375 Plus # 0384 die Finger mit im Spiel hatte.
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“…Die Vermutung, dass es Ferrari gar nicht nur um den Schutz der Marke, sondern auch um simple Bereicherung geht, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Dafür gibt es auch noch ganz andere Anzeichen: Es gibt in Italien Möglichkeiten, so eine Art «Ablassbrief» zu erstehen. Ganz unbürokratisch. Diese «Anbieter», die gemäss seriösen italeinischen Quellen eng mit dem Werk in Maranello zusammenarbeiten, wollen das Fahrzeug nicht einmal sehen.”

Ferrari hat wie man liest, schon früher einige Urteile gegen ihnen nicht genehme Leute erstritten, die ihnen bei ihren Geschäften in die Quere kamen und Ferrari – Boss Luca de Montezemolo hat auch schon mal Polizei und Staatsanwälte anrücken lassen,

Weil Vorsicht bekanntlich besser als Nachsicht ist und man heutzutage ja niemals weiß, ob einem nach dem Lesen solcher Beiträge, hinterher nicht auch Montezemolo’s oder Reinhard Schmidtlin’s Rache  trifft und einer von beiden nicht auch eine Zivilkammer mit seinen  Wünschen an die öffentliche Wahrnehmung dieses handfesten Beweises dafür bemüht, wie in diesem Marktsegement von Oldtimern, wo es um sündhaft teuere Restaurierungen und am Ende Stückpreise von Millionen von Euro geht, von den Halstüchlein-trägern mit den Messern zwischen den Zähnen gelogen und gelinkt wird,  verlinke ich den  Beitrag über die peinlichen Geschätsgebahren nur zur Illustration und distanziere mich selbstverständlich von allen darin enthaltenen Tatsachenbehauptungen oder enthaltenen falschen Eindrücken.

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Update 25.06.2012: 1949er Ferrari Barchetta 166 MM – bringt 1.870.000 $

Update 25.06.2012:.Ferrari 166 – Aluminium Kopie für 185.000 $ verkauft

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Ferrari 512BB von Thiesen, “Sold on 11.11.2011″

“Sold on the 11.11.2011″, am Faschingsbeginn und um den Aschermittwoch herum, war alles vorbei und der Käufer, ein Münchener  hatte einen dicken Kater und die vor dem Kauf im Auftrag des Käufers offenbar durchgeführte Begutachtung des Ferraris durch einen ebenso namhaften Oldtimerhändler S, der eine klare Kaufempfehlung abgegeben haben soll, war sprichwörtlich für die Katz.

So ein DEKRA Gutachten über genau diesen Ferrari 512BB, wie ich es auf dem Tisch liegen habe, liest sich wie gut erfunden, wenn da nicht DEKRA drüberstehen würde.

Aber wie sagte Dirk Michael Conradt schon 1989 in seiner Kolumne in der Motor-Klassik? “Niemand wird gezwungen, Schrott zu kaufen”

Das Spiel mit dem Beweisverfahren hat grade erst angefangen und ist längst noch nicht vorbei und ich bin irgend wie sicher, dass das sich anschliessende Klageverfahren und das Ergebnis mich überraschen wird.

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P.S. Mehr zum Thema hier

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Techno Classica 2012, Highlights unverkauft, Mercedes Benz 500 K beschlagnahmt

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“Their Sales are beautiful blended…” dürfte jetzt auch Franz van Haren sagen, der seinen erst 2011 bei RM Auctions für 3,7 Mio. Dollar ersteigerten 1935er Mercedes-Benz 500K,  auf der Techno Classica in Essen, an deutsche Justizbeamte verlustig ging.

AutoBlog Holland berichtete als erster am 28.03.2012, warum aber erst 3 Tage nach Ende der Techno Classica, darüber darf gerätselt werden, wo doch sonst zumindest die einschlägige deutschen Presse Staatsanwälten im Windschatten folgt, speziell dann, wenn die, mit Haftbefehlen ausgestattet, Mirbach – Geschäftsführer vom Messestand weg abholen. Dem Veranstalter SIHA dürfte jedenfalls daran gelegen gewesen sein, die Nachricht nicht während der Messe platzen zu lassen. Eine ohnehin Kaufzurückhaltung übende und plötzlich misstrauisch gewordene und gar Detailfragen stellende, gutbetuchte Klientel, hätten bei Oldtimer-Händlern wie bei der Coys Auktion am 24.03. dann vielleicht noch ein paar mehr Highlights unverkauft gelassen.  

Den einzigen auf die Schnelle in Deutschland gefundenen Beitrag hierzu, gibts  hier

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Die Sache mit der Schwarzen Kartoffel – Perle 190 SL

Es begann vor ein paar Tagen damit, dass Evelyn (Anm.: als guterzogener Sohn Name natürlich verändert) nach fast 20 Jahren mal wieder anrief und mich brauchte. Ich brauche Dich, sagte sie, und wüsste ich nicht, dass die letzten Männer, die sie partout gebraucht hat, ihr zwei Ex-Ehemänner waren, die selbst nach vielen Jahren noch über die teueren Umstände der Scheidungen ihrer Ehen mit Evelyn, ohne Eheverträge, und Letzterer zudem über den Verlust des 230 qm Architektenhauses in Falkenstein, leiden, dann hörte man das gerne. Ich brauche Dich mal, sagte sie also zu mir, und das bedeutet zumindest bei mir keine Gefahr für Leib und das in bälde Erlebendürfen der Silbernen Hochzeit mit meiner Copilotin, sondern nur, dass sie eben etwas braucht, das ich tun soll.

“Schau Dir doch mal im Weltnetz-Auktionshaus diesen traumhaften schwarzen 190 SL für mich an, Detlef,

“Mercedes Benz 190 SL, Roadster, Bj. 1961… Ich moechte mich von einer wunderschoenen schwarzen Perle aus meiner privaten Fuhrparksammlung trennen… Dieser Mercedes Benz 190 SL wurde im Jahr 2008 mit grossem Aufwand und Liebe zum Detail komplett restauriert. Verwendet wurden nur Teile und Material “matching numbers” und alles Original… Das Fahrzeug hat keinerlei Roststellen, Kratzer oder sonstige Defekte und steht derzeit abgemeldet in der Garage… Lediglich einen ganz kleinen Schoenheitsfehler gibt es am Faltdach, da an einer Stelle das Material mit Naht geflickt wurde ( siehe Bild )…Da dies ein Privatverkauf ist, sind Gewaehrleistung, Garantie und Rueckgabe ausgeschlossen”

Da “schwarze Perlen” in der Natur bekanntlich äusserst selten zu finden und zumeist dementsprechend teuer sind, und um eine alte Freundin vor Tinnef auf 4 Rädern zu bewahren, wollte ich von Anbieter “mosche_1″, übrigens einem  Sammler für gefärbte Potatoepearl Süßwasser – Perlen halt mal wissen,
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“Hallo mosche_1, Sie schreiben in Ihrem Angebot: “Verwendet wurden nur Teile und Material “matching numbers” und alles Original. Lediglich einen ganz kleinen Schoenheitsfehler gibt es am Faltdach, da an einer Stelle das Material mit Naht geflickt wurde ( siehe Bild ).”
 
Fragen: Das Fahrzeug “ist abgemeldet”, ist dennoch eine Probefahrt mit ggflls. einer Befundung in einer nahegelegenen Autowerkstatt oder bei einem Sachverständigen möglich? Gibt es eine Dokumentation mit genauer Beschreibung über Art und Umfang der durchgeführten Restaurierung, speziell Austausch von tragenden Bauteilen wie bspw. Seitenschweller und Traversen, A – Säulen, Bodenblechen, wenn möglich mit Fotos auch mal vom Unterboden, Bodenblechen im Innenraum,  Spaltmaßen  der Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel. Für Ihre Beantwortung im voraus bestens Dank….”
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Da ich nur 265 Zeichen zur Verfügung hatte, musste ich auf die Frage verzichten
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“welcher Blechgott hat das Auto restauriert, liegen Rechnungen und / oder ein Sachverständigen-Gutachten über die fachgemäße Durchführung der Restaurierung und Bestätigung  der nach offensichtlichem Austausch von Karosserieteilen noch immer vorhandenen Matching – Numbers, vor?”
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Prompt erhielt ich die Antwort vom Kartoffel – Perlen – “Sammler” mosche_1 (offenbar aus Spanien):
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“Hallo, eine Begutachtung durch eine Werkstatt ist selbstverstaendlich moeglich, eine komplette Dokumentation habe ich nicht. Es wurden alle Teile ueberholt. Bilder vom Unterboden und Spaltmassen habe ich nicht ist alles in einem top Zustand. mosche_1″
 
Johannes Hübner’s Lebkuchenweisheiten zum 2. Advent, “Oldtimer fälschen ist ein lukratives Geschäft” sind ein Geschichtchen, was im Oberhaus der hochpreisigen Vorkriegs-Oldtimer-Szene so abgeht und wie leicht es ist, aus einem zusammengepatchworkten Gefährt ein für die kurzsichtigen Augen der VCC-Kommissare authentisches Stück Automobilgeschichte zu machen. Nur im Oberhaus?
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Eigentlich sollte die Geschichte weitergehen, wie die Schwarze Kartoffelperle und viele, viele, ähnliche angebotene Oldtimer zeigen, dass weiß auch Johannes Hübner, aber darüber geht er als Veranstalter des Schwetzinger Concours d’Elegance, einer der Veranstaltungen jener Art, wo mit viel PR und billigen Pokalen, aus zumeist totrestaurierten Oldtimern, für Oldtimerhändler und Auktionatoren und deren zahlungswilliger Klientel teuere Objekte der Begierde gemacht werden, geflissentlich hinweg!?
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Zum Beispiel könnte man sich mal fragen, warum ein Reputation und Mitgliedsbeiträgen hinterherjagender Oldtimer-Verband wie der Deuvet, nicht schon längst für Technikunversierte wie Evelyn, marken- und typenspezifischen Oldtimer-Kauf-Check-Listen, mindestens einmal für die Mainstream-Oldtimer, geschaffen hat, die Classic – Center der großen Marken sollten sie dabei doch eigentlich unterstützen können!?, und andererseits, in Zeiten des Internet-Handels, wo inzwischen mehr Autos online verkauft werden als konventionell, für Verkäufer Anforderungen an Minimalangaben in Verkaufsangeboten im Internet, zu fordern, die unerfahrene Einsteiger(innen) davor bewahren, schwarze Perlen zu kaufen, an deren Beschaffenheit und Wert begründete Zweifel bestehen.
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Ich habe im Motorblöckchen schon einige heitere Geschichten (nur für die Leser, weniger für die armen Hascherl von Käufern) zum Thema Fälschungen geschrieben. Evelyn hat keine davon gelesen und mir als kleines Dankeschön und zur Beseitigung der Leere in meinem Weinregal, ein Kistchen Gordon Rouge zugeschickt.
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Persönliche Abholung in Falkenstein, ein kleiner Weihnachtskaffee und Erinnerungen an früher, wo ich Bruder Leichtfuß genannt wurde, kamen mit der technikunversierten aber in Männerangelegenheiten dafür sehr erfahrenen Evelyn, nicht in Frage. Evelyn fährt in ein paar Tagen wieder los, nach “Kitz”, wie jedes Jahr. Vielleicht, meint sie, findet sie ja dort jemanden, mit dem man etwas Spass haben kann. Am Ballermann für in die Wüste geschickte Ehemänner, Bankster, abgehalfterte Automobilbosse, glatzfrisierte Werbefuzzis, Apotheker und Zahnärzte, könnte das schon eher klappen.

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OldtimerPlag: RM Auctions “Their sales are beautiful blended”… Indeed!!!

Mit der alljährlichen Versteigerung „Automobiles of Arizona“ startete RM am vergangenen Wochenende erfolgreich ins neue Jahr. Nicht nur, weil das Auktionshaus den Rekorderlös von fast 1,4 Millionen US-Dollar für einen Mercedes-Benz 300 SL erzielte. Auch mit dem Gesamterlös von knapp 31 Millionen US-Dollar erreichte RM Auctions das bisher höchste Ergebnis in der 12-jährigen Geschichte der Arizona-Auktion.

Booaaahhh – dachte ich noch Ende Januar, als ich das im News-Letter der Werbeanzeigenumfeldgestalter von Classic-Driver las, nix da von wegen Suprime-Krise bei Oldtimern, sondern sich mit physischer Gewalt in Auktionshllen drängende, balgende und beide Bietarme in die Höhe reisende Herren des Geldes, ratzfatz leergeräumte Hallen bei Auktionen, auch nix da mit “Geiz ist geil” oder Estimate 800.000 Dollar, bevor die US-Regierung endgültig pleite macht, nur noch raus, raus, raus mit der Kohle!

Fantastisch! Vom Kaufrausch Anderer halb benommen, tappte ich Habenichts also gelegentlich weiter durch die Welt automobiler Träume. Doch halt: Was ist das? Die Ernüchterung folgt gestern auf dem Fuße:

Kein Zweifel, am 19. August kommt der Mercedes-Benz 300SL / W198 mit der Chassis-Nr. 1980405500601 bei RM Auctions schon wieder unter den Hammer!!?

“RM is among the world premier player’s in the classic and spezial interest automotive space. Their sales are beautiful blended and executed…”

Kann das sein?!! Da blättert ein Käufer im Januar fast 1.400.000 Green-Bucks auf den Tisch von RM Auctions und fährt danach die Kiste sofort in die Lackierei und zum Sattler!!? Hat er Rostpickel am Blech, Blasen auf dem Lack oder gar ne zentimeterdicke Prestospachtelung am Kotflügel entdeckt? Oder meinte Madame, das “anthrazit” mache sie dann, wenn sie mitfahre, etwas zu alt?

Wowwww… was für eine Verwandlung, vor 4 Monaten war der 300SL noch anthrazit mit rotem Leder, nun ist er plötzlich silber mit schwarzem Leder, hat andere Felgen und Aussenspiegel, der Motorraum sieht verändert aus… schon fast eine Totalrestaurierung!!? Kaum… hüstel… wiederzuerkennen, nur die Fahrgestellnummer, die ist die gleiche geblieben wie im Januar.

Also, liebe Leser, lasst Euch von einem schlechten Sohn aus gutem Hause nicht verunsichern: Wie immer ist alles bestens bestellt um den Superaufschwung, auch in der gedoxten Oldtimer-Branche. Macht Euch schnell auf den Weg nach Monterey und räumt RM Auctions die Hallen leer, fahrt Euren PC im Wohnzimmer hoch und stürmt eBay: Die Gefahr ist sonst groß, dass Euch allen die vielen Leute mit ihren rasant gestiegenen Einkommen, Oldtimer-Fonds wie der hier oder der hier oder der hier, die schönsten vierrädrigen Renditebomben, so wie diesen 300SL, vor der Nase wegschnappen. Beeilt Euch!

P.S.: Booaaahhh… jetzt sehe ich erst: RM Auctions bieter das Auto “no Reserve” an… da könnte es passieren, dass der offenbar klamm gewordene Käufer vom Januar, statt des Kaufpreises  plus  einiger Hundertausende Restaurierungskosten, plus erhofftem Gewinn, statt grob geschätzten 2 Millionen Dollar, mit einem dicken Verlust aus der Auktion in Montery herausmarschieren kann!!?

Verflixt aber auch, warum fällt mir immer wieder der Leserbrief in der Motor-Klassik 1989-01 ein, der von Halwart Schrader – über getürkte Oldtimer – Auktionen?

 

Betrug bei OLdtimer-Auktionen.

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Männer, Boxenluder aus Frankfurt, Alfa Romeo 8C 2300 Monza #2111046 und ein ungeschriebener Brief

Ein Brief, der nicht geschrieben wurde, hätte so gelautet:

Lieber Herr Höni,

Hermann Ries schreibt in seinem Blog meinklassiker.de, dass der Alfa der Lukas Hüni AG, auf der Techno Classica den ersten Preis für den schönsten Oldtimer eingeheimst hat.

Sie hatten Ihren Alfa Romeo 8C 2300 Monza auch auf der Retromobile in Paris ausgestellt. Von dort stammen auch die Fotos. Beim Lesen der Beschreibung sind mir da einige Ungereimtheiten aufgefallen.

Haben Sie da nicht in Ihrer Beschreibung der Historie dieses erst vor kurzem auf Zustand makellos “restaurierten” Autos, etwas vergessen?

> Ganzzseitig in Gross

Ganz richtig, jetzt ist es Ihnen wieder eingefallen: Charly Jellen hat den ehemaligen Alfa Romeo 8 C 2300 Monza Werkswagen, den er von dem von Ihnen genannten späteren Besitzer Paul Emil Hoffmann / Mailand für Rennen zur Verfügung gestellt bekam, genau am 7. Mai 1934, bei einem Unfall auf der Autobahn zwischen Ingolstadt und München, an einem Baum zerlegt, wobei er zu Tode kam.

Zumindest schreibt das Alfred Neubauer in seinem Buch “Männer, Frauen und Motoren” – Erstauflage 1958. Und auch seinem nächsten Fahrer, der sich hinter das Lenkrad des wieder aufgebauten Alfas setzte,  brachte das Auto kein Glück, der bekannte Bauhaus Architekt Walther Norden verunglückte ein paar Monate später bei der Fahrt von Bozen zum Schauinsland Bergrennen gleich ein zweites Mal, bei einem Überschlag verlor auch er dabei sein Leben.

Viel mehr als ein Haufen zertrümmerten Blechs, Achsen und Motorenteile, kann es wohl kaum noch gewesen sein, was nach zwei so schweren Unfällen von dem Alfa Romeo Monzas 8 C 2300  übrig war. Das Auto – 1931 gebaut – war schon 1934 nicht mehr konkurrenzfähig, und da soll es sich 1934  noch gelohnt haben, diesen Schrotthaufen aufzuheben, ja sogar wieder aufzubauen? Die ‘Historie’ auf dem Ausstellungsschild ab 1935 kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen und erscheint mir…

 

vorsichtig gesagt, sehr vage und das schon in den 1970ern historische Rennwagen nachgefertigt wurden, ist bekannt. Bei italienischen Sammlern soll man bekanntlich vorsichtig sein und immerhin, der Alfa Romeo 8 C 2300 Monza ist so was wie der italienische Mercedes Benz SSK, der in keiner Sammlung fehlen durfte und von dem bekanntlich heute auch viermal mehr Exemplare existieren, als jemals gebaut wurden. Und so weit ich weiß, gab es von dem Alfa sogar nur 8 bis 10 Werks – Monzas.

Eine pikante Geschichte aus der damaligen Zeit hat mich auf dieses Auto gebracht: Sie kommt wie schon gesagt, von Alfred Neubauer. In seinem Buch “Männer, Frauen und Motoren” schrieb er: Charly Jellen wurde als Österreicher in Moravia geboren und wuchs in Graz auf. Charly Jellen hatte ein Verhältnis  mit Ilse Engel, der Frau des Frankfurter Großkaufmanns Hubach, die ihren Lover Charly Jellen nach einiger Zeit wieder verließ und zu Paul Pietsch (was in der Zweitausgabe von 1971 aus Rücksichtnahme auf noch lebende Personen wegeditiert wurde) überlief, ihn heiratete, sich während ihrer Ehe mit Paul Pietsch, nebenbei den damals sehr bekannten –  drogenabhängigen – Rennfahrer Achille Varzi hielt und ihren Ruf als Deutschlands erstem “Boxenluder” festigte. Charly Jellen tröstete sich nach Ilse mit Edith Frisch,, Opel-Rennfahrerin, die sich wiederum aus Frust um Charly Jellens Tod, einen Bugatti kaufte und mit diesem am 17.8.1934 bei einem Rennen ebenso tödlich verunglückte.

Lieber Herr Hüni. Eine bessere Story kann auch kein Groschenroman liefern, oder? Drei bekannte Rennfahrer aus den 30er Jahren, das erste ‘Boxenluder’  (sogar aus Wiesbaden bzw. Frankfurt stammend), eine Berliner ‘Tanzmaus’, 2 Liebeskummer – Todesstürze, ein drogenabhängiger italienischer Graf, ein Alfa Romeo 8 C 2300 Monza – Schrotthaufen, der bis 1934 ein einmaliger  Rennwagen war…

und 76 Jahre später, anno 2011, ein ‘orginaler’ Rennwagen Alfa Romeo 8 C 2300 Monza # 2111046 auf der Techno Classica, der diese Zeitreise… wie Phönix aus der Asche, wunderbarerweise ohne Kratzer überstand,  und heute besser als neu dasteht, wahrscheinlich FIA-Papiere hat, die ihm seine Originalität bestätigen und zahlungskräftigen Liebhabern einen zweistelligen  Millionenbetrag  wert sein dürfte…

Herr Höni, mal ganz im Ernst, wie geht so was?

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