Kognitive Dissonanz mit ‘Pagode’ oder Wattblick

Sylt-Pagode01

Für 73.300 Euro bekommt man, wenn man selbst das Gehirn einschaltet und den Marktwertangaben der Oldtimer – Hochglanzpresse keinen Funken Glauben schenkt, eine gut erhaltene mind. Zustand 2 – bis 3 + und besser – Mercedes Benz ‘Pagode’, in die der momentan etwas klamme Vorbesitzer u. U. sogar einige Zehntausender mehr rein investiert hat (das Thema lasse ich mal lieber weg, es ist wie mir der Chefredakteur eines Oldtimer-Magazins bestätigte, inzwischen wie ein Kriegsgebiet vermint und bei jedem falschen Wort könnte eine Bombe hochgehen) oder im schönsten Teil von Nord – Hessen ein großes altes Fachwerkhaus mit Hofreite zwischen Vogelsberg und Witzenhausen…

oder auch einen Quadratmeter unter Reet – unmöbliert – mit Wattblick in Kampen auf Sylt…

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Vater unser, die tägliche Angst gib uns heute

15.08.24 Löhne - Robert Bosch

…und vergib uns unsere Dummheit, wie auch wir vergeben Unserselbst [Detlef Kupfer]

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Ende 2012 schloss der Dax bei 5.969 Punkten. Kaum 36 Monate später stürzen sich die arbeitsenthobenen Jünger des Kapitalismus und Spekulanten bereits aus dem Kellerfenster, wenn wie heute Morgen die Börse in China weitere 8 % in den Keller geht und der Dax in Bankfurt danach mit Karacho unter die 10.000er-Marke rauscht.

Im Kasino gehen allmählich die Lichter aus – das ist alles. Oder hat jemand mit allen 5 Sinnen, nach der Finanzkrise 2008 immer noch ernsthaft geglaubt, man könne das Zehnfache des realen Weltvermögens weiter gewinnbringend um den Globus jagen, wenn längst keine realen Werte mehr dieses Kapital aus Luftbuchungen decken? Was jetzt platzt, ist vor allem eine Lüge … und nachdem die Bankster inzwischen nur um ihre eigenen Ärsche zu retten, ihre High Net Worth Individuals dem Amt für moderne Christenverfolgung (neudeutsch: Finanzamt) ans Messer liefern, ist so gut wie kein Fleckchen Erde übrig, wohin das Kapital, dies scheue Reh, noch flüchten könnte.

Ach ja, eine Möglichkeit gäbe es noch: Investieren, nein, nicht in Aktien, sondern wie in der Zeit des Wirtschaftswunders und wie Karl Marx zu sagen pflegte: In gut bezahlte Arbeitsplätze und Schaffen von realen Mehrwerten durch Arbeit.

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Griechenland, die Blasen und das Anstandsstück Erdbeerschaum

1925 Hagenbeck - Auto Rennen in der Luft - Plakatkontor - 1

Es reicht mir.

Vor ein paar Monaten zog ich hier noch das Fazit, dass uns in dieser konsum-, konsum- und nochmal konsum – dressierten und doppelseitig gewendeten Bimbesrepublik keine technischen Genies wie ein Carl Benz oder Josef Ganz und keine großen Denker mehr erwachsen, sondern allenfalls mehr CEO’s, Börsenzocker und Bankster, die in den 50er Jahren spätestens dann, wenn ihr Betrug von staatlichen Aufsichtsbehörden aufgedeckt worden war, schon längst von grün-weissen Taxis abgeholt worden wären.

Es ist schon erbärmlich, dass man Hintergrundberichte über das, was wirklich geschieht in Griechenland und auch anderswo, nur in amerikanischen, englischen und vereinzelt anderen ausländischen Medien findet – so wie hier “Where did the greek bailout money go” – aber so gut wie nie in deutschen. Während Madame Merkel einen auf total cool macht und dafür ihre Propagandamaschine auf Hochtouren läuft, allen voran mit diesen Maulwi…ern von Springers A…habwisch-Blättchen, geschehen aber doch noch Zeichen und Wunder. Da lässt Spon den Kommentator Georg Diez doch tatsächlich schreiben: “Primär wird der Kapitalismus gerettet” und “Merkel rettet die Banken”.

Ich habe am Wochenende nach der Lektüre in einer Schweizer Zeitung darüber, wie sich die Global Player – Banken vor der Zahlungsunfähigkeit der Griechen, mit der Hoffnung auf Milliardengewinne noch mal so richtig mit Griechischen Staatsanleihen eingedeckt haben,

“… Bemerkenswert ist, dass die CS ihr Griechenland-Exposure von Januar bis März, als die griechische Linksregierung bereits die EU – Finanzminister zur Weissglut getrieben hatte, nicht abbaute. Sondern die Grossbank hatte es erhöht. Der Brutto-Ausstand der CS gegenüber Griechenland stieg von 800 Millionen per 31. Dezember 2014 auf 1’000 Millionen per 31. März…”

auch mal über die Zeit nach Griechenland und über Frank Schirrmacher’s “Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat”, nachgedacht, und auch darüber, ob die Verschwörungstheorien der Fremdsteuerung einer geschmierten Politik und Medien durch die Finanzeliten, doch nicht so ganz abwegig sind und was passieren könnte, wenn durch diese seit der Weimarer Republik bestehenden Angst der Eliten vor dem Arbeiter mit der erhobenen Faust, durch dieses stumpsinnige Vakuum braunsoßiges Geschwerrl wie in Frankreich Le Pen, in Italien Matteo Salvini und seine Lega Nord und in Spanien Partido Popular und VOX nach oben kommt und (mit-)regiert, durch den erstarkenden Nationalismus die 3 Billionen – Blasen (3.000 Milliarden) eine nach der anderen platzen und habe angefangen einen Beitrag zu schreiben… der in einer Apokalypse mündet. Ich habe keinen Bock auf noch mehr davon. Andere können das besser als ich.

Ich spare in Zukunft lieber für optimistische kleine Geschichten, wie über eine Quietschehupe auf einem Töff – Töff – Schnauferl oder ein süßes, kleines Kätzchen, dass seine Mama verloren hat und sie im Supermarkt wiederfindet, indem es das ganze Katzenfutterregal leer frisst. Oder noch besser: einen AfD’ler, der sich für nordafrikanische Boots – Flüchtlinge engagiert und in seinem unrestaurierten Citroen HY eine Couscous – Imbissbude aufmacht. Ach, es gibt doch so viel Nettes und Schönes, man muss es nur sehen wollen! Und bevor ich jetzt hier noch das Kotzen kriege, schnell mal zum Eisschrank und das vom gestrigen Schwiegermutterbesuch übriggebliebene Anstandsstückchen federleichte Erdbeerschaum – Baiser – Torte rausholen…

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Zettelkasten 11.12.2014; Quergedacht…

Inside GUM Shopping Mall And Bosco di Ciliegi Store

Gabor Steingart schreibt mir heute Morgen, dass (von der Regierung reich gemachte Diebe, Halsabschneider und Oligarchenabschaum*) Russen sich mit beinahe schon physischer Gewalt in die Verkaufsräume der Luxusmarken Porsche, BMW, Mercedes-Benz und Audi zwängen, um ihre Kröten zu retten, bevor die russische Regierung anfängt, 1 – Million – Rubelscheine zu drucken: “…Damit wollen sie verhindern, dass der sinkende Rubel ihr Erspartes aufzehrt. Bevor nächstes Jahr Preiserhöhungen anstehen, haben die Verkäufe von Porsche-Fahrzeugen wie dem Cayenne im vergangenen Monat um 55 Prozent angezogen…”

“In times of crisis, people view cars as an investment,” said Andrei Rodionov, head of corporate communications at Mercedes-Benz’s Russian unit.

Wer schlau ist., liest sich jetzt nochmal durch, was die Russlandkrise – ein Beinahestaatsbankrott – vor 16 Jahren gewesen ist. Die hatte fast alles von unserer eigenen Finanzkrise, aber am Ende hat man – oder besser wir – das Land wieder hochimportkreditfinanziert. Ich glaube ja nicht, dass man so was angesichts der Billionenschulden südeuropäischer Länder und Banken obendrauf wieder riskieren möchte, aber ich traue den Versprechungen der EZB genau so wenig wie den Bilanzen der Russen, denen der chinesischen Schattenbanken und den amerkanischen Gelddruckern von der FED. 600 – 700 Milliarden Auslandsverschuldung der Russen, sind eine Hausnummer. Ich fürchte, wir rauschen da bald in ein grösseres Problem hinein.

Na ja, alles hat zwei Seiten. Wenn in meinem Städtchen bald wieder etwas mehr Platz bei Edel – Italienern ist und dort die Preise wieder etwas zurückgehen, weil die Russen lieber daheim bleiben oder gar ihre Bad Homburger Villen wieder verkaufen, werde ich sicher nicht weinen.

* von mir eingefügt

 

Frankfurt wie es singt und lacht

13.10.28 So ein Tag so wunderschö...

“Jedem sechsten Deutschen droht die Armut” und “Dax knackt 9000 Punkte – Marke”

Für das harte Stück Arbeit und das perfekte Timing, haben sich die Banker und Börsianern gestern auf dem Schillermarkt vor der Börse, ob der guten Nachrichten, aber nicht nur ihre Boni sondern auch einen extra Schluck Dömchen, redlich verdient.

Also, und bitteschön aus voller Brust… eins, zwei, drei, vier und jetzt alle: So ein Tag…………………..so wun – der – schön wie heu………te……..so ein Tag…………der dürfte nie ver – ge………..hn

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Schuco 230SL Real Elektro und ängstliche Italiener

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Der Antik – Markt in Wiesbaden, ist gerade an regnerischen Tagen sehr fein. 900 Euro rief dort gestern der Verkäufer für diesen 230 SL von Schuco auf. “Wenn sie handeln wollen, sage ich 1.200″ meinte der Verkäufer frech grinsend zu mir.

Ich war kurz wegen eines mir “angesagten günstigen” Originalfotos von Paul Wolff aus einem Rheingauer Nachlass dort, weil Fotos von André Kertesz, Eugène Atget zu Preisen von seltenen Sammler – Ansichtskarten, dürften dort kaum zu erwarten sein. Das Foto war übrigens echt billig, mit Studiostempel “Wolff & Tritschler – Heidelberg, nuuur… hüstel… 220 Euro, für mich doch zu teuer. Und ganz dumm, es nur mal kurz abfotographieren zu dürfen, war verständlicherweise nicht erwünscht.

Mittags, nachdem die Wolken über Wiesbaden gefühlte 30 Liter pro Quadratmeter abeladen hatten, war die ‘Pagode’ weg. Das ist halt so eine Sache, wenn nicht mehr wie früher, jeden Morgen ein Dummer aus dem Zug steigt, sondern Italiener aus Oberitalien mit Eurobündeln in den Hosentaschen , die, wie mir ein Bekannter und Antiquitätenhändler flüsterte, nicht nur den Flohmarkt in Pfaffenhofen leerkaufen, sondern schon bis nach Wiesbaden fahren, um dort nicht so wie ich vergleichsweise prekäre Trüffelsau, Fotos mit Automobilmotiven von Paul Wolff suchen, sondern ohne lange zu feilschen kilokistenweise  Antiquitäten aus 800er Silber, deutscher Jugendstil und Bauhaus von HKE, BSF und WMF bevorzugt, alles was gut und teuer ist blind zusammenzuraffen und vor lauter Sorge um ihre inflationsgefährdeten Schwarzeuros, im Vorbeigehen Blech – Pagoden bei  Neppern mitnehmen, die sie auf seriösen Auktionen immer noch für um die 300 Euro bekommen könnten. 

 

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