Stille Beifahrer

Das ist ‘Jan’, gestern Morgen mein Beifahrer, der 31 Jahre lang mit unermüdlichem Blick von der Wand des Arbeitszimmers aus, das Villengrundstück eines befreundeten Jägers oben im Hardtwald beobachtte, dem, der ihn einst erlegte.  ‘Jan’ erinnerte mich während der Fahrt nach Frankfurt zu einem Flohmarkthändler, einen Moment lang an den ehelichen Beifahrer einer Nachbarin und Milliardärin, auch oben vom Berg, ich nenne sie mal “Susanne”, der anders wie ‘Jan’, mit komplettem Körperunterbau damit Probleme haben dürfte, in einen der Minis mit niedriger Einstiegshöhe aus weiss-blauer, bayerischer Produktion einzusteigen, an denen sein Rehlein Susanne die Aktienmehrheit besitzt.

“…So wie Still Life von Melissa Milgrom, eine ganz wunderbare und spannende Reise in die Welt der Tierpräparation…” denn ein guter Präparator läßt sein Tier weiterleben, auferstehen und einen realistischen Eindruck von Natur vermitteln. So auch der Anspruch der Überväter der Taxidermie, die handwerkliche Grundlagen bildeten für jüngste Arbeiten…”

Zu ”Jan’, der wie ich hörte, seit gestern Mittag von der Wand einer kleinen Frankfurter Werbeagentur aus, in einen Museumspark blickt, fiel mir der Beitrag von Kid ein, einem meiner gerngelesensten  Blogschreiber.

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07.09.2012; Kleine Kulturgeschichte der Knöpfe

Die deutsche Journaille räsoniert im Stundentakt über die EU-Wege des Bundesverfassungsgerichts und Katastophenszenarien, wie einst Hiob über die Pläne Gottes und ich frage mich heute, wie lange noch bleibt der Umstand, dass der Italiener das deutsche Tafelsilber längst geklaut hat unentdeckt und die  ungeheuerliche Behauptung, die Dreißig- bis Vierzigjährigen brauchen garnicht mehr mit einer Rente oberhalb der Amutsgrenze zu rechnen, ja man müsse mit 70 Dazuverdienen und in den Bürotürmen der Deutschen Bank putzen, von der Junkerin aus dem Osten, die uns 2008 versprach, “eure Spargroschen sind sicher”, unwidersprochen?

Währenddessen wird der Wärmetauscher und die überholte Benzinpumpe  unserer  Pagode werden wohl erst nächste Woche eingebaut sein und deshalb war ich heute wieder bei den Zuverdienern auf dem Flohmarkt um die Ecke, im Frischezentrum, früher einmal Großmarkthalle genannt, um mich dort nach einem  geeigneten Geschenk für einen guten alten Freund aus Studienzeiten  umzuschauen.

Im Westviertel meiner Heimatstadt kannte man dergleichen Luxus nicht, wie diesen Satz fast 80 Jahre alter, vergoldeter, englischer Sakko – Knöpfe, fast noch brand-new, geschaffen von der London Badge & Button Company, Queensstreet, London, damals für schlausparsame Reiche, zum einfachen Abnehmen und Weiterverwenden hergestellt, wenn edle, handgenähte Sakkos aus der Bondstreet, aus feinstem Kaschmir oder federleichter Cool-Wool, nach 25 Jahren des Tragens etwas dünn an den Ärmeln wurden.

Bei meinen hart arbeitenden Eltern und deren Eltern, setzte die Verbürgerung schon zu einer Zeit lange vor Entstehung dieser Sakko – Knöpfe ein, was heute beim Sohn aus gutem Hause die irrwitzige Folge hatte, dass die Nachfahren der Reichen, die sich solchen Luxus damals schon leisteten und  auf diese Stücke gekommen waren, es heute unter einem Haufen Hip-Ramsch, 2 – 3 Jahre alten Apfeltelefonen die keiner mehr will, Blue-Ray-DVD’s und Sperrmüll aus der Garage, zum Preis einer Tageszeitung an mich verkauften. Weil die Knöpfe alt sind, und weil die jungen Reichen weder den Wert der nicht nur dünn vergoldeten, sondern goldplaquierten  Knöpfe, noch ihre Geschichte der eigenen, schlausparsamen, reichen Eltern kennen. Das war heute so ein zweiminütiger Glücksmoment, wo ich mir das Herunterfeilschen  schenkte.

Die beiden Verkäufer sind jetzt bestimmt zufrieden, lachen vermutlich diebisch über den Deppen, der ihre Knöpfe zum Preis einer Tageszeitung gekauft hat und haben jetzt ein paar Euro für die Anzahlung für das neue Apfel-Hip-Telefon  G5. Und genau so wenig Zukunft.

Wenn ich mal so alt bin wie mein Freund, möchte ich auch solche Knöpfe mit Geschichte von guten Freunden geschenkt bekommen (zur Not tun’s natürlich auch ein paar von Meister Exceptio aus Portugal handgefertigte, silberne  Manschettenknöpfe) und einfach nur zufrieden und unabhängig im Leben sein, wenn ich wie mein Freund,  meine Kaschmir – Sakkos aus besseren 80 – Kilo – Tagen zu Jeans und ewig haltenden Alden Pferdelederschuhen trage, und ich mit meiner Copilotin ja nicht unbedingt wie er, in einen knallgelben, italienischen Roadster der 70er Jahre, mit Pferdeemblem, einsteigen muss  (vielleicht erlaubt er mir ja einmal endlich, ein paar Fotos zu machen und zu zeigen). Wenn ich diese Haarnadelkurve schaffen sollte, wäre schon vieles  erreicht.

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Steinzeitjäger, grüne Beutestücke und englische Ersatzteillisten

Dieses Foto eines Pfaffenhofener Flohmarkthändlers mit seinem schönen End-50er Jahre Ponton – Coupé, der sich wohl sein bescheidenes, bürgerliches Dasein mit dem Verkauf von Silberwaren aufbessert, habe ich bei Don Alphonso geklaut, dem FAZ – Blogschreiber und gnadenlosen  Steinzeitjäger im Spätkapitalismus auf Pfaffenhofener Flohmärkten, von dem Thomas Thiel 2008 in der FAZ schrieb,

“…Don Alphonso hasst diese Gesellschaft, an deren Rand er steht und die es, so glaubt man, heutzutage doch eigentlich gar nicht mehr gebe. Hat Don Alphonso sie am Ende herbeifiktionalisiert, um seinen Fluchtimpuls ins Virtuelle zu verstärken? Nein, das war nicht nötig, diese Gesellschaftsform gibt es noch. „Das ist Buddenbrooks auf niedrigem bayerischen Niveau””

Dieses Foto vom Frankfurter Flohmarkt, von einer ebensolchen Steinzeitjägerin im Spätkapitalismus und von ihrer Beute aus grünem Blech, mit dem sie ihre  Sippe vor dem Verhungern rettet, habe ich gestern gemacht… andere von gestern gibt’s hier.

Dieses Foto zeigt die ebefalls aus grünem Blech bestehende, gestrige Beute eines Bad Homburger Steinzeitjägers auf selbigem Flohmarkt. Eine dort in einer von vielen Bananenkisten eines Entrümlers entdeckte, mit desinteressiertem Blick des eilig Vorbeigehenden geringschätzig begutachtete und dann statt zum angesagtn Preis, zum Preis von 2 Stück Torte erbeutete, und sodann am gestrigen Abend bereits von einer dicken Dreckschicht befreite, Coleman 220K, Leuchtmittel Benzin.

Ein Oldtimer, fast wie die Autos aus den 30er Jahren, die teilweise noch keine Benzinpumpen hatten und wo man erst pumpen musste, um einen Unterdruck  zwischen Vergaser und Tank aufzubauen, geschaffen für Puristen wie mich. Wenn ich dann in einer im Internet gefundenen Beschreibung lese, leider in Englisch (was bei meinem verlorengegangenen technischen Englisch ein Problem darstellt), u. a. über “Schnellstartfunktionen und Beseitigung von Problemen im Saugrohr”, verstehe ich plötzlich, warum diese Lampen genau so wie alte Autos, bei einigen zur Sucht geworden sind.

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Mittwoch, 18.07.2012; Flohmarkt Content

Abgeschickt: 1934, Empfänger: Bad Homburger Suppenküche

Wenn ich lese, wie uns dieses von Bankern geschmierte Reichshauptstadtslum – Pack anlügt, brauche ich wie gestern Abend Ablenkung, blättere in dicken Kunstbüchern, lese und arbeite.

Reingearbeitetes, hier

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Flohmarkt und kleines Frühlingsglück

Am Samstag, auf dem Rückweg vom Städel Museum, am Sachsenhäuser Flohmarkt vorbei, sprach ich mit meinem Freund aus dem Badischen über meine Sammelleidenschaft für Automobilia.

“Auf einem Flohmarkt war ich schon bestimmt 15 Jahre nicht mehr”, sagte er, also suchten wir bei einem Händler aus Emden, der die belgischen Flohmärkte abgrast, und bei dem ich schon öfters fündig wurde, irgendwo hinter einem Stapel alter Jerry Cotton Heftchen, nach Automobilprospekten, von Autos aus den 50er Jahren, die sich damals nur die wenigstens leisten konnten, von ihrem automobilbegeisterten Sammler damals hundertmal verschlungen, danach 60 Jahre trocken verpackt im Keller gelegen und heute verstaubt… aber wir wollen ja nicht übertrieben anspruchsvoll sein, und werden  ja auch nicht grade beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este zur Schau gestellt.

Wir sahen es beide gleichzeitig, griffen beide nach dem selben, ganz seltenen  Prospekt von Pinninfarina, eines von der reich bebilderten Sorte, für die Sammler bei Automobilia – Auktionen inzwischen hunderte Euro bieten, dann überließ ich meinem Freund das schöne, nicht unbedingt billige Stück und er bat mich, ein Essen beim Griechen zu bezahlen, als Schmerzensgeld.

Frankfurt kann so richtig schön und die Welt manchmal so einfach sein.

P.S. Gestern habe ich noch mal so einige Flohmarkt – Fotos hochgeholt.

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Aufbäumen besserer Kreise gegen Benzinpreise mit knallroten Stilettos

In immer schnellerer Folge finden ganz in meiner Nähe Klassentreffen der schlausparsamen Leute aus den besseren Westvierteln statt, an der Resterampe des Yuppietums, wie vor 14 Tagen mit Audi Q7, eine Art Aufbäumen freier Fahrt für freie Bürger fordernder iPhone – Linken, zur krampfhaften Aufrechterhaltung bestimmter subkultureller Lebensweisen.

Heute mal zur Abwechslung mit Porsche Cayman, wer weiß, vielleicht ja mit  schneller als die Räder laufenden Leasingraten und Tanken auch nur noch für 10 Euro, heute auf dem Flohmarkt in Frankfurt am Martinszehnten. Ich habe zu Klassentreffen dieser Art, mit knallroten Stilettos von Pradavouitton und Problem – Luxus schlechthin, natürlich die gleiche Meinung wie früher.

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