27.12.2010: Josef Ganz entspannt

Zu blöd Freunde, die Schachtel Niederegger Marzipan-Pralinen ist leer und ich bin nur bis Seite 96 gekommen. Blöd an dem Marzipan ist eigentlich nur sein Suchtfaktor. Keine 3 Stunden hat die 100 g – Packung gehalten, das ist ein bißchen wenig. Und eigentlich hielt mich gestern Abend nur das Resultat eines Bluttests (das aber gründlich) davon ab, das wunderbare Buch über einen der wohl genialsten deutchen Automobilkonstrukteure, Josef Ganz,  zur Seite zu legen, mich in die Küche zu begeben und aus der momentan riesigen Auswahl gutgemeinter süßer Weihnachtsgeschenke Nachschub zu besorgen.

Ich kann die Niederegger Marzipan Pralinen zwar rundherum empfehlen, aber dann erst das Buch: “Die wahre Geschichte des VW-Käfers: Wie die Nazis Josef Ganz die VW – Patente stahlen” von Paul Schilperoord. Sagt hinterher nicht, ich hätte Euch nicht vor eventuell daraus resultierenden Suchterscheinungen gewarnt.

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Update 28.12.2010: In dem “Maikäfer” von Josef Ganz hatte ich schon mal Probegesessen. Das meine obige “Marzipan”-Geschichte angesichts erkennbarer meinerseitiger Probleme damit, mich hinter das Lenkrad zu platzieren, im ZUsammenhang mit diesen echten Kleinwagen wohl etwas deplaziert ist, ist mir jetzt klar… siehe die kleine Galerie  :-)

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Presso Presso Unbürgerlichkeit

” … Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen… ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.” [Filippo Tomaso Marinetti, 1909]

 

Als meine Begeisterung für altes, rollendes Blech stärker wurde, habe ich früher so  einiges über die Moderne und bei den italienischen Futuristen wie Marinetti und Anderen rumgelesen. Bei dem, was da einige Jahre später bei uns mit Rudolf Caracciola, Bernd Rosemeier und anderen Automobilgeschichte geschrieben habenden Deutschen noch so nachkam, musste ich nichts erst groß nachlesen.

 

 

Gerade in Sachen Moderne, Technikbegeisterung und die Frage, inwiefern diese Technik das Alte hinwegfegt. Die Ergebnisse dieses Diskurses sind Geschichtskennern weitgehend bekannt: Der Duce und seine Faschisten marschierten einige Jahre später mit dieser Ideologie der Moderne in Italien durch, so wie später in den 30er Jahren die Nationalsozialisten in Deutschland. Der Duce wie der arbeitslose Kunstmaler aus Linz schmissen sich an die alten Eliten ran, und machten mit ihnen gemeinsame Sache.

 

Die bürgerliche Bildungselite nicht ausgenommen, war ebenso von der Moderne infiziert. Ein Bauhausdirektor Walter Gropius gestaltete noch 1930 für Adler Karosserien, entwarf ein Adler-Emblem mit den ausgebreiteten Schwingen, später zierte es nicht mehr nur die Kühlerhauben von Adler-Autos. Gropius emigrierte später rechtzeitig, andere wie Marinetti noch vor dem ersten Weltkrieg, später Nuvolari, Caracciola und Rosemeyer passten sich zähneknirschend und reichlich opportunistisch an. Mit “500.000 Reichsmark” kurbelte die Wirtschaft den Rennbetrieb der damals international bedeutungs-losen Automobilindustrie an, als Gegenleistung lieferte man sich Rennschlachten und dem Diktator Siege, man entwarf etwas andere Fassaden, baute gute Flugzeuge,  Panzer und Autos, und man verlor am Ende einen Krieg.

Große Ideale der Moderne, kleine Ergebnisse, und trotzdem habe ich ein gewisses Faible gerade für die italienischen Futuristen wie für die genialen Automobilkonstrukteure und die Rennfahrerlegenden der 30er, 40er und 50er Jahre. Außerdem waren nicht alle Faschisten und Nationalsozialisten.

 

 

Für mich heute, hat die ganze Lächerlichkeit von Politik und Überheblichkeit, von Übermenschentum und Aktivismus, sei es für die zunehmend wieder totalitäre Republik oder die gleichgeschaltete Presse und Medien einen Vorteil: Sie macht Spießigkeit und Korrumpiertheit mit all ihren Macken und fiesen Visagen transparent und manchmal fast schon wieder liebenswert. Auf  jedes Tausend von Deppen solcher eingebildeter Entwicklungen, die bei der gewollten Kulturzertrümmerung und Zerstörung des mittelschichtigen Bürgertums, von Stuttgart21, den Bologna-Verträgen für Turbostudienzeiten, über den Flughafenausbau Frankfurt, Gorleben,  bis hin zu der Entscheidung schrottreife Atommeiler in Betrieb zu halten, hoffentlich bald als Billigdönerfresser vierhartzen, kommt zum Glück am Ende höchstens einer, der seine Korrumpierbarkeit und Verlogenheit zum Beruf macht und als Lobbyist russischer Gasversorger von Dauerprostitution mit rülpsenden Politschwachmaten so lala leben kann.

Bereits die ganze Inszenierung um die Bundespräsi-Wahl war das beste Beispiel für eine antibürgerliche Ideologie, die sich an die Macht putscht und wie in der Geschichte all zu oft, dann meistens wieder verspisst. Aber das ist seit dieser Woche getoppt:

Beim Spon war ein bekennender kranker ScheissBeitrag über den Umweltausschuss zu lesen, wie das neue Atomgesetz zur Verlängerung der Laufzeiten, von den schwatzgelben DreckspatzenSpitzen des politischen Berliner Billigdönerprekariats diese Woche durch den Bundestag gepeitscht werden soll:

Auf dem Niveau eines 30er-Jahre Demokratietotalitarismus, der die geschmierten Ausarbeiter seiner Ideologie mit multimilliardenschweren Bankenrettungspaketen und die Atom-Lobby mal eben mit 100 Milliarden mästet und frei von unerwünschter Verantwortung stellt, und alle anderen  entrechtet und für die Finanzierung des Elitessen – Faulschweintums  enteignet, wenn sie nicht in die schwatz-gelbe Ideologie passen, und damit die Ideologie auch dauernd wirkt, sollte man auch ihnen die Kinder wegnehmen und vom totalitären Westerwelle – Staatsentwurf erziehen lassen und Friedrich Merz’sche Arbeit-macht-frei-Dienste wie vor 75 Jahren wieder einführen.

Ich sage das mal ganz offen heraus, ich bin angewidert von dem Schmieren-theater rund um die kriminellen Bankster,   um die Atomkraft und dem Erfolg der Lobby inklusive ihrer bezahlten Schreiberlinge gegen das gemeinschaftliche Interesse der Bürger. Ich wünsche denen nicht,  dass es ihnen so wiederfährt, wie den Herrenfahrern um etwa 1908 herum, die selbstlenkend die Landschaft durchfuhren, Pferde aufscheuchten und Federvieh und Menschen auseinanderstoben ließen oder sie einfach tot fuhren. Anschließende Unfallflucht war nicht selten.

Der Volkszorn gegen rücksichtlose Auto-Terroristen wuchs damals wie heute und führte dazu, dass wie bei mir um die Ecke, Ernst Ludwig Großherzog von Hessen, bei einer rasanten Fahrt durch Friedberg seiner Durchlaucht ein Stein in die Windschutzscheibe geschmissen wurde. Und nachzulesen ist, dass 1908 in Henningsdorf ein Berliner Juwelierehepaar durch ein heimtückisch über die Straße gespanntes Drahtseil, schwer verunglückte.

Nein, das wünsche ich denen nicht, auch wenn ich wie die meisten die Schnauze voll habe, aber dafür wünsche ich denen ein Leben ohne Freude bis ans Ende ihrer Tage. Und allen, die diese käufliche Bande bestärken und demnächst wieder wählen, möglichst bald eine 5 Meter hohe Lärmschutzwand einer ICE-Trasse in Sichtweite ihres Toscanakaffhauses, oder noch besser, einen schönen, auf viele viele  Jahre sicheren Arbeitsplatz in einer Endlagerstätte, am besten einem Neubau, und  nur 5 Kilometer weg in deren Nachbarschaft.

Genau dort, wo diese ganze Regierung vom Bundesverfasungsgericht auch hingeschickt gehört. Und bitte dickes Metall für die gelben Fässer nehmen.

Update: Ach ja, das musste jetzt raus, nach dem ich den Spon – Artikel gelesen hatte.. Missmut (virtuelle), faule Eier und Tomaten und Argumente werden auch gerne genommen. Und sorry für die Fotos. Ich habe keine von einem 1930er Alfa 1750. Dafür aber eins von einem 1927er Fiat Nuvolari.

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Elektrische Viktoria und der Tod

Klar, dass mich die SIEMENS Pressemitteilungen vor ein paar Monaten  interessierten. Genau so wie der Bericht über die Tüftler (solche Jungs gibt’s wohl bis heute nur in der Wiege des Automobils), die die Elektrische Viktoria nachbauten.

Eine verhängnisvolle Probefahrt, dazu leider ein toter Professor und zwei schwerverletzte Studenten, sind aber hoffentlich nicht das Ende.

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Berlin Retro KdF Wagen

Sony

Der Naziarchitekt Speer hätte sicher seine Freude an dem Lichtdom im Himmel über dem Sony-Center am Potsdamer Platz gehabt, neben dem Regierungsviertel. So muss Berlin zu Zeiten der Aufmärsche ausgesehen haben. Heute Morgen brachte der Gelbe Post. Ich muss wieder nach Berlin, im Kopfkino kreuzt schon wieder die erste Ratte meinen Weg. Ob sie Immobilien-Fonds-Initiator oder Motoreninstandsetzer war, konnte ich nicht fragen, so schnell war sie weg.

Es kommt nicht oft vor, dass ich Samstag Nachmittag am Schreibtisch sitze und für eine terminierte, geschäftliche, ergo bezahlte Reise, absolut keine Lust habe. Schon gar nicht, wenn es die Zeit zuliese, auch hinter ein, zwei Zielpunkte auf meinem Merkzettel einen Haken dahintertzumachen. Davor mache ich jetzt einen Haken an eine andere Stelle auf dem Zettel.

Ich habs endlich mal geschafft, die Bilder des Kdf-Prospekts online zu stellen, und einige Fans des Käfers unter Euch haben ihre Freude. Dafür ist das Motorblöckchen ja da.

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 Auszüge aus dem Kdf – Prospekt

Vielleicht fahre ich ja doch hin und nehme meine Copilotin mal mit. So oder so, Neues im Motorblöckchen gibts erst wieder in der ersten Dezember-Woche.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Der Raub von Mercedes

09.10.22 fotos 003

Es war mal an einem verregneten Donnerstag Nachmittag in Berlin, vor 2 Jahren, so richtig verregnet, wie Donnerstage in Berlin nun mal oft sind. Unser Mandant hatte grade angerufen, er käme wegen ebensolcher Wetterlage und erhöhter Sicherheitskontrollen ein Flugzeug später aus München, ich ärgerte mich, dass mir die latente süddeutsche Terrorgefahrenlage zwei Stunden wertvolle  Restzeit zum Trödeln gekostet hatte.

Ich hatte mir für so was noch eine Adresse aufgeschrieben. Bei 1-2-3-Kauf-Mich hatte jemand mal ein altes, original Mercedes-Plakat angeboten und es nicht verkauft, wir hatten telefoniert und es war eine Wohnungsauflöserin, sie sagte sie hätte noch mehr davon, in einem winzigen Nachlassgeschäft in Schöneberg, 3. Stock, 2mal klingeln.

Ok, meine Stimmung war nicht die Beste, und ich nahm mir vor, dem Mandanten die volle Stundenzahl auf die Rechnung zu schreiben. Ich bin hart im Nehmen, was Katastrophen angeht, aber Berlin, Regen, Warten, das kann auch einem zu Studentenzeiten gelegentlich nächtelang untreue Ehemänner beobachtenden früheren Frankfurter Aushilfs-Privatdedektiv die Laune verderben.

In Schöneberg angekommen, rauschte ich in den Nachlassladen. Das Ganze erwies sich letztlich als Glück, denn hier gabs nichts, den Trödel mit den 5-Euro-Preisen, der die Schnäppchenjäger anlockt, um ihnen dann drinnen mit kunstpatinierten Mingvasen das bayerische Fell über die Münchner Ohren zu ziehen.

Unter dem kleinen, säuberlich zusammengerollten Stapel 20-25 Jahre alter Mercedes-Werbeplakate, von denen ich sicher war, bei einem nach Tortenindex bemessenen Preis auf nicht mehr wie ein Stück pro Plakat verzichten zu müssen, zog ich ein dickes Kuvert hevor. Woaaaa…

“Ach ja, bei dem Nachlass mussten wir die ganze Bude ausräumen… da war auch noch die ganze alte Post dabei… müssen wir mal ausmisten…” den Verlauf der von mir gelangweilt geführten Ankaufgespräche erspare ich. 82 herrliche alte Fotos, keine billigen Nachdrucke wie heute, sondern alles Abzüge von original Negativen, offenbar mal für ein Buchprojekt so um 1960 hergestellt.

Nachdem ich seit gestern Abend auf  heute Morgen von Höchstdosis auf Totalentzug umgestellt bin, und mein Hörsturz immer noch rauscht wie eine offene Seitenscheibe, hatte ich eine schlechte Nacht und als TV-Verweigerer mir gedacht, machst mal einen Blog aus den Bildchen. Ist ja auch für mich einfacher, wie immer in tausenden Dateien rumzukramen.

Hier sind mal ein paar davon (mit den front- und rückseitigen Bilderklärungen)…

alle Fotos zum Vergrößern draufklicken:

Mercedes-Benz Rennwagen beim “Grossen Preis von Tripolis 1938″; Manfred von Brauchitsch (Zweiter hinter Lang) auf Mercedes-Benz auf der Strecke”…

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“Grossen Preis von England” am 16.7.1955 in Aintree. Der Sieger Stirling Moss mit Mercedes Benz Formel-Rennwagen im Rennen”…

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“Mercedes-Benz Sieg in der “Coppola Acerbo 1938″ in Pescara (14.8.1938). Beim Start setzen sich sofort die Mercedes-Benz Fahrer an die Spitze des Feldes. Sieger: Rudolf Caracciola”…

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“Grosser Preis von Europa am 1.8.1954 auf dem Nürnburgring. Überlegen führt Juan Manuel Fangio (Wagen Nr. 18) seinen Mercedes-Benz-Rennwagen zum Sieg.”…

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“Dreifacher Mercedes-Benz-Sieg im “Grosser Preis von Frankreich 1938: Mafred von Brauchitsch, gefolgt von Caracciola und Lang, geht durchs Ziel.”…

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“R. Caracciola auf Mercedes-Benz “SSK” siegt im “Grossen Preis von Deutschland” 1931.”…

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“Beim Grosser Preis von Europa in Monza (9.9.1923) über 800 km zeichneten sich die teilnehmenden Benz 2 Ltr.-Rennwagen (Heckmotor, Tropfenform) mit Minola (4.), Hörner (5.) und Walb aus.”…

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“Grosser Preis von Italien in Monza am 5.9.1954. Sieger Juan Manuel Fangio, 4. Hans Herrmann”….

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Reifenwechsel an den Boxen (Targa Florio 1955). Die Monteurgruppe hat sich auf den 300 SLR-Rennsportwagen von Stirling Moss gestürzt, der das Rennen später mit leicht lädiertem Wagen gewann.” – Am linken Bildrand ist der MB Rennleiter Alfred Neubauer zu sehen…

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“Grosser Preis von Argentinien am 16.1.1955. Der Sieger J.M. Fangio wird jubelnd empfangen.”…

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“Mercedes Benz Rekordwagen 1939: 3 Liter 12-Zylinder-Kompressionsmotor im Grand-Prix-Fahrgestell 1938 mit Spezial-Karosserie. Caracciola erzielte mit ihm am 9.2.1939 bei Dessau folgende int. Rekorde (Klasse D) stehender Kilometer 175,695 km/h, stehende Meile 204,57 km/h”…

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“Grosser Preis von Holland” am 19.6.1955. Sieger wurde Juan Manuel Fangio (Wagen No. 8), 2. Stirling Moss (Wagen No. 10.)”…

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“Dreifacher Mercedes-Benz-Sieg im “Grossen Preis von Deutschland” für Sportwagen auf dem Nürburgring 1928. Siegerwagen mit Werner am Steuer geht durchs Ziel”…

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“Fahrgestell des Mercedes-Benz Typ “SS”, der mit den Typen “S” und “SSK” von 1927 bis 1933 Träger einzigartiger Erfolge wurde”…

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“Hermann Lang auf Mercedes Benz siegte im Internationalen Avus-Rennen 1937 (30.5.1937). Im ersten Versuch siegte Caracciola, im zweiten Vorlauf siegte Manfred von Brauchitsch; sämtlich auf Mercedes Benz”…

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“”Mercedes Benz Rekordwagen 1939: 3 Liter 12-Zylinder-Kompressionsmotor im Grand-Prix-Fahrgestell 1938 mit Spezial-Karosserie – auf der IAA 1939″…

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Und zu ihr brauch ich Euch ja wohl nichts drunterzuschreiben…

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Zum Glück hatte der alte Jellinek damals seine Tochter nicht Clothilde getauft und diesen Namen für die neue Daimler-Benz auserkoren. Der Raub von Clothilde, wäre echt ein schräger Titel geworden.

Viel Spass

Nachtrag: Dieser Blog entstand schon kurz nach der Rückkehr vor 2 Jahren in meinem Kopf. Ich hatte in dem Nachlassstapel auch noch eine fast komplette Clubmitglieder-Kartei des Pagoden-Regional-Clubs gefunden, mit allen persönlichen Daten der Mitglieder, Namen, Adressen, Auto, Typ, Baujahr etc., Bankverbindungenm, Einzugsermächtigungen für Clubbeiträge… und ich hatte dieses Konvolut persönlichster Daten ob meines nicht guten Verhältnisses zu dem damaligen Clubvorstand, für den Preis von ein paar Stück guter Torte gekauft und mit 6,90 EUR Porto versehen, nach Stuttgart geschickt. Reaktion = Null. Schwachmaten darf  ich aufgrund einer unterschrieben Unterlassungserklärung nicht sagen, aber Pagoden Schafseggel eben, wie sich damit in Nachhinein herausgestellt hatte.

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Kantgaragen Berlin…

…die Mutter des Parkhaus Hauptwache.

“Der Motor hat von den Städten wahrhaft Besitz ergriffen und das Gesicht der Stadt tief verwandelt”, schrieb 1956 ein Journalist voller Enthusiasmus über Frankfurts erstes Parkhaus. Und der Kulturphilosoph Bazon Brock bezeichnete  das Automobil einmal als “beseelte Materie”. Einleuchtend also, dass ein derart geadeltes Produkt nicht ungeschützt unter freiem Himmel parken sollte.

Der Anspruch auf einen sicheren Platz für den Kraftwagen, vor 80 Jahren ein Statussymbol der besseren bürgerlichen Gesellschaft und der Herrenfahrer, leuchtet im Wort Garage auf, das sich vom französischen “garer” (“schützen”) ableitet. Mal einen Abend gegooglet und ich staunte. Der Einfachheit halber hier mal der “geklaute” Text aus der FAZ Sonntagszeitung vom 01.04.2008 zusammengefasst: 

“Vor 103 Jahren bereits wurden die ersten Großgaragen am Piccadilly Circus (London) und in der Rue Ponthieu (Paris) eröffnet (wenn jemand ähnliche Gebäude in den USA kennt, wäre es prima, dies hier kommentierend reinzuschreiben). Die ersten Großgaragen dienten vor allem als repräsentative Dauerstellplätze von Stadtbürgern und wurden mit Aufzügen erschlossen.

Das gilt für die Vorreiter in Paris und London, aber auch für die Großgarage zur Goldenen Laute in Leipzig (1927), einem ehemaligen Fuhrmannsgasthof, die  Großgarage Süd in Halle, die Kent-Garage in New York mit 24 Geschossen (1928) und den Ersten Wiener Autolift (1958)”.

Die ersten Großgaragen ohne Aufzüge, in denen die Fahrzeuge mit eigener Kraft über Rampen in die Etagen gelangten, entsprachen noch dem Typus des repräsentativen Parkhauses. Ein bekanntes Beispiel ist der 1930 eröffnete Kant-Garagenpalast in Berlin mit gegenläufigen Spiralrampen für Auf- und Abfahrten. Die von Hermann Zweigenthal und Richard Paulick geplanten Kant-Garagen waren das erste Parkhaus der deutschen Hauptstadt und boten 300 Stellplätze auf sieben Geschossen. Heute wird das denkmalgeschützte Ensemble mit Tankstelle und Werkstätten für das Anwohnerparken genutzt.

An der Formensprache und Gebäudearchitektur des Kant-Garagenpalastes orientierten sich 20 Jahre später bis heute die Architekten der ersten bundesdeutschen Parkhäuser. Vorreiter war die 1950 eröffnete Haniel-Garage in Düsseldorf. Architekt Paul Schneider-Esleben schuf eine rundum verglaste, vierstöckige Vitrine für das Automobil mit 700 Stellplätzen. Selbst der Akt des Ein- und Ausfahrens geriet auf den außen an die Fassade gehängten Rampen zur Inszenierung”.

Das Parkhaus Hauptwache eine Kopie der Kantgaragen? Klar, dass nachdem unser Auftraggeber quasi um die Ecke sein Büro hat, ich Nachmittags noch einmal einen Abstecher in die Kantgaragen machte.

In den Räumen mit den kleinen Fenstern waren früher Waschhallen untergebracht, wo die Chauffeure ihre Autos selbst im Winter mit warmem Wasser waschen konnten, oder Autowerkstätten wo Reparaturen durchgeführt wurden…

die schweren, grauen Schiebetore laufen kugelgelagert in Bodenschienen, einwandfrei bis heute…

Ich mache ja seit Jahren kleinere Foto-Essays über alte Autos, morbide, schöne alte Häuser und Industrieruinen. Das eine oder andere stelle ich jetzt mal hier ein. Vielleicht interessiert sich ja jemand dafür. Wer mal etwas in die kulturhistorische Erforschung reinlesen will, findet hier einiges in dem Buch von Jürgen Hasse.

Interssante Links zum Thema:

The Parking Facility

Capital Garage Washington

Galerie – Kant Garagen – Jüdische Architekten

 

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