Es muss nicht immer Schloss Dyck sein

Ein sonniger Sonntag im Herbst: Sponsoren-, VIP – Zelte- und B – Promis – frei, und ohne neue A – Klasse. 

In der Central Garage. So wie früher. Ist jemand überrascht, wenn ich sage, bei 1,76 pro Liter war hier heute mehr los, als auf der Bad Homburg Historic?

Hier könnt Ihr Euch die Fotos anschauen 

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Monolog

Zurückhaltung ist ja nicht so mein Ding.

Andere sehen das anders; ich meine jetzt nicht die ärmlichen, kleinen Pisser, motoreninstandsetzenden Nichtskönner und feigen Wernigeroder Denunzianten  da draussen im Internethochstaplerorcus, sondern den alten Freund, René Bennemann, den ich seit 1971 kannte:

Bis vor drei Jahren hatte er noch dieses kleine, feine und weithin bekannte Uhrengeschäft am Rossmarkt, Chronometrie, und er hatte in den über 20 Jahren dort, mit dem An- und Verkauf seltener, gebrauchter und alter Uhren mehr als genug Geld gemacht, bestimmt reichlich. Er machte seinen kleinen Laden, den er zuletzt noch in Sachenhauen hatte, nur noch auf, wenn er Lust hatte, er fuhr mit seinem fast 30 Jahre alten SL umher, besuchte alte Freunde, saß auch mal Nachmittags im Gemalten Haus oder im Wirtshaus in der Fressgasse, plauderte mit Freunden und Bekannten,  und wenn ihn jemand für dieses Bohéme  beneidete, sagte er, er würde gerne tauschen, denn er wisse, dass er nach einem Infarkt, einem Schlaganfall, nach dem er zeitweise blind war und einer schweren Lungenoperation, alles innerhalb der letzten zwei Jahre, nicht mehr alt werden würde. Er war gerade mal 2 Jahre älter als ich, als er vor zwei Wochen und einige Wochen nach dem 64. Geburtstag zurückgezogen und so leise wie er gelebt hatte, in einem Hospitz starb.

Ich gebe zu, seit dem bin ich etwas durcheinander. Da gehen einem so wie heute bei der Fahrt durch den herbstlichen Taunus, dann momentan schon gewisse Gedanken durch den Kopf. Zwei Jahre sind nicht viel.

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Déjà vu mit Porsche 911 in Schottland

Als Sonntag – Morgen Blogstreuner meinte ich aus einem Bauchgefühl heraus, mal unbedingt wieder in den Teil der Maschine reinschauen zu müssen.

Und siehe da, ein knallrotes Déja vu am Bildschirm, was mich freut, aber auch  etwas melancholisch stimmt: 

Ein Porsche 911 in Schottland. A. Fulland hat seine Tour in mehrere echt gut geschriebene  Blogbeiträge aufgeteilt, wo man bei seinen Reiseerlebnissen schon echt das Gefühl hat, diese Tour vom Beifahrersitz aus selbst noch einmal nachzuerleben.  Must See… 

Etwas melancholisch, weil je länger ich dort lese und die Fotoas anschauend verweile und sehe, wie sich die Erlebnisse gleichen und die Zeit vorbeigerast ist, um so mehr weiß ich, wo ich auch und zusammen mit der besten Copilotin der Welt,  wenigstens einmal wieder über schmale, enge Landstrassen flitzen möchte: “Pagode goes Schottland”

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Bei Dieter Dressel, Central Garage, 07. Oktober

Nein, ich will hier keineswegs ironisieren. Es gibt hier eine Vielzahl netter, kultivierter Menschen mit einer Neigung zu altem, rostigem, und genau so wie nach meinem Gusto etws zu concourmäßig aufgemöbeltem Blech, egal ob auf 4 oder auf 2 Rädern, und dem Wunsch, sich gelegentlich hier zu treffen und angenehm zu plaudern.  Es ist ja schliesslich nicht meine Schuld,  dass andere Leute mit  geistiger Reife sich mit ihren Oldtimern ziemlich  sprachlos, lieber bei der Breit-Tief-Stark-Messe auf die Automechanika  in Frankfurt hinstellen.

Also, nicht vergessen: Saisonabschlusstreffen in Bad Homburg, bei Dieter Dressel in der Central Garage, bei dem immer gutgelaunten Herrn mit der Brille.

Es war früher auch schon immer recht nett dort.

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Grand Premiero Nuvolari die “Glücklichen”

“Für die Arbeit ist der Gran Premio Nuvolari übrigens sehr viel angenehmer als die Mille Miglia: Alles findet in Mantua an zwei Orten statt, es sind wenig Menschen da und auch fast überhaupt keine Schwaben, und die Piazza Sordello ist ein schönes Motiv…”

Grand Premiero Nuvolari “schwabenfrei” umschrieb DonAlphonso ganz in meinem Sinne seine Eindrücke vom Start in Mantua. Bis auf den Umstand, dass hier so gut wie keine alten Radkappensterne mitfuhren, kann man den angenehmeren Umstand, dass hier keine Banner und VIP-Zelte mit Sternen und rundum aufgestellte, rundgelutschte Neumodelle die Piazza’s von Mantua und Sienna verschandelten, “schwabenfrei”, so und andersrum verstehen.

Im Kampf gegen die Steuerhinterzieher wählen italienische Steuerfahnder immer drastischere Methoden. Nun haben sie in einer konzertierten Aktion Kunstgalerien und Auktionshäuser überprüft – mit erstaunlichen Ergebnissen.

“Auch die Fahrer von Luxusautos und Yachten müssen immer öfter damit rechnen, von den Steuerfahndern angehalten zu werden… in den vergangenen Monaten haben aus diesem Grund schon Hunderte Porsche-Fahrer ihre Wagen ins Ausland verkauft”

Lustige Zeiten. Einige Teilnehmer von früher, insbesondere mit alten, edlen Gefährten aus früherer, deutscher Produktion, u. a. auch bei deutschen Händlern von schwäbisch Geflügeltem gekauft, haben bei diesem Klassiker  zweifelsfrei gefehlt. Dafür dürften diejenigen italienischen Teilnehmer, die diesen Herbstklassker mitfuhren ein reines Gewissen gehabt und für den Fall der Fälle, die Kaufunterlagen nebst Steuererklärungen griffbereit neben dem Roadbook mitgeführt haben, weil man sonst an einer Strassenkontrolle grade jene Fragen nicht beantworten kann, die einem Zeit kosten und an der Zielankunft schnell dem Verdacht aussetzen, auf einer schweizer CD  namentlich aufgeführt zu sein.

Fotogalerien von den Glücklichen gibt’s hier

Wäre ich eiskalt und hätte genügend Geld, würde ich jetzt einen Geschäftsmann anrufen (Lebensmittelgroßhandel im großen Stil in Deutschland und Hauptwohnsitz in Italien), dessen Oldtimerfuhrpark sicherungshalber bei einem Abschleppunternehmen  in unseren Gefilden verwahrt wird, und wie man hört, bis zur Begleichung von 6-stelligen Steuerschulden in Italien oder halt zum Rücktransport nach Bella Italia (fragt mich jetzt bitte nicht, wo, und woher ich das alles weiss).

 

Verwandte Themen hier und  hier

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Großklockner Bergrennen Anregung zum Nachdenken

Targa Florio, Mille Miglia, Großklockner Rennen. Ich weiß nicht wie es Euch geht. Wenn bei mir die News-Letter mit den neuesten Nachrichten über die  letzten echten Klassiker und Relikte aus der Zeit der Automobilisierung auf den Tisch flattern (natürlich in der E-Mail-Box), auch wenn sie heute nicht mehr “Rennen” sonern Grand Prix heißen, dann möchte ich zunächst einmal nicht gestört werden.

Solche Gedanken, da bin ich sicher, plagen die Besucher eines Goodwood Revival  nicht – sie wissen, wofür sie für ein Wochenende einen vierstelligen Betrag hingeblättert haben: für eine kurzweilige Oldtimer – Kirmes – Veranstaltung mit alten, schönen Autos und nicht mehr.

Ihnen entgeht allerdings, was ich als einen der wesentlichsten Reize unseres Hobbys empfinde: die Suche nach Geschichte, Authentizität, die Freude, wenn man heute noch etwas darüber findet und die Möglichkeit hat, solche noch weitgehend original gebliebenen Veranstaltungen live erleben zu können.

 

Meine mit diesem Ausschnitt aus der Geschichte des Großklockner Rennens, aus einem der besten Bücher über deutsche Automobilgeschichte  “Motorisierung und Volksgemeinschaft”, nur gutgemeinte  Aufklugung eines  wie gewohnt perfekten  Beitrags von Bruno von Rotz über den Großklockner Grand Prix 2012, möge man mir deshalb nachsehen.

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