Samstagspaziergang

14.08.20 Auto - Katalog - Einstellung nach 57 Jahren

“Er war ein Klassiker des Kfz-Print-Segments und ein beliebtes Sammlerobjekt: der jährliche Auto Katalog aus der Motor Presse Stuttgart. “War”, weil er mit sofortiger Wirkung nicht mehr erscheint. Der Verlag stellt den Katalog ein, die nächste Ausgabe für das Modelljahr 2015, die im September auf den Markt kommen sollte, erscheint schon nicht mehr…”

Ich habe sie bis Ende der 60er Jahre bis auf zwei Exemplare fast alle. Manche Vorgänge sind so treffend, man könnte sie gar nicht besser erfinden; noch 1999 verkaufte sich die Auto Motor und Sport monatlich rund 510.000 mal  Seit dem ich hier was über die Autokrise bei Auto Motor und Sport schrub, ging’s dort um weitere 15.000 Exemplare weniger am Kiosk verkaufter Heftchen, auf jetzt weniger als 240.000 Exemplare monatlich, weiter steil bergab.

Ist ja auch kein Wunder. Vielleicht mal wieder echten unabhängigen Journalismus bieten, statt Werbeblatt der Autoindustrie… mein Mitleid hält sich in Grenzen. Dafür habe ich selten etwas so kreuzdämlich auf der Schnauze landen sehen, wie den Rohrkrepierer dieses Leistungsschutzrechts von Verlegern, die auf lau Google abkassieren wollen. Nachdem er die deutschen Verleger mit ihrem Leistungsschutzrecht schon zu Deppen der Nation gemacht hat, bittet C. Keese von VG – Media jetzt auf dem Rücken liegend und Hals nach oben, Google um ein “5 – jähriges Sabbatical”

Bis heute habe ich nicht verstanden, wie jemand überhaupt auf die abwegige Idee kommen konnte, dass Werbung zukünftig gefälligst vom Werbemedium bezahlt werden soll. Ich löhne ja auch nichts an Daimler, wenn bei mir hier ein 5-seitiger Werbeartikel der Untertürkheimer PR-Abteilung erscheinen würde … und dass dieser Google-Konzern soooo böööse und mächtig sei, das mag ja stimmen, aber es ist trotzdem kein Argument, dass Taschendiebe ihn abgreifen.

Also, großzügigerweise und durch “widerrufliche Gratiseinwilligung, dürft Ihr meinen Bad Homburger Content von heute Nachmittag, über meinen auf dem Weg zum Konditor gemachten Umweg in die Central Garage und ein paar schöne Aston Martin’s, hier angucken. Aber nur gerührt und nicht geschüttelt, und nur 1mal, sonst Anwalt.

.

2 CV ‘Enten’ Selbstrecycling

14.05.14 HG-Street 029

Heute Morgen beim selbstverordneten, fußläufigen Sauerstofftanken auf dem ehemaligen Betriebsgelände einer alten, leerstehenden Fabrik noch schnell geknipst, bevor, wie man hört, demnächst wohl die Abrissbagger kommen und neue Architektenscheusslichkeiten gebaut werden, dort, wo ich vor über 20 Jahren um die Ecke mein Büro hatte…

14.05.14 HG-Street 037-B1

14.05.14 HG-Street 036

14.05.14 HG-Street 033

14.05.14 HG-Street 041

wo versteckt im Hinterhof man viele Jahre lang den segensreichen Einfluss von Wasser und Sauerstoff auf die natürliche Rückverwandlung zweier Citroen ‘Ente’ 2 CV in ihren ursprünglichen Aggregatzustand, in Fe2O, beobachten konnte, Autos, die sich selbst entsorgen und keine Scherereien mit weinerlichen Kulturgutbewahrern und dummschwätzender Zulassungsbehördodiktur mehr machen.

 

P.S. Andere Bad Homburger Rückseiten

.

Neues aus der (Mercedes – Club) Anstalt

13.12.05 MBSchoko

Ralf Weber schrub mir dieser Tage in seinem MBSH-Stammtisch Newletter:

“…Ab sofort sind wir übrigens auch nicht mehr Stammtisch für die Mitglieder des VdH. Offensichtlich möchte dieser Club einen eigenen Stammtisch im Raum Frankfurt eröffnen…”

Tscha, Leute, irgend wie hat mich das gar nicht überrascht, dass die selbsternannten Bewahrer der Mercedes – Reinstlehre in Ornbau, ihn wohl moralisch nicht mehr für geeignet halten, den von ihm seit Jahren mit viel persönlichem Einsatz organisierten VDH – Stammtisch, weiterzuführen.

‘Ralfmercedes’ hat da wohl eppes zu fest am warmen Pelz einiger sich selbst zu wichtig nehmender Herrenfahrer und deren Schofföören gekratzt, als er die sakrosante Frage stellte, ob da, wo Schokolade draufsteht, auch Schokolade drin ist?

.

P.S. Passiert nicht oft, dass ich zweimal zum gleichen Thema was schreibe

 

[Foto]

.

En Volant – la Vie III

Unbenannt - 3

Unser strammdeutsches Handelsblatt streicht mir heute Morgen in typischem Wirtschaftssprech wieder mal das Brötchen…

“Deutschland kann Autos, Amerika kann Internet, Spanien kann Fußball. Und Frankreich? Frankreich kann Luxus. Das Land von Kaiser Napoleon ist zwar keine Weltmacht mehr, doch es beherrscht die Welt von Status und Prestige. Frankreichs Luxuskonzerne kaufen immer mehr Marken auf. Um die letzten freien Marken – vor allem aus Italien – tobt ein wenig feiner Kampf…”  “Das Prinzip Bonaparte” beschreibt ausführlich, wie für Hermès, Dior, Louis Vuitton oder Dom Pérignon eine neue Belle Epoque begonnen hat…”

Unbenannt - 2

Frankreich hat sich in Vielem nicht nur seine Natürlichkeit erhalten, wie “Gerd hier vor drei Jahren in seinem bis heute Monat für Monat einige hundert Male besuchten Gastbeitrag “En volant – la vie” schrub und mit eindrucksvollen Fotos zeigte.

Unbenannt - 4

Die Franzosen können auch viel mehr, bspw. das, worauf mich gestern Abend ein alter Freund hinwies, Begeisterung wecken und was ich nicht erst seit Gabi’s Toure Auto kapiert habe, gigantisch gute Oldtimerveranstaltungen organisieren.

So gemein ist eben nur das Motorblöckchen (O-Ton eines Halbwissenden) – und so fies nur der Medienwandel – und ‘abgehoben’ ist für das, was unsere Qualitätsmedien größtenteils schreiben, gar kein passender Ausdruck mehr. Aber gut, so wie die gegen den Trend der steigenden Anzahl von Oldtimern laufende Oldtimer-Markt, die wohl auch bald das HörZu-Schicksal ereilende Auto Motor und Sport, die Motor – Klassik und Andere, sie fahren dahin.

Unbenannt - 1

Dafür können hier und abseits vom bezahlten Mainstream, nicht nur die Schloss Dyck – Nichthinfahrer eine kleine ästhetische Rundfahrt mit alten Autos durch das schöne Paris machen

.

Alle Ölspuren führen nach Ornbau

Die gute Nachricht zuerst: Nicht alle, deren Wege jedes Jahr ins mittelalterliche Ornbau führen, hatten dort auf den ersten Blick Sinnvolles zu tun.

So wie ich vor 2 Jahren, als ich an Pfingsten in diesen kleinen beschaulichen Ort fuhr, nur, um mich zwischen Autos durchzuschlängeln, die ihr automobiles Endalter schon vor 30, 40 und mehr Jahren erreicht hatten, russpartikel-geschwängerte Abgase zu atmen, in den Strassen des Ortes dem JägerMercedes-Latein der Hardcore-Schrauber zuzuhören und der Kakophonie im Stand aufheulender, alter Motoren am Rande des Kolbenfressers zu lauschen.

Drei Tage lang stehen dort hunderte Automobile im Ort herum, und was bis Ornbau nicht auf der Ladefläche eines Gelben Pick-Up gelandet ist, steht ganz einfach herum oder röchelt seine letzten stinkenden Diesel- und Benzinwolken unter dem Blick der Besucher in den Ornbauer Himmel. Oh, ich höre bereits wieder die Stimme eines verzagten, alten Mannes aus Brandenburg: “Das ist nicht gesund, das ist nicht sinnvoll, das ist eine ziemlich stumpfsinnige Gafferei auf Gegenstände, die niedrige Instinkte ansprechen”. Stimmt vielleicht sogar, und trotzdem ist es mal schön, dort im deutschen Epizentrum des Mercedes-Benz Erdkreises, wo sich der Ausspruch des Futuristen Marinetti von 1909 erfüllt: Ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake. 

Irgendwelche deutschen C – Promis, von kochlöffelschwingenden Fernseh-Köchen bis zu gehälterabsahnenden Automobilmanagern hinter dem Lenkrad, sind in Ornbau unwichtig. Für die  Akteure und Betrachter, die dort hinfahren, geht es nicht um die Gesichter hinter den Lenkrädern, sondern um die Autos aus der Vergangenheit der Traditionsmarke, als noch keine mit Fahrassistenten und die Langweiligkeit des Fahrens vergessen machenden, multimedia-vollgestopften Autos, den Fahrer zum Volldeppen machten, als es noch galt, “nur Mercedes ist ein Mercedes” und der Baum, an dem ich mir die Birne einrennen will, bestimme ich. Gefreut wird sich über alle die dort sind: Die in ihrer Masse fast schon etwas langweiligen Pagoden, Heckflossen und 124er genauso wie über die Nicht-Mercedese wie den Käfer oder Citroen DS und viele andere, die ebenfalls nach Ornbau ins Mekka  Gleichgesinnter fahren.

Die schlechte Nachricht: Ich, der ich dieses Jahr wieder nicht hingefahren bin, und der als ich gestern Abend die Foren – Berichte im Web anschaute, das Gefühl, was ich vor 2 Jahren hatte, jetzt vermisse, ich würde lieber 3 Tage im Jahr die Autos in Ornbau betrachten und den Menschen dort zuhören, als irgendwelche totretaurierten Autos auf einem Jahrmärkten der Eitelkeiten, ob als Gast bei einem Concour d’Eleganza in Como oder einer Mille Miglia. Die  Berichte im Web über diese drei Tage im Mai mit ihren Ölspuren auf den Straßen von Ornbau, erzählen als einfache, unkomplizierte Geschichte  eines der schönsten Treffen Gleichgesinnter, mit den besseren Leuten, den besseren Geschichten, dem besseren Lärm und dem sündigeren Gestank.

Ich war halt wieder nicht dabei. Ach ja, die Fotos sind aus den Foren – Berichten, mehr Fotos sehr Ihr hier und hier.

.

Winding Austin Healey

Die meisten Leute mittleren Alters auf den Bildern in den alten Motor-Magazinen der 60er und 70er Jahre, sind entweder schon ein paar Jahre tot, oder sie marschieren stramm in Richtung Seniorenresidenz, oder sie versilbern jahrlang mühevoll aufgebaute kleinere Oldtimersammlungen und tauschen Autos, wie einen sehenswerten Panhard Z 1 gegen 3 Hektar Nadelgehölz in Brandenburg ein. 

Wenn sie als Ü70, das mit dem, was jahrelange Selbsttäuschung, Möchtegern-revoluzzertum in der Oldtimerszene und 1000-fache längst vergessene, geifernde  Forenschreiberei gegen Alles und Jeden, vom Hirn und Normalempfinden übrig gelassen haben, überhaupt noch mitbekommen, und sie nicht von ihrer rüstigeren PR – Lebenspartnerin, die wahrscheinlich mit gefrustetem Gesicht, am Küchentisch Gegendarstellungen für das Motorsägen – Forum formuliert, oder von an alten Autos desinteressierten Söhnen, auf diese Abstellgleise geschoben werden, während Andere auf dem Weg in die virtuelle Unsterblichkeit sind, für immer umlächelt von den Schöngeistern der Oldtimerei, wie mir.

Gestern Abend, nach einem verdammt harten und dafür recht gut honorierten Samstag-Arbeitstag (Gesellschafterversammlung eines gecloseten, milliarden-schweren Bank – Immobilienfonds, bei dem meine Auftraggeberin und ihre Tochter, einen Großteil ihres einmal geglaubt mündelsicher angelegt zu habenden Familiensilbers verlieren werden), schaute ich mit Genuss die wieder mal besser-geht-nicht-gelungenen Fotos eines virtuell unsterblichen automobil-fotographisch begnadeten Fotographen an, von Reinfried Marras

.