Oldtimer – Restaurierung war gestern

Unbenannt - 1

Wetten, dass… geschäftstüchtige Oldtimer – Händler momentan in Panik ihre verstaubten Anbieterkarteien durchpflügen, auf der Suche nach früher verschmähten vierrädrigen Schrotthaufen und das schon auf den in wenigen Wochen stattfindenden Oldtimer – Messen wie Retro Classics – Stuttgart und Techno Classica – Essen, an jeder zweiten Standecke ein nicht minder schlimm anzusehendes Exemplar zum Verkauf angeboten werden wird?

15.02.07 ArtCuriel Paris Lot 46

Oldtimer – Restaurierung lohnt sich für die Jünger schnellen Geldes nicht mehr. Seit Paris gilt die Devise, mit dem kleinen Finger gehandelt, ist besser, als mit dem ganzen Arm gearbeitet, weil mit rostigen Autowracks, dem Einsatz von ein nur paar Eimern Wasser, lässt sich zum Kilopreis von 2.000 Euro definitiv schneller und viel mehr Geld verdienen…

 

Gerd Martin; Classic Cars Fonds…

15.01.14 FaceBook Classic Car Fonds

Karriere vom Inhaber einer 3.000 Euro – Stammkapital Import – Export – Klitsche in Palma de Mallorca, die hitzegeplagten Mallorquinern Sonderposten Klimaanlagen vertickert, über Möchtegern – Verwaltungsrat einer schweizer AG, zum prekärdilettantischen Pixelschubser als dicke Kohle einsammelnder FaceBook – Oldtimer – Fonds – Anbieter (ohne eigene Webseite).

15.01.14 FaceBook Classic Car Fonds 2

15.01.14 FaceBook Classic Car Fonds 3

Wer nur mal bei GoMoPa reinliest wird nicht glauben, mit welchen Schwachsinnsangeboten die Haifische heute jedes Jahr Milliarden an Never-come-back-Money raisen. Das Höllenfeuer solventer, älterer Herren, die bei dem Spiel “DOX schlägt DAX” die “Blinde Kuh” zu spielen bereit sind, lockt halt.

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Olle Kamellen und Hütchenspieler vom Auktionshaus

14.12.27 Artcurial

Ha ha, ich stelle mir gerade vor, wie der “Automobilexperte Pierre Novikoff” nebst Chefredakteur von Classic Driver, der Noblesse Oblige Lieblingsblättchens der Oldtimerei, so langsam anfangen, Fieberzäpfchen zu lutschen…

Ein paar hellwache französische Blogschreiber und schon entpuppt sich die von Artcurial im Konzert mit der Syndications-Journaille breitgetretene Sensation um den Jahrhundert – Scheunenfund, von vorne bis hinten als Märchen vom Weihnachtsmann, schlecht erzählt von Taschenspielern die den Kniff beherrschen, wie trete ich ein paar solventen Jungs die Türe ein und sehe zu, wie ich ihr Geld… zum ersten… zum zweiten… und zum… blitzschnell in meine Taschen bekomme? …

Grade schrub ich:

“Das entspricht natürlich nicht der durch die mediale Bombardierung mit Rekordwertsteigerungen gehirngewäschten öffentlichen Wahrnehmung, wo es im Grunde genommen nur noch um eines geht, wie grade der angebliche erst vor kurzem entdeckte Sensationsfund einer bis dato gänzlichst unbekannten automobilhistorischen Sammlungen beweist. Kaum entdeckt, heißt es schon: Wie viel Millionen lassen sich höchstmöglich und schnellstens herausschlagen…?”

Wen es interessiert, hinter diesem guten Beitrag der Patinatoren verbergen sich die Finals

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Zettelkasten 25.12.2014; Hübscher Ponzi – Porsche

14.12.25 Schrott-Porsche

Ich nenne es ab jetzt Kreislaufwirtschaft und das neue Madhoff Ponzi – Schema. Vielleicht der nächste Schwindel, der einmal so genannt werden wird und nicht einfach Garagengold oder Classic – Index heisst und völlig legal ist.

Was wollte ich eigentlich?… ach ja, hier ist der “Ponzi – Oldtimer” des Monats Dezember…

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Schrader’s schöne Geschichte und mein unerfüllbarer 570 ccm Traum

14.12.17 Fiat - Hesselmann

“Offen und ehrlich wie Halwart Schrader” nannte ich vor 4 Jahren einen meiner ersten Beiträge, die sich kritisch mit der Überkommerzialisierung und Beutelschneiderei der Oldtimer-Szene beschäftigten. Sein kritischer und zugleich warnender Kommentar aus dem Jahr 1991, damals im ehemaligen Oldtimer – Nachrichten – Magazin veröffentlicht, von ihm, einem der Meister des Erzähl – Journalismus und der spitzen Feder und bedeutendsten Buchautoren der Gegenwart über das rollende Blech auf 2 wie auf 4 Rädern, passte einfach zum Auktions – Wahnsinn der Gegenwart dazu. Wer hier unter “Suche” seinen Namen eingibt, findet seit dem so einiges mehr.

Im Februar 2013 schrub Halwart Schrader einen, ich will ihn mal als “Nachruf” auf seinen Freund und Co-Autor der “Schlafenden Schönheiten”, den Fotographen Herbert Hesselmann, bezeichnen. Zwischen 1991 und 2013 hatte sich viel verändert. Warum diese kleine “Abrechnung” bis auf die Verlagsseite vielleicht grade deshalb unveröffentlicht blieb, mag sich jeder denken.

“…Der Mann war Besitzer einer Sammlung wertvoller Automobile, die einen Dornröschenschlaf hielten. Über den Ort und über den Mann, der die Fahrzeuge Zeit seines Lebens zusammengetragen hatte, erfuhr ich zunächst nichts Näheres. Nur so viel: Es handelte sich um etwa fünfzig der seltensten Klassiker der Welt, und seit ihrer Einquartierung im Manoir de Rampart habe sie kaum je ein Außenstehender gesehen, geschweige denn berührt. Und niemandem außer mir würde vermutlich je wieder gestattet werden, die Kollektion zu fotografieren…”    “…Guido und das Huhn waren Zeugen, als Hesselmann dem Patron das Versprechen abgab, niemals dessen Namen in Verbindung mit der geplanten Reportage über die schlafenden Schönheiten zu nennen, erst recht nicht den Ort der Handlung anzugeben. Und Hesselmann hielt Wort. “

Die Geschichte von damals ging nicht gut aus.

“…Dovaz als Opfer eines beginnenden, rücksichtslosen Enthüllungs-Journalismus’ sah nur einen einzigen Weg, der Belagerung rigoros zu entgehen: Er musste das Manoir de Rampart verlassen…” “Noch bevor das Inventar des Manoir ausgeräumt wurde, blockierten eines Morgens einige Autotransporter die Dorfstraße, um die vom gröbsten Dreck und stärksten Bewuchs befreite Fahrzeugfracht aufzunehmen. In Reih’ und Glied standen die Autos mit frisch aufgepumpten Pneus auf der abschüssigen Rue Haute bereit, eine kleine Reise anzutreten. Bis für sie ein neuer Schlafplatz gefunden war, wurden sie in ein Quartier irgendwo im Südwesten des Landes verbracht…”   “…Keine von vermoostem, abblätterndem Lack überzogene Karosse, kein ölverkrusteter Motorblock blieb zurück…”

Dieser Beitrag fiel mir schlagartig ein, als ich vor ein paar Tagen die ersten Fotos von dem Schlossfund sah und zugleich die Berichte, wie ein vom Geruch des großen, schnellen Geldes angelockter Geier – Schwarm, ein Oldtimer – Auktionshaus, sich ohne langes Kreisen, im Sturzflug auf diesen Fund stürzt, um ihn in möglichst viele kleine und vor allem teuere Stücke zu zerreissen.

Tscha, 1977 waren die Franzosen noch klüger.

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P.S. Ach ja, wer einen der Fotobände “Schlafende Schönheiten” von Herbert Hesselmann schon im Bücherregal stehen hat und im Gegensatz zu mir, zufällig 19.500 Euro noch auf der Kante, kann sich grade den Fiat Topolino in die Garage stellen, den er wenige Jahre vor seinem Tod noch seiner Frau schenkte….

Aufmerksamkeitswert höher als bei den meisten Allerwelts-Oldtimer wie ‚Pagode’, ‚911er Porsche’ etc. p.p., garantiert

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Oldtimer-Markt: Schluss mit dem Geldanlagewahn

14.12.12 ArtCuriel

Obwohl nicht nur ich an so manchen Oldtimer-Auktionsergebnissen so meine Zweifel habe, in den letzten Jahren lief es für die internationalen Oldtimer – Auktionshäuser bombastisch. In England und den USA wurden auf Auktionen für seltenes, altes Blech auf 4 Rädern – angeblich – so viel Geld wie noch nie ausgegeben. Die hunderten Millionen Auktionsumsätze sollen jedoch nach Informationen eines Brancheninsiders noch wenig sein, im Vergleich zu den Geldern, die die großen Auktionshäuser ausserhalb ihrer Oldtimer-Auktionen allein mit ihren “Private Sales”, also den Oldtimerverkäufen außerhalb des Auktionssaals und in direkter Konkurrenz zum klassischen Oldtimer-Handel, machen. Nur wie lief es dann im Main-Stream, dem Butter-und-Brot-Geschäft, was 95 % des jährlichen Umsatzes ausmacht und wie erging es den deutschen Oldtimer-Händlern und -Restaurierern?

Es gibt für die Gesamtheit dieser Branche keine validen Zahlen. Wer genaueres über Umsätze und Gewinne einzelner Protagonisten erfahren will, ist auf belastbare Informationen von Brancheninsidern und den Bundesanzeiger angewiesen. Und dort bin ich bei zeitaufwendigen Recherchen für mein Buch „Nach allen Regeln der Kunst“, schon auf Erstaunliches gestoßen, was zusammen mit nicht wenigen Hintergrundinformationen über seit Jahren am Abgrund entlang balancierenden Oldtimer-Händlern und vor allem –Restaurierern, zu dem von den Oldtimer-Medien und der angepassten Journaille der Öffentlichkeit weiß gemachten Bild einer im-Himmel-ist-Jahrmarkt-Branche und entflammter Liebe zu automobilen Kulturgütern, so rein gar nicht passen will.

Von der im Zuge der Buch – Recherchen einem Säuretest unterzogenen rund zwei Dutzend teilweiser namhafter Oldtimer-Händler, machten nur rund die Hälfte mehr als 250.000 Euro Umsatz im Jahr. Umsatz, nicht Gewinn. Nur zwei davon machten einen Umsatz von mehr als einer Million Euro.

Beispiel eines seit über 2 Jahrzehnten am Markt tätigen und weltweit bekannten Betriebes für die alten, teueren Sterne aus Untertürkheim:

Jahresabschluss Geschäftsjahr 2012 – II. Wirtschaftsbericht… 2. Geschäftsverlauf: Die Umsatzerlöse haben sich trotz höherer Verkaufsstückzahlen von T€ 35.540 auf T€ 20.719 verringert. Der Umsatz im Vorjahr war geprägt vom Verkauf weniger sehr wertvoller Raritäten. Verkäufe dieser Art lassen sich mangels Verfügbarkeit entsprechender Fahrzeuge nicht regelmäßig wiederholen. Zudem enthielt der Vorjahresumsatz  einen Betrag von T€ 4.724 aus dem einmaligen Verkauf von Ersatzteilen. Die aus den Restaurations- und Reparaturaufträgen resultierende Leistung ist gestiegen.

3. Lage – a. Ertragslage: Die Gesellschaft erzielte einen Jahresüberschuss von T€ 40 (Vj. T€ 202)….”

IV Chancen und Risikobericht… 3. Finanzwirtschaftliche Risiken… Das Unternehmen ist in hohem Maße durch Kundenanzahlungen, Lieferantenkredite und privaten Kreditgebern fremdfinanziert. Im Falle der Aufrechterhaltung der bestehenden Finanzierungen sind finanzwirtschaftliche Risiken derzeit nicht erkennbar

Bilanzsumme – Aktiva… 12.740.000 Euro (Vj. 13.170.000 Euro); Bilanzsumme – Passiva… D. 3. Sonstige Verbindlichkeiten 9.694.144 Euro (Vj. 9.105.600 Euro)…”

Fakt ist: Die schon seit vielen Jahren als gesichert angesehenen echten automobilen Raritäten, verkaufen sich sehr viel besser als bis auf ein paar wenige Ausnahmen, die unzähligen angeblichen Underperformer, die von den anzeigendemütigen Medien grade wegen der lauen Geschäfte im mittelpreisigen Segment, unablässig auf den Markt gePRollt werden. Das ist ein Trend, der sich in den kommenden Jahren womöglich sogar noch verstärken wird. Auch, weil mehr und mehr bis jetzt im klassischen Automobilgeschäft aktive markengebundene Autohäuser,  denen die Neuwagenverkäufe und das Reparaturgeschäft regelrecht weggebrochen sind, in ihrer Not plötzlich ihre oldtimertechnische Expertise glauben entdeckt zu haben und sich an das dünne Rettungsseil einer neugegründeten Classic – Tochter und der ganz wenigen meinen-Oldtimer-lass-ich-mir-was-kosten-Enthusiasten, zusammen mit anderen Ertrinkenden, mit dranhängen.

2003.05.13 Daimler setzt auf reiche Autosammler.- groß2 Ausschnitt500

Früher konnte man als Kritiker dieser Entwicklung mit niemandem reden, ohne in einen kritischen Diskurs über Inhalte eintreten zu müssen. Man hörte und las viel hehres, intelligenzbefreites Geschwätz wie “MARKTWERTE INTERSSIEREN MICH DOCH NICHT, MEIN OLDTIMER IST DOCH KEIN WERTPAPIER…” und “MIR GEHT ES DOCH NUR UM DEN FAHRSPASS?…” Heute geht es in den Gesprächen offener und beinahe nur noch um die rein ökonomisierte Werthaltigkeit der Oldtimerei. In meinen Augen hat sich bei den meisten ein regelrecht denkbefreiter Geldanlagewahn breitgemacht.

Das entspricht natürlich nicht der durch die mediale Bombardierung mit Rekordwertsteigerungen gehirngewäschten öffentlichen Wahrnehmung, wo es im Grunde genommen nur noch um eines geht, wie grade der angebliche erst vor kurzem entdeckte Sensationsfund einer bis dato gänzlichst unbekannten automobilhistorischen Sammlungen beweist. Kaum entdeckt, heißt es schon: Wie viel Millionen lassen sich höchstmöglich und schnellstens herausschlagen…?

Die Masse der Oldtimer – Besitzer wie -Einsteiger orientieren sich nur noch an den Spitzenpreisen, da verlangen heute Händler schon 20.000 Euro für einen 500 er Fiat, den ich im Originalzustand – etwa Zustand 3+ – bei Fiat – Händlern in Oberitalien zwischen 4 – 5.000 Euro inkl. Transport bis vor die Haustüre, schnappen kann. Aber wer kann sich solche “deutschen” Preise leisten?

Ich habe da seit Jahren eine ganz klare Vision: Die Oldtimerei muss entlang der ganzen Wertschöpfungskette wieder günstiger werden, Oldtimer müssen aus den Finanzteilen der Zeitungn verschwinden, das Bewerten von Oldtimern alleine nach Anlagekriterien, das Gequatsche vom 422 % Gewinn – Garagengold und Oldtimer-Index schlägt DAX, muss wieder aufhören, damit das Hautgout des Hobbys nur für “Reiche” verschwindet und die Zahl der Enthusiasten, die sich dieses schönste Hobby der Welt für große Jungs leisten wollen, aus sich selbst heraus wächst.

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P.S. Vorgestern hat sich das jedenfalls bestätigt. Ein namhafter und auf den bedeutenden Oldtimer-Messen stets groß aufgestellter Oldtimer – Händler aus dem Süden der Republik, der sich nicht mit Kundenanzahlungen, Ersatzteillagerverkäufen und undurchsichtigem, stillem Gesellschafterkapital aus Investment-Circle’n über Wasser halten wollte und konnte, hat’s erwischt. Insolvenz. Wer? Antwort: demnächst mal. Die Krise hat jedenfalls viele Gesichter.

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