Oldtimer-Markt: Schluss mit dem Geldanlagewahn

14.12.12 ArtCuriel

Obwohl nicht nur ich an so manchen Oldtimer-Auktionsergebnissen so meine Zweifel habe, in den letzten Jahren lief es für die internationalen Oldtimer – Auktionshäuser bombastisch. In England und den USA wurden auf Auktionen für seltenes, altes Blech auf 4 Rädern – angeblich – so viel Geld wie noch nie ausgegeben. Die hunderten Millionen Auktionsumsätze sollen jedoch nach Informationen eines Brancheninsiders noch wenig sein, im Vergleich zu den Geldern, die die großen Auktionshäuser ausserhalb ihrer Oldtimer-Auktionen allein mit ihren “Private Sales”, also den Oldtimerverkäufen außerhalb des Auktionssaals und in direkter Konkurrenz zum klassischen Oldtimer-Handel, machen. Nur wie lief es dann im Main-Stream, dem Butter-und-Brot-Geschäft, was 95 % des jährlichen Umsatzes ausmacht und wie erging es den deutschen Oldtimer-Händlern und -Restaurierern?

Es gibt für die Gesamtheit dieser Branche keine validen Zahlen. Wer genaueres über Umsätze und Gewinne einzelner Protagonisten erfahren will, ist auf belastbare Informationen von Brancheninsidern und den Bundesanzeiger angewiesen. Und dort bin ich bei zeitaufwendigen Recherchen für mein Buch „Nach allen Regeln der Kunst“, schon auf Erstaunliches gestoßen, was zusammen mit nicht wenigen Hintergrundinformationen über seit Jahren am Abgrund entlang balancierenden Oldtimer-Händlern und vor allem –Restaurierern, zu dem von den Oldtimer-Medien und der angepassten Journaille der Öffentlichkeit weiß gemachten Bild einer im-Himmel-ist-Jahrmarkt-Branche und entflammter Liebe zu automobilen Kulturgütern, so rein gar nicht passen will.

Von der im Zuge der Buch – Recherchen einem Säuretest unterzogenen rund zwei Dutzend teilweiser namhafter Oldtimer-Händler, machten nur rund die Hälfte mehr als 250.000 Euro Umsatz im Jahr. Umsatz, nicht Gewinn. Nur zwei davon machten einen Umsatz von mehr als einer Million Euro.

Beispiel eines seit über 2 Jahrzehnten am Markt tätigen und weltweit bekannten Betriebes für die alten, teueren Sterne aus Untertürkheim:

Jahresabschluss Geschäftsjahr 2012 – II. Wirtschaftsbericht… 2. Geschäftsverlauf: Die Umsatzerlöse haben sich trotz höherer Verkaufsstückzahlen von T€ 35.540 auf T€ 20.719 verringert. Der Umsatz im Vorjahr war geprägt vom Verkauf weniger sehr wertvoller Raritäten. Verkäufe dieser Art lassen sich mangels Verfügbarkeit entsprechender Fahrzeuge nicht regelmäßig wiederholen. Zudem enthielt der Vorjahresumsatz  einen Betrag von T€ 4.724 aus dem einmaligen Verkauf von Ersatzteilen. Die aus den Restaurations- und Reparaturaufträgen resultierende Leistung ist gestiegen.

3. Lage – a. Ertragslage: Die Gesellschaft erzielte einen Jahresüberschuss von T€ 40 (Vj. T€ 202)….”

IV Chancen und Risikobericht… 3. Finanzwirtschaftliche Risiken… Das Unternehmen ist in hohem Maße durch Kundenanzahlungen, Lieferantenkredite und privaten Kreditgebern fremdfinanziert. Im Falle der Aufrechterhaltung der bestehenden Finanzierungen sind finanzwirtschaftliche Risiken derzeit nicht erkennbar

Bilanzsumme – Aktiva… 12.740.000 Euro (Vj. 13.170.000 Euro); Bilanzsumme – Passiva… D. 3. Sonstige Verbindlichkeiten 9.694.144 Euro (Vj. 9.105.600 Euro)…”

Fakt ist: Die schon seit vielen Jahren als gesichert angesehenen echten automobilen Raritäten, verkaufen sich sehr viel besser als bis auf ein paar wenige Ausnahmen, die unzähligen angeblichen Underperformer, die von den anzeigendemütigen Medien grade wegen der lauen Geschäfte im mittelpreisigen Segment, unablässig auf den Markt gePRollt werden. Das ist ein Trend, der sich in den kommenden Jahren womöglich sogar noch verstärken wird. Auch, weil mehr und mehr bis jetzt im klassischen Automobilgeschäft aktive markengebundene Autohäuser,  denen die Neuwagenverkäufe und das Reparaturgeschäft regelrecht weggebrochen sind, in ihrer Not plötzlich ihre oldtimertechnische Expertise glauben entdeckt zu haben und sich an das dünne Rettungsseil einer neugegründeten Classic – Tochter und der ganz wenigen meinen-Oldtimer-lass-ich-mir-was-kosten-Enthusiasten, zusammen mit anderen Ertrinkenden, mit dranhängen.

2003.05.13 Daimler setzt auf reiche Autosammler.- groß2 Ausschnitt500

Früher konnte man als Kritiker dieser Entwicklung mit niemandem reden, ohne in einen kritischen Diskurs über Inhalte eintreten zu müssen. Man hörte und las viel hehres, intelligenzbefreites Geschwätz wie “MARKTWERTE INTERSSIEREN MICH DOCH NICHT, MEIN OLDTIMER IST DOCH KEIN WERTPAPIER…” und “MIR GEHT ES DOCH NUR UM DEN FAHRSPASS?…” Heute geht es in den Gesprächen offener und beinahe nur noch um die rein ökonomisierte Werthaltigkeit der Oldtimerei. In meinen Augen hat sich bei den meisten ein regelrecht denkbefreiter Geldanlagewahn breitgemacht.

Das entspricht natürlich nicht der durch die mediale Bombardierung mit Rekordwertsteigerungen gehirngewäschten öffentlichen Wahrnehmung, wo es im Grunde genommen nur noch um eines geht, wie grade der angebliche erst vor kurzem entdeckte Sensationsfund einer bis dato gänzlichst unbekannten automobilhistorischen Sammlungen beweist. Kaum entdeckt, heißt es schon: Wie viel Millionen lassen sich höchstmöglich und schnellstens herausschlagen…?

Die Masse der Oldtimer – Besitzer wie -Einsteiger orientieren sich nur noch an den Spitzenpreisen, da verlangen heute Händler schon 20.000 Euro für einen 500 er Fiat, den ich im Originalzustand – etwa Zustand 3+ – bei Fiat – Händlern in Oberitalien zwischen 4 – 5.000 Euro inkl. Transport bis vor die Haustüre, schnappen kann. Aber wer kann sich solche “deutschen” Preise leisten?

Ich habe da seit Jahren eine ganz klare Vision: Die Oldtimerei muss entlang der ganzen Wertschöpfungskette wieder günstiger werden, Oldtimer müssen aus den Finanzteilen der Zeitungn verschwinden, das Bewerten von Oldtimern alleine nach Anlagekriterien, das Gequatsche vom 422 % Gewinn – Garagengold und Oldtimer-Index schlägt DAX, muss wieder aufhören, damit das Hautgout des Hobbys nur für “Reiche” verschwindet und die Zahl der Enthusiasten, die sich dieses schönste Hobby der Welt für große Jungs leisten wollen, aus sich selbst heraus wächst.

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P.S. Vorgestern hat sich das jedenfalls bestätigt. Ein namhafter und auf den bedeutenden Oldtimer-Messen stets groß aufgestellter Oldtimer – Händler aus dem Süden der Republik, der sich nicht mit Kundenanzahlungen, Ersatzteillagerverkäufen und undurchsichtigem, stillem Gesellschafterkapital aus Investment-Circle’n über Wasser halten wollte und konnte, hat’s erwischt. Insolvenz. Wer? Antwort: demnächst mal. Die Krise hat jedenfalls viele Gesichter.

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Rezension “Pagoden für Dummies”

Pagoden für Dummies - 2

“Stimmt die Fahrgestellnummer mit der vierstelligen Nummer auf der Motorhaube überein, handelt es sich um das Originalteil…”   “Kein Anschluss ohne Nummer. Der fehlende Verweis lässt auf ein Unfallauto schließen….”

Ach ja, Christian Jancke? Dann sind der Ferrari 250 GTO, der jüngst für den für den Rekordpreis von 30 Mio. Dollar vertickert wurde und der vor seiner Wiederherstellung nur noch ein Schrotthaufen war, und von dem kaum mehr als noch die Hinterachse und das Getriebe übriggeblieben waren, genau so wie die Pagode, bei der in den 80er Jahren zeitwertgerecht der Rempler den Austausch der Seitentür erforderlich machte, eigentlich alle wertlose Blender, die in die Tonne getreten gehören?

So rappelt das wortgewaltig und intelligenzbefreit weiter vor sich hin, bis die Zeilen sich biegen…

“Eine sachgemässe Restauration bei einem ordentlichen Fachbetrieb kostet 100.000 Euro – mindestens. Rund 150.000 Euro können dann für einen sehr guten Mercedes-Benz 230-280 SL (Pagode) erzielt werden…”

Na, da sind dann aber hoffentlich die dabei verbrauchten Putzlappen mit darin enthalten.

“Weil das Einpassen von Motorhaube und Türen seinerzeit mit besonderer Sorgfalt geschah, tragen die die Fahrgestellnummer, besonders auffällig oben links in der Aluhaube. Ist die Zahl nicht zu sehen, ist das ein schlechtes Zeichen. Alu rostet nicht. Da bleibt nur die Frage nach einem Unfallschaden. Auf den können auch unregelmässige und zu große Spaltmasse (Abstand zwischen Haube und Karosserie) hindeuten..”

Ha, entlarvt:

“Bei einer Veranstaltung in Hamm zeigten Christian Nikolai von Ostendorf Classic und Marc Urban von Classic Data anhand von zwei Exemplaren, welche Pferdefüße den potenziellen Käufer erwarten…”

“Für jeden ollen hirnverstiegenen Mist gibt’s eben einen, der’s wieder in Tinte pisst”. Demnächst dann im großen Schleichwerbe Classic – Index – Öchsperten – Theater der PS – WELT, Eberhard Thiesen erläutert uns, was beim Kauf eines Oldtimer – Ferraris zwecks Vermeidung des Totalreinfalls zu beachten ist, Bernhard Schad klärt uns über Fallstricke in den Rechnungen für Oldtimer – Restaurierungen auf, ach ja, und Robert Nolte verrät angehenden Oldtimer-Reparateuren uns, auf was im Beweisverfahren zu achten ist, wenn nach einer Motorkaputtüberholung durch Dusseligkeit, schon nach 270 Kilometern der ganze Motor auseinanderfliegt.

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Zettelkasten 29.07.2014: Wenn zwei streiten, freut sich der Italiener

14.07.30 bmw-507-pop-art-1-irina-march

Grade hat Stefan Anker Paste&Copy die Meldung der BMW-Presseabteilung mitsamt Fotosim Konzert mit einigen Dutzend Schurnalisten die Frage gestellt “Darf man Schrott ins Museum fahren?” und mir damit geholfen, Licht in ein Stückchen persönlicher Krankheitsgeschichte zu bringen.

Hahaha… mein Mitleid mit dem Oldtimerhändler, der sich einen BMW 507 Roadster unter den Nagel reissen, im Vorbeigehen ein Milliönchen Easy – Profit reinziehen wollte und mit seiner lauen Immobilien – Makler – Zeugen – Nummer, mit der er den Verkäufern die Planken eingeseift hatte… darauf jetzt selbst auf die Fresse gefallen ist, hält sich jedenfalls in Grenzen.

P.S. Danke, Klaus, für den Link

[Foto]

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Nach allen Regeln der Kunst II

14.07.28 Achenbach verschwundene Oldtimer...

Grade schrub ich hier:

“Ob es  nur die Dummheit eines Unternehmers Albrecht war, dessen Clan ihre Milliarden mit dem Slogan „Gutes muss nicht teuer sein“ verdient oder raffinierte Hütchenspieler und scheinbare, neutrale Beraterfreunde die Gier nach Easy – Money in ihm geweckt hatten, bleibt mal dahingestellt. Die „Kafkaeske Achenbach“ & Co geht, wie über die Albrecht – Sammlung gut informierte Oldtimerlkreise wissen, jetzt erst richtig los, und welche Rolle der Edelrestaurierer Klaus Kienle und Klaus Zimmermann, ehemaliger Chef des Mercedes – Benz Classic – Center darin gespielt haben, werden wir spätestens während der Verhandlung gegen Achenbach erfahren…”

Ich muss mich wohl dahingehend korrigieren, dass wir Dank vereinzelt noch vorhandener, investigativer Journalisten vom Spiegel und Syndications-schreibern wie von B*ld, viel früher erfahren werden, wer sich da alles die Hände und zwar hoch bis zum Oberarm, mitgewaschen hat.

“…Demnach habe eine Achenbach-Firma im August 2012 bei einem Händler in Süddeutschland sieben Oldtimer für 16,8 Millionen Euro gekauft…”   “…Die fünf anderen Oldtimer, darunter nach BILD-Informationen ein Mercedes 300 SL Flügeltürer, sollen in der Achenbach Firma verblieben sein und laut „Spiegel“ umso billiger berechnet worden sein…”

Wow… ein Flügeltürer für lau… die Preise innerhalb der Noblesse Oblige der Oldtimerszene, dafür, guten Freunden mit Empfehlungen und Tips die Planken einzuseifen, sind offenbar gehörig gestiegen.

Da ist nach einem Gespräch mit einem sehr gut informierten Oldtimerhändler, inzwischen mehr als die Ahnung, dass da noch ein paar andere Kaliber aus der Wiege des Automobilbaus mitverdientgemischt haben, wie gut vernetzte und angeblich unabhängige Öchsperten, die reichen Leuten wie Berthold Albrecht “Strategische Lösungen für Sammlungen klassischer Automobile aller Marken”, nur gegen bescheidene 2 – 3 % Honorar natürlich, anbieten.

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Verwandte Themen: “Nach allen Regeln der Kunst I” und “Die Akte Achenbach”

21.03.2011: Fröhlich’s Göring für Dummies

Es gibt Geschichten über Oldtimer, die tun einfach weh, besonders die des  PRoll – Magazins Fröhliche Autowelten aus Düsseldorf. Nach dem  medialen Rummel um Hitler’s aufgetauchtem Mercedes 770 K  folgte lange Zeit nichts, hat Michael Fröhlich erneut von sich Reden machen wollen… und keiner hat’s gemerkt.

Wer weiß, vielleicht hat Fröhlich darauf gehofft,  keiner kommt darauf, warum er auf seinem Foto des 1940 er Mercedes – Benz 230 Kabriolet die Umgebung wegretuschiert hatte und dass das Hamburger Stern – Magazin wieder einmal zugreift, die hatten 1983 ja schon mal 9,3 Millionen Mark für 62 von Konrad Kujau  gefälschte Hitler-Tagebücher hingeblättert, die angeblich die reine Wahrheit enthielten…

„Bei dem hier angebotenen sehr seltenen Fahrzeug handelt es sich um den Dienstwagen von Adfolf Hitlers Generalfeldmarshall Hermann Göring, bestellt von seinem Stabsamt in Berlin am 01. 04.1940 mit der Fahrgestellnuimmer:446740…”  “Das Cabriolet von Hermann Göring steht nun aus besonderem Grund ausnahmsweise zum Verkauf. Nach langwierigen und professionellen Restaurierungsarbeiten wurde diese Fahrzeug wieder in den ursprünglichen Originalzustand versetzt und sieht wieder genau so aus, wie es damals im “Dritten Reich” genutzt worden ist….“

Lässt man an der Geschichte des Autos jetzt nur die genannte unrühmlichen Fahrerpersönlichkeit Hermann Göring’s weg, so wird daraus ein ganz einfacher alter Benz Baujahr 1940, einer von vielen Benzen die das Stabsamt damals bestellt hatte, mit einem  Unterschied, der vor allem den Käufer richtig “fröhlich” gemacht haben dürfte: Ohne diese Göring – Dienstwagen – Schauermär, war das Auto, wie ich von dem Händler aus Frankfurt erfuhr,   der wohl tatsächlich des Auftrag des Verkäufers hatte und keine Fotos retuschierte, deutlich über 100.000 Euro billiger.

 

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