Kleine Kulturgeschichte über das Küssen und Rallye Monte Carlo – Fahren

Auf den Tag, heute vor 101 Jahren, wurde die erste Rallye Monte Carlo gefahren.

Dabei fällt mir auf, so richtig tolle Rallye Monte Carlo Filme hat es nie gegeben. Mit Genevieve gibt es zwar einen schönen Film über die Oldtimer Rallye London-Brighton, aber Vergleichbares für die Rallye Monte Carlo, Fehlanzeige.

Bis auf Claude Lelouchs Un homme et une femme. Den Film schaute ich mir 1966 dreimal hintereinander im Kino an und haute mein ganzes Taschengeld für einen Monat drauf. Während ich hierbei die Theorie der französischen Kusstechnik eines Jean-Louis Trintignant in mich aufsog und hinterher bei Tanzschulenpartnerinnen versuchte auszutesten (mit eher mäßigen Erfolgen), musste ich bis zur praktischen Anwendung des Fahrstils meines großen Lehrers und dem ersten Platznehmendürfen hinter einem Lenkrad, noch zwei Jahre schmachten.

Heute habe ich meine Liebeschule von Claude Lelouch wiederentdeckt.

.

05.03.2011: “Es begann bei der Rallye Monte Carlo”

Männer, Erinnerungen und Bücherregale, bei mir stehen ganz wenige Bücher drin, die ich zwei-, dreimal oder noch öfters gelesen habe. Jägermeister Racing von Eckhard Schimpf, dem Vollblüter der Motorjournalisten, Rennfotografen, dem Rallye- und Rennfahrer der 60er und 70er Jahre, ist ein solches Buch. 
.
Sein Grossvater war Wilhelm Mast, dessen Neffe der grade verstorbene Günter Mast und dessen bekanntes Geweih-Gesöff ich früher nach magenkrampf-auslösenden  1,70-Billig-Dönern, zugegebenermaßen aber auch eine Zeitlang  mal aus Baccarat – Gläsern, weil es In war, in mich hineinschlürfte.
.
Eckhard Schimpf erzählt in seinem Buch “Jägermeister Racing” in einer unnachahmlichen Art, wie sie nur der Rennfahrer und Journalist in die Tasten hauen kann, über den Beginn seiner Karriere, über Rallyes und Autorennen, über seine damaligen Freunde die Rennfahrer und späteren Weltmeister, alles aus erster Hand geschrieben, denn er war bspw. zweimal Sieger beim berühmten 1000 Kilometer Autorennen auf dem Nürburgring, 1976 und 1979.
.

Dieses Alpina-Jahr ist mir nicht wegen der Alpina-Erfolge so plastisch in der Erinnerung verwurzelt, sondern eher wegen des Hauptakteurs Lauda – einer Persönlichkeit, wie sie heute nur noch selten an den Rennstrecken zu treffen ist… Wir saßen mal nach dem Freitag-Training zum Sechsstunden-Rennen in der “Hammesmühle” im Nettetal bei Mayen, wo der Jägermeister-Vertriebsvorstand Walter Sandvoss ein Abendessen gab. Etwa gegen 21.30 Uhr wisperte Niki mir fragend ins Ohr: “War ich lange genug da? Tangiert das eventuelle spätere Sponsorgespräche zwischen uns negativ, wenn ich jetzt abhaue?” – “Nein”, sagte ich, und ruckartig erhob sich Lauda, nahm Mariella an die Hand und verschwand… Der aus kultiviertem Haus stammende Wiener Junge hat es mal so formuliert. “Wenn ich mich da so zurückerinnere: Schal, Mantel, Steirerhut – auch wenn es nicht kalt war. Ich glaube, ich war ein echtes Seicherl.” Auf Deutsch: Ein Weich-Ei.

Wen’s mal interessiert, muss sich nicht gleich das Buch kaufen, obwohl es die rd. 25 Euro mehr als wert ist. Die Braunschweiger Zeitung hat vor 3 Jahren aus 35 Kapiteln des Buches Auszüge von Eckhard Schimpf abgedruckt, u.a.  “es begann bei der Rallye Monte Carlo”

So, jetzt werde ich mich mal aufs Fahrrad schwingen und die ersten paar  Kilometer dieses Jahres Richtung Taunus durch die Sonne fahren, damit ich nicht mehr ganz so alt und gebrechlich daherkomme, und in ein paar Wochen schneller trete, als andere junge Leute. Man will ja kein Seicherl sein, auch wenn ich auf dem Rückweg mal an der Konditorei halt mache.

.

Le Grand Seigneuer mit der Startflagge ist tot.

“Vom Gordon-Bennett-Rennen bis zur Rallye Monte Carlo”… Sollte das ‘Große Buch der Geschichte des deutschen Motorsports’ einmal geschrieben werden, nehmen die Ereignisse, die Bad Homburg und den Taunus als Schauplatz haben, mehrere Kapitel in Anspruch. Denn der Bogen der Ereignisse ist weit gespannt”.

So beginnt der Autor Helmut Bernecker in seinem 1993 erschienenen Buch “Sport in der Region” sein Kapitel über das Gordon Bennett Rennen, das 1904 an der Saalburg gestartet wurde. Er bechreibt darin das Kaiserpreis-Rennen von 1907, die Prinz-Heinrich-Fahrt von 1910, und die vielen Feldbergrennen, den Bergrennen der 1930er und Rundstreckenrennen der 1950er Jahre, bis zum Start der “Rallye Monte Carlo” im Jahr 1977.

Am 28. Januar war Helmut Bernecker noch einmal in seinem Element, man konnte ihm die Freude anzusehen, als er beim Start der Rallye Monte Carlo Historique 2011 vor dem Kurhaus, einigen der über 100 Rallye – Autos den  Start freigab.

Der Vollblutjournalist Helmut Bernecker, er, der schon 1977 zusammen mit Helmut Wicker den Start der Rallye Monte Carlo mit Walter Röhrl und anderen Rallye-Legenden nach Bad Homburg holte, wo zehntausende Menschen die Brunnenallee säumten, er, der Reporter mit Benzin im Blut und langjähriger Vorsitzender des VdM Verband der Motorjounalisten, er, dem ich in den letzten 3 Jahren einige Male zuhören durfte, er, den ich einmal in einem frühen Beitrag als Vorbild für echten Journalismus  beschrieb, und von dem ich viel zu wenig über seine Erlebnisse im Motorsport erfahren konnte, er, dem ich am 28. Januar nur einmal noch ganz kurz die Hand schütteln konnte und von dem mir als Erinnerung nicht nur ein paar Fotos bleiben.

Dieser Grand Seigneur des Motorsportjournalismus ist tot.

Helmut Bernecker ist verstorben tot

Da war ich 7 Lenze

 

als der Vater von  Werner Ring  1957 diesen tollen Film vom ADAC 1000 Kilometer Rennen auf dem Nürburgring drehte. Mike’s Blog schreibt sehr schön,  

“Wirklich toll gemacht, mit ruhiger Hand aufgenommen und das Drumherum schön eingefangen. Ist schon paradox, daß ein 53 Jahre alter Film auf youtube veröffentlicht wird. Aber man sieht den Aufnahmen ihr Alter kaum an! Danke für´s Teilen!”

Dem schliesse ich mich an. Toll.

.