Zettelkasten 02.07.2015; Unautonomes Autofahren 1979

1979-08 Tempolimit

Damals ging es um’s satirische Aufarbeiten des Tempolimit. Deshalb lassen mich heute solche ernst gemeinten Präpositionalphrasen von angeblichen Verkehrsexperten, immer noch jedes Mal zusammenzucken:

“…Das automatisierte Fahren hätte meinen Morgen anders aussehen lassen. Nun muss ich im Büro noch Dokumente lesen, was ich im Auto der Zukunft längst erledigt hätte”  …  “Autonom fahrende Autos sind eine große Chance für die Stadt. Durch das automatisierte Fahren werden sich die Abstände zwischen den Fahrzeugen verkürzen, sodass die gleiche Anzahl von Autos…”

Klar, dass die Motorjohurnaille, wie jetzt auch noch der von mir bis heute gerne gelesene Don Dahlmann, für dessen Beiträge ich früher gezahlt hätte, mehr und mehr das industrieorchestrierte PRoll-Lied der humanoiden Verdigitalisierung mitsingen, deshalb so ein bißchen “Deap Learning” und digital – neuronales Herumschnüffeln eines Mark Zuckerberg garnicht so schlimm finden und echter, kritischer Journalismus, wie hier über den Firlefanz mit den  Head-Up-Displays, auf der Strecke bleibt.

 

Grafik: Satire-Magazin Pardon August 1979

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Zettelkasten 16.12.2014; Rückspiegel

Philipp Reitz, oder wie ich lernte, den Pinnaduo zu lieben

Unbenannt - 0

Ich hatte so viel Glück beim Studium. Ich Bruder Leichtfuß, der Kaviar-Marxist wie mich einige Spackos nannten, brauchte nichts auslassen. Ich habe nicht nachgedacht und trotzdem das Richtige getan: ich habe nichts versäumt, und in mir wird sich immer im Kopfkino der Vorhang zu den echten, alten Freuden heben, wie Norbert B., dem besten Freund von Kindesbeinen an bis heute, und den vielen Jahren, wo der condagrüne  Porsche 914/6 nach Frankfurt oder Wiesbaden in den Sonnenuntergang fuhr und alles erfüllt war von Hüttenbar, Parkcafe, St. Germain, Big Apple und Imperial, nicht selten alles in einer einzigen Nacht. Es war eine tolle Zeit.

Ja, die Erinnerungen. Was ist davon übriggeblieben? Sich verlierende Freundschaften, menschliche Tragödien bei ehemaligen Studienfreunden, der Rechtsanwaltsohn der mit 18 Vater wurde, nach Amerika ging und seinen Sohn und Enkel bis heute kein einziges Mal sah, der andere, in dessen Firma für Exoten-Reparaturen und -Verkauf, an einigen Autos etwas nicht mit den Fahrgestellnummern stimmte und der es vorzog, fortan in der Dominikanischen Republik alte Peugeots auf Vordermann zu bringen, einer mein Todfeind, der mich in den 90ern um Haus und Hof brachte, und andere die sich so wie ich an diese tolle Zeit erinnern und mir nach so vielen Jahren einen Artikel über den Strömungsingenieur Philipp Reitz und sein Polytechnikum schicken, der 1958 den Pinnaduo Stromlinienwagen in seiner Halle in Frankfurt – Hausen konstruierte und baute (Foto 1und Foto 2) und als Anerkennung dafür, die Genehmigung für ein privates Polytechnikum erhielt, das Auto, in dem ich 1972 als angehender Ingenieur drinsaß und den ich jetzt nach so vielen, vielen Jahren das erste Mal wiedersehen konnte.

Es lässt mich nie ganz kalt, wenn ich solche Geschichten lese und Bilder sehe, von denen ich ein Teil war, von dem 600er – Wrack, in dem Philipp bei einem Unfall fast verbrannte und den ich mit Freunden wer weiß wie oft in der Maschinenhalle hin und herschieben musste, weil er wieder irgend einen aus einer Scheune geretteten Stromlinien-Oldie unterbringen musste. Meine Wehmut hält sich deshalb heute in Grenzen, wenn ich lese, dass all die schönen Autos verschwunden sind, ja, bis auf den Pinnaduo: “Gute Zeiten schlechte Zeiten”

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10.04.2011: Frankfurter Rundschau, Keineinfall für einen Beitragstitel

Es kommen einem seltsame Gedanken wenn man unverhofft liest, der Zeitung, der FRankfurter Rundschau, für die meine Eltern irgend wann Ende der 70er Jahre ihr Abonnement gekündigt hatten, nach fast 30 Jahren,  geht es sehr sehr schlecht, 88 Leute werden entlassen, der seit über 40 Jahren von mir gern gelesene Lokalteil wird jetzt womöglich in Berlin geschrieben.

Ich verdanke der FRankfurter Rundschau so einiges. Mein minimales Wissen von Wirtschaft, erstmals gefordert, als es 1987 am Aktienmarkt ernst wurde, und manche ebenso unbedarfte Kunden fragten, was ich als damaliger Repräsentant einer schweizer Firma von der Geldanlage dort halten würde?

Wenigstens war die FRundschau, die ich kannte, nicht die FRundschau, die jetzt in den Berliner Zeitungsbrei eingematscht wird – ein Klumpen, der einen Großteil ihrer Redakteure verliert und  Mitarbeiter in die Schattenseite des allein seligmachenden Neoliberalismus entlässt, den zu kritisiern und zu attakieren sie sich in Frankfurt nie zu schade waren, und wofür sie von rechten Dumpfbacken zu Unrecht als Sozenblatt tituliert  wurden. Dafür werden wir jetzt 800-Euro-Jung-Ossi-Leiharbeits-Redakteure  Durchhaltebefehle und Lügengeschichten vom XXL-Aufschwung schmieren sehen.

Den ersten Karton mit einzelnen Ausgaben der FRankfurter Rundschau hat meine Mama wohl 1949 angelegt. Den Schuber mit der ältesten Ausgabe, der Nr. 1 von 1949, habe ich gestern Abend noch spät herausgekramt, nach dem ich las, die Zeit der FRankfurter Rundschau ist abgelaufen und jetzt ein paar Tage später, ich das hier von der Abwärtsspirale verinnerlicht hatte. 

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Update 11.04.2011: Nur mal für Interessierte: “Die Geschichte der Frankfurter Rundschau”

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Alte Männer und Fotoalbeninhalte Agfa Lupex 6 x 4

 

Manchmal kiege ich die Krise, diesmal hat sie ein anderer. Das winzig kleine Foto, die Schwarz-Weiss-Entwicklung des Negativs, ist am 09. April 1933 aufgenommen worden. Das weiß ich deshalb so genau, weil ein guter Bekannter in meiner kleinen Stadt, sich eben so gut wie kaum ein anderer auskennt mit Mercedes -Benz Kompressoren, weil er selbst zwei davon hat, weil er an seinem Hobby viele andere in seiner Central-Garage Bad Homburg  teilhaben lässt und er das winzige Foto sofort Günter Lehmann zuordnen konnte.

Die ganze Geschichte über den Fahrer – Günter Lehmann – der schneller sein wollte als die Eisenbahn, lest Ihr hier im Rückspiegel.

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Es liegt was auf der Zunge

Essen über den Wolken in einer Lufthansa Super Constellation. Meine Mutter hatte wohl in den 50er Jahren aus einer der das Fernweh weckenden Lufthansa Werbebroschüren die in den Flugzeugen verteilt wurden, als kleines Souvenir diesen Reisebericht herausgeschnitten. Mit dem Urvater aller deutschen Fernseh-Gourmet-Köche (eigentlich war er gar kein Koch sondern Schauspieler), der nicht nur kochen sondern auch schreiben konnte, mit Clemens Wilmenrod  im Flug Hamburg – Frankfurt