Vergessene Bad Homburger Langzeitparker

14.08.21 HGScheunenfund 003

In der Garagengoldsucherszene machte seit Jahren das Gerücht die Runde, in einem seit langem verlassenen Unternehmerhaus meiner Heimatstadt, schlummerten einige beinahe unberührte Mercedes-Benz, VW T1 (Samba) und BMW Isettas aus den 1950er Jahren und bergeweise Autoteile und sonstige Hinterlassenschaften eines ganzen Lebens.

Ich war der erste der sie sehen durfte, nachdem der frühere Besitzer vor fast 10 Jahren verstorben war. Wie den grauen 190 D ‘Ponton’ mit 19.000 Kilometern auf dem Tacho, der seit 50 Jahren dort trocken “geparkt” und in dessen Innenraum nicht eine einzige Schimmelspore zu sehen war.

Ich mach’s kurz: Bestimmt werde ich dann, wenn auch die alten VW T1 Busse und vor allem die ‘Isetta’, die keine 2.000 Kilometer gelaufen sein soll, demnächst unter Bergen von alten Neu – Reifen (noch etikettiert),  Kartons mit alten Blechspielsachen und vielem, unglaublich vielem anderen mehr, was alte Steinzeitjägerherzen im Spätkapitalismus schneller schlagen lässt, wieder aufgetaucht sind, mehr von den Autos erzählen. Wo sich das Haus mit den vielen Langzeitparkern befindet, aber ganz bestimmt nicht..

P.S. Ich hoffe jetzt nur, dass mir das Schicksal des Tutanchamun – Entdeckers Howard Carter erspart bleibt – und ich mir zwischen den Reifenstapeln und im zentimeterdicken Staub auf den Bergen von auf zwei Stockwerken beinahe messiehaft gehorteten Autoteilen, keinen „Fluch der Sterne“ eingehandelt habe.

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Vorgärten auf Windschutzscheiben

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“…Eine befreundete Biologin hat mir gesagt, dass es manchmal Jahrzehnte dauert, bis sich solche Formationen entwickeln. Ich habe auch kleine Vorgärten auf Windschutzscheiben gefunden und mittendrin der verrostete Scheibenwischer. Da sind kleine botanische Paradiese entstanden. Dicke Moose, die sich wie Mützen über die Autos legen, Birken, die aus der Motorhaube herauswachsen. Das sind ganz faszinierende Szenen…”

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“Rose de Vents”

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Das ist das Elend am Motorblöckchen, wenn man keinen schönen, alten, fahrbaren Untersatz mehr hat. Andere kommen mehr herum und bleiben auch mal stehen, wenn sie etwas interessantes am Strassenrand entdecken. Und einige, wie Martin Graf, die schon früher so wo angehalten hatten, halten wieder an und wir dürfen uns die schönen Fotos anschauen…

„Rose de vents“ heisst auf deutsch Windrose. Auf Landkarten zeigt sie die Himmelsrichtungen an; am Rand des kleinen französischen Dorfs Fayl-Billot in der Region Champagne-Ardenne bezeichnet sie seit vielen Jahren ein Restaurant, ein kleines Hotel und eine Tankstelle mit Autowerkstatt an der Kreuzung der N19 und der D460…”

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Dem Schutzpatron Christophorus nichts überlassen

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Eine der schönen Sachen an alten dahingleitenden Autos ist die Zeit, die man während dem Fahren zum Nachdenken hat. Das kann natürlich auch zur Last werden, wenn hinter dem Lenkrad die Gedanken um die weniger schönen Momente des Daseins kreisen, als da etwa die Vergänglichkeit ist.

Wenn man sich die Berichte und Bilder von der IAA durchliest und anschaut, was jetzt so State of the Art ist, glaubt man einen Moment lang, Zetsche & Co wollen so etwas Untermotorisiertes nicht mehr herumfahren sehen. Aus deren Sicht verständlich, deshalb Schluss mit lustig, ab auf den Autofriedhof.

Weil ich als junger Bonvivant im Fahrversuch bei einem Bremsenhersteller lernte, den Gasfuß kontrolliert bis unten in die Ölwanne durchzudrücken, sehe ich heute besorgt, welcher Irrsinn von Ahnungslosen inmitten der doppelten Verkehrsdichte als damals, veranstaltet wird und finde immer mehr, so etwa 100 auf Bundes- und Landstrassen und 130 auf Autobahnen müssten reichen, denn die wenigsten Raser können ihre übermotorisierten Kisten überhaupt kontrollieren.

Aber das ist nur eines der Probleme, neben dem immer dichteren Verkehr in den Städten, dem Benzinverbrauch, den hochgezüchteten CO2-Bomben, dem Ozon, dem Dreck, dem Gestank, der inzwischen auch meiner kleinen Stadt die Luft raubt.

Man könnte glauben, dass spätere Generationen solche Bilder wie oben nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Um so lieber schau ich mir heute Bilder von Autos aus Zeiten an, als 60 – 80 PS bei Mittelklassewagen Normalität, ein Mercedes 220 SE Coupé mit 120 PS absolute Premiumklasse waren und ich mir beim Antritt eines 170 PS Porsche 911 S an der Ampel, wie Niki Lauda beim Start in der Poole vorkam.

“Welcome to the wonderful world of Gerard Gombert. Somewhere deep in Provence, hidden between Grasse and Fayence Tourrettes, lives ‘La Gombe’ – with his five dogs, a donkey and about 50 vehicles. He is an amiable fellow with white hair and a bizarre collection of cars in his overgrown garden…”

Das Leben ist schön und es gibt so viele, interessante Autogeschichten draussen.

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