Schrader’s schöne Geschichte und mein unerfüllbarer 570 ccm Traum

14.12.17 Fiat - Hesselmann

“Offen und ehrlich wie Halwart Schrader” nannte ich vor 4 Jahren einen meiner ersten Beiträge, die sich kritisch mit der Überkommerzialisierung und Beutelschneiderei der Oldtimer-Szene beschäftigten. Sein kritischer und zugleich warnender Kommentar aus dem Jahr 1991, damals im ehemaligen Oldtimer – Nachrichten – Magazin veröffentlicht, von ihm, einem der Meister des Erzähl – Journalismus und der spitzen Feder und bedeutendsten Buchautoren der Gegenwart über das rollende Blech auf 2 wie auf 4 Rädern, passte einfach zum Auktions – Wahnsinn der Gegenwart dazu. Wer hier unter “Suche” seinen Namen eingibt, findet seit dem so einiges mehr.

Im Februar 2013 schrub Halwart Schrader einen, ich will ihn mal als “Nachruf” auf seinen Freund und Co-Autor der “Schlafenden Schönheiten”, den Fotographen Herbert Hesselmann, bezeichnen. Zwischen 1991 und 2013 hatte sich viel verändert. Warum diese kleine “Abrechnung” bis auf die Verlagsseite vielleicht grade deshalb unveröffentlicht blieb, mag sich jeder denken.

“…Der Mann war Besitzer einer Sammlung wertvoller Automobile, die einen Dornröschenschlaf hielten. Über den Ort und über den Mann, der die Fahrzeuge Zeit seines Lebens zusammengetragen hatte, erfuhr ich zunächst nichts Näheres. Nur so viel: Es handelte sich um etwa fünfzig der seltensten Klassiker der Welt, und seit ihrer Einquartierung im Manoir de Rampart habe sie kaum je ein Außenstehender gesehen, geschweige denn berührt. Und niemandem außer mir würde vermutlich je wieder gestattet werden, die Kollektion zu fotografieren…”    “…Guido und das Huhn waren Zeugen, als Hesselmann dem Patron das Versprechen abgab, niemals dessen Namen in Verbindung mit der geplanten Reportage über die schlafenden Schönheiten zu nennen, erst recht nicht den Ort der Handlung anzugeben. Und Hesselmann hielt Wort. “

Die Geschichte von damals ging nicht gut aus.

“…Dovaz als Opfer eines beginnenden, rücksichtslosen Enthüllungs-Journalismus’ sah nur einen einzigen Weg, der Belagerung rigoros zu entgehen: Er musste das Manoir de Rampart verlassen…” “Noch bevor das Inventar des Manoir ausgeräumt wurde, blockierten eines Morgens einige Autotransporter die Dorfstraße, um die vom gröbsten Dreck und stärksten Bewuchs befreite Fahrzeugfracht aufzunehmen. In Reih’ und Glied standen die Autos mit frisch aufgepumpten Pneus auf der abschüssigen Rue Haute bereit, eine kleine Reise anzutreten. Bis für sie ein neuer Schlafplatz gefunden war, wurden sie in ein Quartier irgendwo im Südwesten des Landes verbracht…”   “…Keine von vermoostem, abblätterndem Lack überzogene Karosse, kein ölverkrusteter Motorblock blieb zurück…”

Dieser Beitrag fiel mir schlagartig ein, als ich vor ein paar Tagen die ersten Fotos von dem Schlossfund sah und zugleich die Berichte, wie ein vom Geruch des großen, schnellen Geldes angelockter Geier – Schwarm, ein Oldtimer – Auktionshaus, sich ohne langes Kreisen, im Sturzflug auf diesen Fund stürzt, um ihn in möglichst viele kleine und vor allem teuere Stücke zu zerreissen.

Tscha, 1977 waren die Franzosen noch klüger.

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P.S. Ach ja, wer einen der Fotobände “Schlafende Schönheiten” von Herbert Hesselmann schon im Bücherregal stehen hat und im Gegensatz zu mir, zufällig 19.500 Euro noch auf der Kante, kann sich grade den Fiat Topolino in die Garage stellen, den er wenige Jahre vor seinem Tod noch seiner Frau schenkte….

Aufmerksamkeitswert höher als bei den meisten Allerwelts-Oldtimer wie ‚Pagode’, ‚911er Porsche’ etc. p.p., garantiert

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01.07.2011: Titel Fremdefeder

“Es ist durchaus etwas vorstellbar, das aus ökologischer Sicht verwerflicher als die Targa Florio ist: Armen Eisbären die Eisberge mit russischen U-Boot-Reaktorenkernen wegschmelzen. Tigerpelze mit Walhautinnenfutter und Dodofederbesatz tragen. Die Kreuzung von Lebensmittelgentechnikerinnn mit Atombombenkonstrukteuren. Die Zutaten eines bayerischen Leberkäses. Aber dann wird es schon eng, denn die originale Targa Florio hat alles aufgeboten, was man als Grüner hassen muss..”

Zur Überbrückung meiner Schreibphobie und der Zeit bis zu einem neuen Beitrag mit wenigstens rudimentärer, automobiler Rest-Relevanz, habe ich gestern Abend den FAZ – Beitrag von DonAlphonso gelesen, den ich speziell den Freunden deftiger Blasmusik empfehlen kann.

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