Entschleunigte Zeit und schlafende, schöne Nachbarn

Der Mensch in mir, von dem ich manchmal denke, dass er ein halbes Jahrhundert  zu spät auf die Welt kam, kriegt jedesmal Anfälle, wenn er solche Fotos sieht.

Ich denke, man sollte irgendwie wegkommen, von all diesen Wichsereien über (im übrigen größtenteils subprime-finanzierte) Autoverkaufserfolge in den USA, Share-Holder-Value, Premiumauto – Ranglisten, Produktivitätssteigerungen und auf Breitreifen, Fahrassistenten und Multimedia im Auto angelegten Autoverherrlichungen.

Aber darum geht es mir nicht, man ahnt es, wenn man die Fotos von Martin Graf und hier die ebenso eindrucksvollen Fotos der einstigen Grand Nation sieht, die noch bis in die 60er Jahre wirtschaftlich und kulturell auf uns herabblicken konnte, Fotos lange verschwundener Firmen und Marken, an den Häuserwänden entlang der unzähligen Straßen. Der Niedergang eines früher hochentwickelten Nachbarn sollte vielleicht  so etwas wie eine Warnung für uns sein.

 

[Road Movie]   [Martin Graf]   [Ruins of Detroit]   [Au volant – la vie]

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Kleingedrucktes

Ich glaube im Übrigen nicht an den ganz grossen Euro-Crash. Gut, es gibt da ein paar echte Probleme, und vielleicht wird man den Euroraum spalten müssen. Aber solange es den Briten immer noch dreckiger geht und in den USA die Subprimekrise gerade wieder den Kopf hebt und AIG weiterhin Miese macht, ist Deutschland relativ gesehen, immer noch eine stabile und sichere Nummer, wie gesagt, relativ.

Griechenland ist als Staat in etwa das, was die Frankfurter Bankster und ihre gelben Kaufmich-Politiker als Kriminelle sind: Dreckige Zyniker, die für Geld von anderen jede Schandtat zu tun bereit ist und, sobald sie es haben, jeden anderen am Wegesrand verhungern liessen. Die Griechen und die Bankster haben jahrelang betrogen und Zahlen gefälscht, wo es nur ging – die werden sich nicht ändern. Wie immer, geht es nicht um die Rettung der Griechen, es geht wieder mal nur um die Rettung der Banken, speziell der (D)deutschen Bank(en), die den Griechen Geld geliehen haben.

Rund 1.019 Milliarden Dollar, also mehr als eine Billiarde Dollar Kredite wurden an Portugal, Italien, Griechenland und Spanien ausgeliehen. Der Großteil davon ging an Spanien und nur 119 Milliarden an Griechenland. Dabei haben deutsche und französische Banken ungefähr die Hälfte dieses Betrages ausgeliehen. In Griechenland sind übrigens wieder die üblichen Verdächtigen freudig vereint wie Frank Meyer auf seinem Blog berichtet:

Selbst die Bankenaufsichtbubis fürchten, dass die Entwicklung für deutsche Banken zur Gefahr werden könnte, da in diesem Problemfeld von deutschen Banken insgesamt Papiere im Volumen von 522,4 Milliarden Euro gehalten werden und dies ungefähr 20 Prozent des Geldes ist, das Deutsche im Ausland verliehen haben. Natürlich sieht es anderswo noch schlimmer aus, aber das ist ja bekannt.

Professor (Un)Sinn vom Ifo-Institut hat die Gefahr für die Weltwirtschaft zwar erkannt, denn ganz bestimmt hat er von Dr. Alexander von Paleske gelesen,  wie Bankster mit Credit Default Swaps die Krise in Griechenland verschärfen,  gelesen.  Genau deshalb hat der in Berlin gern gehörte Prof. Unsinn wie immer die Lösung. Die Armen sollen sparen und die Löhne müssen runter, sein altes und vor allem gemeines  Stammtischlied der Neokons.

Vorbeugen ist bekanntlich besser als heilen.  Die von der Citi-Group erfolgte Benachrichtigung an alle Kunden, nur im Kleingedruckten natürlich, weckt bei mir Zweifel über die Stabilität des Finanzsystems. Die 3,5 Millionen deutschen Kunden der “City die niemals schläft” sind nun mit dem Hinweis konfrontiert, dass die Citigroup berechtigt ist, Auszahlungen fristgebunden zu verweigern. Dieser Spruch findet sich gegenwärtig auf ihren Kontoauszügen. Ohne vorherige Anmeldung gibts keine Kohle, wann gabs so was schon mal in den letzten 50 Jahren, dass selbst eine “Financial Times Deutschland”  schreibt, dass durch diese Benachrichtigung der Eindruck hervorgerufen würde, dass die Bank einem etwaigen Sturm der Kunden auf ihre Gelder vorzubeugen beabsichtigt. Na, dafür braucht man kein großartiger Hellseher sein, darauf würde jeder sofort tippen.

Ganz ehrlich, selbst wenn man heute eine Schrifttafel ganz groß irgendwo in den Städten aufstellen würde, drauf schriebe – “Banken sind am Ende, Sparer holt euer Geld ab” – es würden vielleicht eine Handvoll älterer Menschen aus ihrem Fernsehschlummer erwachen, aber bald darauf wieder einnicken und weiterhin die “persönliche Trance” genießen …

Soweit haben sie’s gebracht, die Menschen sind dermaßen abgestumpft und zu Konsummaschinen verkommen, das nicht mehr viel zu ihnen durchdringt. Und es mag ja sein gutes haben, denn auf diese Weise bleiben die Gelder auf den Banken. Jeder, der jetzt noch sein Geld dort lässt, tut dies auf – sowieso – eigene Gefahr. Und warum man in Tageszeitungen, ausser der Financial Times, so gut wie nichts über “Kleingedrucktes” der Citi-Bank findet, mag sich jeder seinen Reim selbst machen.

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