Einfaches Leben: Fraisier des bois de Gonzenheim

Von jemand mit Auge für das Rote unter all dem schattigen Grün entdeckt, 0,75 Quadratmeter Walderdbeeren-Feld bei uns im Garten. Naturgemäß sehr klein, warum man auch in der Kleinmarkthalle mit gut 8 – 10 Euro für das Pfund dabei ist, und viel viel zu wenig Ernte, weshalb ich heute Nachmittag die restlichen 478 Gramm in unserem Biohoflädchen hole, um das Pfund vollzumachen.

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Flipper in Öl ohne Gräten

Das Urteil der Geschichte über Venezuelas Hugo Chavez wird in Jahrzehnten einmal nicht allzu positiv ausfallen. Chavez hat mit seinen Verstaatlichungen unterwegs zu viele Fehler gemacht, und nicht alles ist nur die traditionell schlechte PR marxistischer Herrscher in den westlichen Medien. Ich sage aber ganz offen, dass ich Chavez im positiven Sinn schon längst weit, weit vor George Bush jr. und wenn es so weitergeht, auch vor Obama, sehe.

Obamas bisherige Bilanz sind eine die Pharmalobby begünstigende Gesundheistreform, unvermindert noch immer fast 50 Millionen von Food-Stamps lebende Amerikaner, zögerliche, wachsweiche Gesetze gegen die organisierten Kriminellen der Wall Street, Nichtstun gegen das Aufkommen militanter, bewaffneter, rechtsextremer Bewegungen und jetzt vor allem das Bohrloch der Deepwater Horizon, jene braune Suppe auskotzende Katastrophe, die so sehr zu Amerika passt und die letztlich nur einen Teil der Ölstrategie genau dieses Präsidenten darstellt, der Genehmigungen für ähnliche Projekte in früheren Umweltschutzzonen wie sein Vorgänger Bush jr. ohne mit der Wimper zu zucken erteilt hat.

Ich beschäftige mich nicht so oft ein zweites Mal mit dem gleichen Thema.  Angesichts des gigantischen Skandals, des auf allen Ebenen sichtbaren Versagens inclusive korrupter Machenschaften von Aufsichtsbehörden und den Vertuschungsversuchen eines Ölmultis, nur um seinen Aktionären den Arsch zu retten, frage ich mich aber schon mal, ob die deutsche Atomindustrie und -Aufsicht und die Energieversorger genauso “arbeiten” wie BP und die verantwortlichen US-Stellen?

Hard Driving and fast Living

Unter Polizeischutz heuerten am Wochenende zwei Vertreter des Londoner Ölkonzerns BP in einer Turnhalle 600 Austern- und Garnelenfischer von Venice (USA) im Mississippi-Delta an. 1.200 Dollar pro Tag, rund 900 Euro, sollen die Kuttterkapitäne als Minimum dafür erhalten, dass sie mit ihren Booten bei heftigem Seegang herausfahren und beim Legen aufblasbarer Ölsperren helfen. In einer Woche hätte die Fangsaison (6 Monate) starten sollen.

60 Kilometer vor ihrer Küste war am 20. April das 450 Tonnen schwere Notfallventil der texanischen Firma Cameron in 1.500 Metern Meeres-Tiefe explodiert und hatte die der schweizer Firma Transocean gehörende Bohrinsel “Deepwater Horizon” in Brand gesetzt, die zwei Tage später versank und elf Arbeiter in den Tod riss. Seitdem sprudeln aus der Ölquelle, die BP gehört, täglich rd. 1 Million Liter Öl ins Meer und treiben als stinkender Schlick auf Louisiana zu.

Die Fischer verdienten pro Saison 70.000 Dollar (53.000 Euro), rund 390 Dollar (290 Euro) am Tag. Sie belieferten die feinen Restaurants in New Orleans. Nun tötet das Öl alles. BP zahlt den Fischern den dreifachen Tagesverdienst für den Hilfseinsatz. Doch die “Fischereihauptstadt der Welt”-Venice gibt es nicht mehr. Ach ja, US-Präsident Barack Obama kündigte erst kürzlich an, er werde an der US-Küste, auch in bisherigen Naturschutzzonen, neue Ölbohrungen freigeben, um die USA energieunabhängig zu machen. Nun denn…

tapfer bleiben.

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Abiotisch im Tank könnte mir gefallen

Gasgeben, Benzin gibts ohne Ende. Im Smart Investor in einem Artikel von William Engdahl vertrat dieser die These, dass das Rohöl der Welt nicht aus Ablagerungen biologischer Reste entstanden ist (so wie wir es in der Schule gelernt haben), sondern im Erdinneren entsteht. Der Clou daran: Das sogenannte abiotische Öl wäre quasi unendlich vorhanden, denn es würde dann ja nicht aus Hunderte von Millionen Jahren alter Ablagerungen stammen, sondern dauernd neu entstehen. Damit könnte man die Idee von Peak-Oil auch direkt in die Rundablage befördern.

In Russland scheint die These vom abiotischen Erdöl durchaus verbreitet zu sein. Aber wer sollte ein Interesse haben, diese Theorie zu unterdrücken. Klar: Die Erdölkonzerne und die Rohstoffhändler, die nur mit dem drohenden Ende die immer noch hohen Erdölpreise rechtfertigen.

Das ganze ist natürlich sehr umstritten, wissenschaftlich nicht bewiesen und für mich ziemlich nahe an Verschwörungstheorien. Ich halte mich mit Meinung dazu erst mal zurück und empfehle den meiner Meinung nach sehr gelungenen 3sat Beitrag sich noch mal anzuschauen. Eine halbe Stunde Qualitätsfernsehen, die sich nicht nur für Rohstofffans lohnt. Man stelle sich vor, die Menschheit könne unbegrenzt Autos bauen, Vollgas fahren und Öl verbrennen und den CO2 Ausstoß weiter erhöhen…

Sendung 3Sat

Dem Missiör, iss nix zu schwör

Missiör Histomat  war einen Tick schneller als ich. Ich hab gestern nämlich auch noch spät über einem Text gebrütet, der sich mit speziellen Fahrern alter Autos  beschäftigt, nachdem mich auf der Retro-Classics auf dem Stand des Pagoden-Clubs so ein Kuhfladenabsonderer mal richtig von links anmachen wollte, und ich in Halle 1, oben auf der Gallerie, das weitgehend von den Ausstellungsbesuchern unbeachtete gebliebene Häuflein Verfechter automobilen Kulturgutes – IKM – habe sitzen sehen.

Mal endlich wieder ein sehr schöner Beitrag von Helmut Weiß.

Ja, Freunde, man muss das auch anerkennen: Wenn Histomat mal nicht über dekadente Mercedes-Fahrer oder die Zukunft liegt im Osten schreibt, dann ergibt das so wie früher recht ansehnliche Texte. Dies ist zweifellos einer davon.

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